Einblicke in die Probenarbeit des WKO Heilbronn beim Lesersommer
Wie bereitet sich ein Orchester auf ein Konzert vor? Und wie viele Stunden am Tag probt ein Berufsmusiker? Antworten darauf bekamen 20 Stimme-Leser beim Besuch einer Probe des Württembergischen Kammerorchesters Heilbronn (WKO).

„Ab 44 kein decrescendo“, „ab 120 pianissimo“. Worüber genau sich die Musiker und Musikerinnen des Württembergischen Kammerorchesters (WKO) fortwährend austauschen, erschließt sich den Teilnehmern des Stimme-Lesersommers erst nach einer Weile. Sind mit den Zahlen doch die Takte gemeint – als gemeinsame Referenz für das Auffinden bestimmter Stellen in einer Partitur.
Am frühen Samstagnachmittag hatten 20 Stimme-Abonnenten die Möglichkeit, exklusiv bei einer Generalprobe des renommierten Klangkörpers dabei zu sein. Einen Tag später tritt das Orchester gemeinsam mit Mikhail Pochekin (Violine), Ivan Pochekin (Violine) und Simon Tetzlaff (Violoncello) zum ersten Mal beim noch jungen Kammermusikfestival in Landshut auf.
Auf dem Programm steht dann unter anderem das Konzert für Violine und Orchester d-Moll von Felix Mendelssohn Bartholdy – ein Stück aus dem Standardrepertoire eines Kammerorchesters. Zusammen mit Solist Mikhail Pochekin wird in Heilbronn nun an diesem Werk gefeilt, an Feinheiten gearbeitet. Die WKO-Musikerinnen und -Musiker sitzen – im Gegensatz zu den Konzertabenden – in normaler Alltagskleidung an ihren Instrumenten.
Probenbesuch beim WKO: Kommunikation ist wichtig
Kommunikation, das zeigt sich schnell, ist der wichtigste Bestandteil einer Orchesterprobe. Viel wird miteinander gesprochen über Tempo, Betonung, Lautstärke. Immer wieder wird unterbrochen, neu angesetzt, die Musikerinnen und Musiker machen sich regelmäßig Notizen auf den Noten-Tablets. „Hier verlieren wir ein wenig Energie“, sagt einer der Musiker. „An dieser Stelle braucht es mehr Spannung“, stimmt Violinist Mikhail Pochekin zu, der die Probe leitet und dem Orchester nach dem nächsten Durchgang – der läuft besser – einen Daumen nach oben zeigt.

In der Probenpause haben die Stimme-Leser dann die Möglichkeit, WKO-Intendantin Katrin Kirsch und einigen Musikern Fragen zu stellen. Interesse gibt es an den Noten-Tablets, die das Orchester seit 2022 benutzt und von den Musikern zum „umblättern“ mit einem Fußpedal bedient werden können. „Die Noten sind in einer Cloud gespeichert, auf die jeder im Orchester Zugriff hat“, erklärt Katrin Kirsch. „Wir haben mit den Tablets nur gute Erfahrungen gemacht“, sagt Cellist Georg Oyen. „Einen Ausfall gab es bislang noch nicht.“ Vorteil des kompakten elektronischen Geräts? Gut für die Umwelt, und „man muss jetzt keinen Koffer voller Noten mehr mit sich herumtragen“, so Oyen.
Probenbesuch beim WKO: Fragen an die Musiker
Weitere Fragen, die in den Gesprächen aufkommen: Wie lange man am Tag probt? Fünf Stunden mit dem Orchester, dann oft noch ein bis zwei Stunden alleine. Ob sich ein Orchester ohne öffentliche Fördergelder halten könnte? Klare Antwort: Nein. Ob man als Berufsmusiker an manchen Tagen auch mal keine Lust auf Proben und Konzerte habe? Wiederum klare Antwort: Ja. Was das Orchester macht, wenn man mit einem Solisten nicht gut auskommt? „Man spielt trotzdem“, sagt Oyen pragmatisch und lacht.
Die Stimme-Leser sind von den Probeeinblicken begeistert. Hildegunde Jung besucht regelmäßig Konzerte des WKO. „Mendelssohn Bartholdy ist sehr ergreifend“, sagt die Gemmingerin, die selbst in einem Chor singt und die Arbeit an einem Stück gut kennt. „In Chorproben wird auch sehr viel abgesprochen.“ Lore Krämer-Bacher ist von der Orchesterprobe angetan, auch sie ist immer wieder Gast in Konzerten – und hat sogar noch einen weiteren Bezug zur Klassik. „Mein Sohn ist Geigenbaumeister in Augsburg“, so die Heilbronnerin.


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