Ein neuer Weislingen, Besuch vom Staatsminister und die Stille
Wer in diesem Sommer den Widersacher vom Götz bei den Burgfestspielen gibt, warum Wolfram Weimer wieder kommt und einst ein „Käthchenschmeißen“ in Heilbronn fast zum Skandal führte.

People-Pleaser
Von Coswig bei Dresden, wo er 1968 geboren wurde, geht Ralph Hönicke kurz vor dem Mauerfall im Sommer 1989 in den Westen, studiert dann an der Hochschule für Musik und Theater Hannover und kommt zu seinem ersten Theaterengagement nach Heilbronn, wo Hönicke zwischen 1996 und 1999 zu erleben ist. Bevor er an die Württembergische Landesbühne Esslingen wechselt. Inzwischen arbeitet der Schauspieler frei und ist in diesem Sommer bei den Burgfestspielen Jagsthausen als Weislingen zu sehen. Also als Antipode zum Götz in Goethes gleichnamigem Sturm-und-Drang-Drama in der Regie von Laura Remmler. Ein Zerrissener, ein Opportunist, ein People-Pleaser? Wir sind gespannt, wie Hönicke die Rolle anlegt. Vergangene Spielzeit hatte Jungregisseurin Remmler den Versuch unternommen, das sperrige Stück ein wenig ins Heute zu führen. Jetzt soll es eine leicht veränderte Wiederaufnahme geben, erneut mit Thomas Sarbacher in der Titelrolle. Und mit der Neubesetzung Hönicke. Hönicke übrigens wird dem Publikum auch in „Der Hexer“ nach Edgar Wallace im Burghof begegnen. TV-Freunden ist das Gesicht Hönickes vielleicht bekannt aus zahlreichen Nebenrollen in „Tatort“-Folgen und weiteren Fernsehproduktionen.
Stippvisite
Als Staatsminister für Kultur und Medien lässt man sich nicht nur auf der Berlinale blicken. Vergangene Woche hat Wolfram Weimer den Museen Würth einen kurzen Besuch abgestattet, die Christo- und Jeanne-Claude-Ausstellung „Verhüllt, verschnürt, gestapelt“ im Museum in Gaisbach bewundert sowie das Carmen-Würth-Forum samt Museum Würth 2 mit der Schau „Focus. Neue Blicke auf die Sammlung Würth“. Eine Stippvisite. Gerne hätte Weimer auch die Holbein-Madonna in der Johanniterkirche Schwäbisch Hall gesehen. Keine Zeit, vielleicht next time.
Scheintänzer
Die Stille leben? Klingt wohltuend in unserer schnelllebigen Zeit, darf man aber auch als Sisyphusarbeit verstehen: immer wieder am Versuch der Stille zu arbeiten. „Die Stille leben“ ist auch der Titel der Ausstellung, die diesen Samstag um 16 Uhr auf der Inselspitze Heilbronn eröffnet wird mit den Künstlerinnen Christiane Reyle, Miriam Wilke sowie Volker März aus Berlin. Einige dürften sich erinnern. Vor Jahren provozierte März, der damals eine Ausstellung im Deutschhof-Museum hatte, mit der geplanten Performance „Käthchenschmeißen“ – gemeinsam mit dem Theater – im konservativen Heilbronn einen Kunstskandal. Der keiner war und ohnehin abgesagt wurde. Weil die Städtischen Museen kniffen. Volker März wird nun im Rahmen der Vernissage mit seiner Scheinesser-Performance zu erleben sein. Christiane Reyle und Miriam Wilke greifen derweil das klassische Genre Stillleben auf. Über längere Zeit haben sie gemeinsam im Atelier gearbeitet, hat Reyle großformatige, pastose Bilder auf die Leinwand gebannt als Ausdruck des puren Lebens. Während Wilke erst einmal die dunkle Erde aus dem Garten auf die Leinwand verteilt, um dann ihre stillen Bilder herauszuheben. Volker März’ bemalte Figuren aus Ton indes verkörpern als Scheinesser und Scheintänzer dann doch eher das Laute im Leben.

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