Am Freitag, 19. 30 Uhr, hat Mozarts „Don Giovanni“ Premiere im Großen Haus des Heilbronner Theaters, in italienischer Sprache mit deutschen Übertiteln. Musikalische Leitung: Risto Joost, Regie: Axel Vornam, Bühne: Tom Musch, Kostüme: Toto. Es singen und spielen Frazan Adil Kotwal, Junoh Lee, Hyerim Kim, Lars Tappert, Anastasia Wanek, Mathias Tönges, Benedikt Lutz und Lara Rieken, Studierende an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Stuttgart. Infos und Termine unter www.theater-heilbronn.de
Ein Mann ohne jede Scham und Zaudern
Vor der Premiere von Mozarts Oper „Don Giovanni“ erzählen Regisseur Axel Vornam und Dirigent Risto Joost von der Faszination und dem Mythos eines notorischen Frauenhelden und Grenzüberschreiters. Eine Kooperation zwischen Theater, WKO und Hochschule Stuttgart.

Tief verwurzelt in der westlichen Kultur ist die Figur des Don Juan. Vielleicht geht sein Mythos zurück bis zum antiken Satyr. Seit dem 18. Jahrhundert erfährt er eine Unzahl an Neudeutungen. Librettist Lorenzo da Ponte und Wolfgang Amadeus Mozart entwickelten ihn weiter und schufen mit der Oper „Don Giovanni“ ein zentrales Werk der Musikliteratur, in dem Tragödie und Komödie Seite an Seiten existieren. Dramma Giocoso haben sie den Geniestreich genannt, der spielerisch – giocoso – ist und ernst, wenn er den Todestrieb verhandelt, der auf die finale Katastrophe hinausläuft.
Don Giovanni agiert diabolisch, eine Kraft, die Zerstörung bringt – und Don Giovanni fasziniert. Die Frauenfiguren im Stück ebenso wie Axel Vornam und Risto Joost. Als Kooperation des Heilbronner Theaters mit dem Württembergischen Kammerorchester bringen sie das Drama in zwei Akten auf die Bühne des Großen Hauses, mit den jungen Stimmen Studierender der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Stuttgart. 40 Musikerinnen und Musiker im Graben sorgen für den Mozart-Sound, den WKO-Chefdirigent Joost aus seinem Orchester herauskitzeln möchte.
Musik und Handlung bilden ein Gesamtkunstwerk
Für Intendant und Regisseur Axel Vornam ist es die vierte Mozart-Oper, die er in Heilbronn inszeniert. „Warum ich Mozart mag? Weil man mit Mozart im Wortsinn Musiktheater hat.“ Was an den hochdramatischen Libretti da Pontes liegt und dessen Figuren in der Tradition der Commedia dell’ Arte. Kurzum: Starke Spielszenen, was Risto Joost für die Musik nur bestätigen mag. „Eine kontrastreiche Partitur, alle Charaktere kommen aus dem Libretto“, für Joost ist „Don Giovanni“ ein Gesamtkunstwerk.
Bei den Konzeptproben hat Vornam das Ensemble auf die Parallelen zu Shakespeare verwiesen. „Diese Wechsel und extremen Abstürze.“ Mozarts Figuren bewegen sich in existenziellen Grenzsituationen. „Mozart bleibt immer Zeitgenosse und spricht direkt mit dem Publikum“, erklärt Risto Joost, warum „Don Giovanni“ so zentral ist in der Opernliteratur. Eine Figur, die sich über alle Konventionen hinwegsetzt. In einer „Radikalität“, die ihn für Axel Vornam zu einem Bruder im Geiste von Faust macht.
Eine diabolische, eine (selbst)zerstörerische Kraft
Worin die Dialektik der Handlung besteht? Don Giovanni ist ein offenes Versprechen, und er zahlt dafür. Für „unseren“ Don Giovanni, sagt Joost, für den jungen Bariton Frazan Adil Kotwal, eine große Herausforderung, stimmlich wie darstellerisch. Dirigent Joost, der selbst Sänger ist und einst die Partie dieses ambivalenten Mozart-Helden gesungen hat, weiß, wie er die Sänger unterstützen kann. Der Begriff Latin Lover für Don Giovanni ist für Joost wie für Vornam „zu klein“. Er ist einer auf der Suche nach Erlösung, auch von sich selbst. Und er verkörpert eine Kraft, die zerstörerisch ist, auch selbstzerstörerisch.
Frauen, ob blond oder braun, jung oder alt, sind die Obsession des spanischen Edelmannes und Freigeists. Er kennt kein Umfallen, keine Scham, kein Zaudern. Kaum ist eine Frau erobert, sucht er sich das nächste Objekt der Begierde. Donna Anna etwa, die Tochter des Komturs, die mit Don Ottavio verlobt ist, was Don Giovannis Jagdtrieb erst recht anstachelt. Als er in Annas Schlafzimmer vordringt, eilt ihr Vater herbei und wird von Don Giovanni getötet, der unerkannt entkommt. Donna Anna und Don Ottavio schwören Rache. Derweil stürzt sich der neurotische Frauenjäger in eine Hochzeitgesellschaft und macht sich an die Braut Zerlina heran.
Don Giovanni wird seinen Untergang besiegeln
Da funkt seine ehemalige Geliebte Donna Elvira dazwischen, die Zerlina vor dem Herzensbrecher warnt. Auf der Flucht bandelt Don Giovanni mit der Geliebten seines treuen Dieners Leporello an. Herr und Knecht treffen sich auf dem Friedhof vor dem Standbild des Komturs auf dessen Grab. Im Übermut zwingt Don Giovanni Leporello, die Statue zum Abendessen einzuladen. Der steinerne Gast nimmt die Einladung an, Don Giovanni wird seinen eigenen Untergang besiegeln.
„Wir sind kein Haus, das ein Starensemble zusammenkauft“, erklärt Intendant Vornam das Konzept der Zusammenarbeit seines Theaters mit WKO und Hochschule Stuttgart. Der Charme der Opernprojekte der vergangenen Jahre hat allen Beteiligten Recht gegeben.

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