Edle Ritter und ihre Damen
Heidelberg - "Entdeckung der Liebe": Unibibliothek stellt den Codex Manesse aus

Heidelberg - Die wohl berühmteste Lyrikhandschrift des Mittelalters − der Codex Manesse − kann erstmals seit Jahren wieder bewundert werden. Die aus 426 Pergamentblättern bestehende Lied- und Spruchsammlung rund um das Thema Minne steht im Zentrum der Schau "Der Codex Manesse und die Entdeckung der Liebe" in der Heidelberg Universitätsbibliothek.
Am Beispiel des Codex und weiterer wertvoller Handschriften wird die Entdeckung der Liebe im hohen Mittelalter illustriert. Organisiert wurde die Schau, die bis zum 20. Februar zu sehen ist, zum 625-jährigen Bestehen der Heidelberger Universität, der ältesten deutschen Hochschule. Der zu Beginn des 14. Jahrhunderts entstandene und mit farbenprächtigen Miniaturen verzierte Codex wird aus konservatorischen Gründen nur selten gezeigt.
Zuletzt war er 2006 in einer Mittelalterschau in Magdeburg zu sehen. In Heidelberg wurde der Codex vor zehn Jahren das letzte Mal ausgestellt. Meist lagert die mit 50 Millionen Euro versicherte Handschrift im klimatisierten Tresor der Universitätsbibliothek.
Herz erobern
Um Schätze besonderer Art geht es in den Texten: Die Große Heidelberger Liederhandschrift, wie der Codex auch genannt wird, enthält 140 Dichtersammlungen in mittelhochdeutscher Sprache zum Thema Minne. Die Idee der Liebe war von der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts an zum Thema in Epik und Lyrik geworden − ein absolutes Novum in der Literatur.
Die Frage des Dichters Walther von der Vogelweide, was das Wesen der Liebe sei, beschäftigte Adel und Priesterschaft. Und verschaffte der Liebe bei Hofe die Bedeutung eines hohen ethischen Werts. In vielen Texten und Bildern wurde thematisiert, dass es einem Ritter nicht mehr reichte, eine Dame nur zu besitzen: Der edle Mann wollte künftig auch ihr Herz erobern.
Im Codex Manesse ist der staufische und nachklassische Minnesang laut Bibliotheksexperten "in einzigartiger und unerreichter Fülle" versammelt, er gilt deshalb als "eines der Schlüsselzeugnisse für die Literatur und Kultur der Stauferzeit" überhaupt. Tatsächlich wurde zusammengetragen, was man jeweils von den Dichtern kannte. Etwa die Hälfte der Liedtexte sei nur dank der Sammlung überliefert. "Wenn wir diesen Codex nicht hätten, wüssten wir nichts von den Liedern", sagt Sabine Häußermann von der Universitätsbibliothek. Über höfische Verhaltensweisen informiert in der Ausstellung der "Welsche Gast" von Thomasin von Zerklaere, eine von 30 Original-Handschriften. Dazu zählt auch der legendäre "Parzival" des Wolfram von Eschenbach.
Ein ausgestopfter Falke, eine nachgebaute Laute und zahlreiche Fotos und Faksimiles sind ebenfalls Teil der Schau. lsw
Die Universitätsbibliothek Heidelberg zeigt den Codex Manesse bis 20. Februar täglich 10 bis 18 Uhr außer an Feiertagen und am 2. Januar. Eintritt: 5 (3) Euro.
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