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Anil Kizilbuga
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„Toteninsel“ im Kino: Drehbuchautor von „Die drei ???“-Film kommt aus Offenau

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Junge wie erwachsene „Drei ???“-Fans unterhalten und sich als Geschichtenerzähler treu bleiben? „Eine Herkulesaufgabe“, sagt Drehbuchautor Anil Kizilbuga, der in Offenau aufgewachsen ist. Wie der 38-Jährige zum Film kam und woran er gerade arbeitet.

Levi Brandl (von links nach recht) als Bob Andrews, Julius Weckauf als Justus Jonas, Pascal Buchsbaum als Juan und Nevio Wendt als Peter Shaw in einer Szene des Films „Die drei ??? - Toteninsel“.
Levi Brandl (von links nach recht) als Bob Andrews, Julius Weckauf als Justus Jonas, Pascal Buchsbaum als Juan und Nevio Wendt als Peter Shaw in einer Szene des Films „Die drei ??? - Toteninsel“.  Foto: Tomas Correa

In Offenau (Landkreis Heilbronn), wo er aufgewachsen ist, hat sich Anil Kizilbuga in der Bibliothek damals hin und wieder ein paar Bände der Erfolgsreihe ausgeliehen, die Hörbücher aber hat er nicht gehört. „Ich war nie der größte Fan, aber im Nachhinein finde ich das für die Arbeit sehr vorteilhaft.“ Vielleicht, weil sich der Drehbuchautor, Jahrgang 1987, dadurch unvoreingenommen mit den „Drei ???“ beschäftigen konnte. Jenen kultigen Jugendkrimis mit mittlerweile mehr als 250 Fällen.

Anil Kizilbuga aus Offenau hat das Drehbuch für den neuen „Die drei ???“-Film geschrieben

Für drei Kinoverfilmungen hat Kizilbuga das Script geschrieben, vergangenen Donnerstag (22. Januar) ist „Die drei ??? – Toteninsel“ deutschlandweit angelaufen. Und Kizilbuga freut sich am Dienstag beim Videotelefonat aus Berlin, wo er mittlerweile mit Freundin und Kindern lebt, über die Zahlen vom Startwochenende. „Wir haben tatsächlich die vorherigen Teile weit übertroffen. Wir hatten 333 000 Zuschauer“, so Kizilbuga „normalerweise sagt man ja, mit jedem Teil werden es weniger.“

Nach einem Mystery-mäßigem Auftakt und einer Fortsetzung im Stil eines klassischen Whodunit ermitteln die jungen Detektive Justus, Peter und Bob dieses Mal auf der Vulkaninsel Makatao und bekommen es mit gestohlenen Kunstschätzen, einem Geheimbund sowie einem zwielichtigen Archäologie-Professor zu tun. Abenteuerstreifen à la „Indiana Jones“ lassen grüßen.

Anil Kizilbuga (rechts) mit Regisseur Tim Dünschede (Mitte) und Kameramann Holger Jungnickel bei der Premiere des ersten „Die drei ???“-Films.
Foto: privat
Anil Kizilbuga (rechts) mit Regisseur Tim Dünschede (Mitte) und Kameramann Holger Jungnickel bei der Premiere des ersten „Die drei ???“-Films. Foto: privat  Foto: nicht angegeben

Welche Filme Anil Kizilbuga zur „Drei ???“-Adaption inspiriert haben

Wie Geschichten für die große Leinwand entwickeln, die Kinder und Jugendliche abholen? Die aber auch funktionieren für ein älteres Publikum, das mit den „Drei ???“ aufgewachsen ist und womöglich besonders kritisch verfolgt, was mit den geliebten Charakteren passiert? „Auf Augenhöhe erzählen, keine überzeichneten Erwachsenenfiguren, es muss menschlich sein und darf Grautöne geben“, beschreibt Anil Kizilbuga die Herangehensweise an die Herkulesaufgabe und nennt Filme wie „Stand by me“, „Die Goonies“ oder vom jungen Spielberg als Inspiration.

Back-to-back: So entstanden „Die drei ??? und der Karpatenhund“ und „Toteninsel“

Nach dem Erfolg des ersten „Die drei ???“-Films wurden Teil zwei und drei back-to-back gedreht, soll heißen: in einem Rutsch. In Deutschland eigentlich ein unübliches Verfahren, erklärt Anil Kizilbuga, aber reizvoll, um „die zwei Geschichten mehr miteinander zu verweben“. „Ich habe beide Bücher in sieben Monaten geschrieben, parallel wurde der Dreh vorbereitet.“ Ab Februar 2024 liefen auf Gran Canaria die Kameras. Für zwei Wochen war Kizilbuga am Set. Dann reiste er zurück nach Deutschland zur Geburt seines Kindes.

Offenau, München, London, Berlin: Anil Kizilbugas Weg zum Film

Dem Kreativteam gehören neben Kizilbuga Regisseur Tim Dünschede und Kameramann Holger Jungnickel an. Das Trio ist eingespielt, seit es 2018 „Limbo“, den ersten gemeinsamen Kinofilm, realisiert hat. „Das war so ein Low-Budget-Ding, Genre-Film, ohne Schnitt“, erzählt Kizilbuga, der in Bad Friedrichshall geboren ist und dort das Friedrich-von-Alberti-Gymnasium besucht hat.

Wenngleich er auch ein begeisterter Fußballspieler war, stand für den selbsterklärten Tagträumer, der Langeweile als Motor der Kreativität schätzt, übrigens schon im Alter von 14 Jahren fest, dass er später Filme machen möchte. „Wahrscheinlich auch durch das viele Fernsehschauen. Als 80er-, 90er-Jahre-Kind ist man damit aufgewachsen. Das war noch nicht verpönt“, blickt Anil Kizilbuga zurück. Und erzählt, dass seine Großeltern einst aus der Türkei nach Deutschland gekommen sind und er in einem Elternhaus großgeworden ist, das sehr musikalisch war und sehr politisch.

So stellte sich der Vater – „damals noch super links“ – als Jugendlicher mit seiner Super-8-Kamera in Neckarsulm auf den Berg, filmte das Audi-Tor und kommentierte, wie die Menschen am Schichtende herausströmten. Für ihn „ein Sinnbild des Kapitalismus“ und eine Reverenz an Chaplins „Modern Times“. In München hat sich Anil Kizilbuga die Aufnahmen extra digitalisieren lassen.

„Die drei ???“ im Kino: Im Mai beginnen die Dreharbeiten zu Teil vier

In der Isarmetropole studierte Kizilbuga nach Abitur und Zivildienst an der Hochschule für Fernsehen und Film Regie, weil er keine Lust hatte auf ein einjähriges Praktikum, wie es die Filmakademie Baden-Württemberg in Ludwigsburg vorschrieb. Anschließend zog er weiter nach London und studierte an der Goldsmiths University Drehbuchschreiben. „Drehbuchschreiben ist sehr kommod. Man verdient gut und kann die Projekte relativ schnell nach sechs bis acht Monaten abgeben“, sagt Kizilbuga, der in diesen Tagen an einer Komödie für Sony sitzt – und an seinem Regiedebüt mit einer eigenen Geschichte.

Auch gemeinsam mit Regisseur Tim Dünschede möchte er viele Ideen umsetzen, den Erfolg für seine Ziele nutzen. „Jetzt sind wir fertig mit Kinderfilmen und gehen über in den nächsten Akt unserer Karriere.“ Im Mai jedoch wird noch Teil vier der „Drei ???“ gedreht. Die Adaption des Falls „Nacht in Angst“ soll dann wirklich der Abschluss sein und ein Heist-Movie in Echtzeit. Die zweite Drehbuchfassung hat Anil Kizilbuga gerade erst in Offenau beendet, wo er sich zum Schreiben bei den Eltern einquartiert hatte.

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