Donaldist Gerhard Severin aus Brackenheim über seine Faszination für Entenhausen
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„Seine Geschichten erzählen das ganz normale Leben“, sagt Donaldist Gerhard Severin über US-Comiclegende Carl Barks. Wie der Brackenheimer Severin in Franken ein Comicmuseum mitgründete und warum er überzeugt ist, dass Barks’ Schöpfung Entenhausen real existiert.
Während eines Deutschlandbesuchs 1994 traf US-Comiclegende und Entenhausen-Schöpfer Carl Barks in München auf Übersetzerin Erika Fuchs. Foto: Ehapa Verlag/dpa
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Wenn an diesem Freitag Fans der fiktiven Metropole Entenhausen deren Schöpfer, dem US-amerikanischen Comicautor und -zeichner Carl Barks, gedenken, der vor 125 Jahren geboren wurde, dann ist das auch für Gerhard Severin ein wichtiger Tag. „Wie der Geburtstag von Donald Duck oder mein eigener Geburtstag.“ Was Carl Barks zu solch einem herausragenden Künstler macht? „Bei Disney gab es furchtbar viele Zeichner, Barks ist durch den besonderen Stil seiner Geschichten aufgefallen“, sagt Severin über den Cartoonisten, der lange anonym im Schatten von Produzent Walt Disney arbeitete, „seine Geschichten sind in sich schlüssig, immer schön abgeschlossen und erzählen das ganz normale Leben.“
Biografisches über die US-Comiclegende Carl Barks
Carl Barks, geboren 1901 auf einer Farm im US-Bundesstaat Oregon, arbeitet als Holzfäller und Hilfsarbeiter, ehe er mit Ende 20 seine erste Zeichnung verkauft. 1935 ergattert Barks einen Job in den Disney-Studios, 1942 kehrt er dem Trickfilm den Rücken zu, um Comics zu schreiben und zeichnen. Mehr als 500 Geschichten bringt Barks zu Papier. Erst als er bereits in Rente ist, lüften findige Fans seine Identität. 2000 stirbt er im Alter von 99 Jahren.
Der gebürtige Brackenheimer und ehemalige Amtsrichter Gerhard Severin liest seit seiner Kindheit Comics. Zunächst vor allem „Bessy“, „Nick“, „Tibor“ sowie „Fix und Foxi“. „Ich bin ’54 geboren, in dem Zeitraum hat ein Micky-Maus-Heft 75 Pfennige gekostet, das war verdammt viel Geld.“ Weswegen die verschiedenen Ausgaben damals gerne unter Freunden getauscht wurden, auch versorgten ihn die Eltern mit entsprechender Lektüre, wenn er mal krank war, erinnert sich Severin, der in Kleingartach und Lauffen aufgewachsen ist. Als es sich der Schüler dank Taschengeld leisten konnte, kaufte er endlich vermehrt Micky-Maus-Hefte – und lernte Entenhausen besser kennen mitsamt dessen Bewohnern Onkel Dagobert, Daniel Düsentrieb, Gustav Gans, den Panzerknackern und wie sie alle heißen.
Donaldisten sind mehr als Fans, sie untersuchen Entenhausen wissenschaftlich
Zu seinem 40. Geburtstag fielen Gerhard Severin dann in einem Hamburger Comicladen zwei Nummern von „Der Donaldist“ in die Hände, dem Zentralorgan der Deutschen Organisation nichtkommerzieller Anhänger des lauteren Donaldismus, kurz: D.O.N.A.L.D.. Der Jurist war fasziniert und beschloss, er möchte mitmachen bei dem Zusammenschluss, der heute ein Verein ist mit einem jährlichen Kongress – so wie vergangenes Wochenende in Ludwigshafen. „Da werden dann Vorträge gehalten über Erkenntnisse aus Entenhausen“, gibt Severin einen Einblick. Denn Donaldisten verstehen sich nicht einfach nur als Fans. „Wir sind Wissenschaftler. Wir untersuchen die Welt von Entenhausen, wie sie uns von Carl Barks in der Übersetzung von Erika Fuchs vorgeben wird.“
Mehr als 30 Jahre lang war Fuchs die Chefredakteurin des deutschen Micky-Maus-Magazins und prägte hierzulande maßgeblich die Comic-Sprache. Die von ihr übertragenen Geschichten betrachten Donaldisten nicht als Geschichten, sondern als Berichte. Entenhausen, so die Überzeugung von begeisterten Anhängern wie Gerhard Severin, existiert wirklich.
Gerhard Severin: „Man kann Donald Duck als modernen Sisyphus bezeichnen“
„Donald ist so menschlich“, erklärt der 71-Jährige, warum es ihm insbesondere der cholerische Enterich angetan hat. „Er durchlebt alle Erregung, er hat Probleme wie wir alle.“ Mit den oberschlauen Drillingen Tick, Trick und Track, Arbeitgeber Dagobert Duck oder mit Freundin Daisy, die mit Gustav Gans flirtet, wenn Donald nicht so will, wie sie will.
Scheitert der liebenswerte Pechvogel, macht er einfach weiter. „Man kann ihn als modernen Sisyphus bezeichnen“, sagt Severin, der gerne wie sein Vorbild Matrosenanzug und -mütze trägt. Zum Beispiel bei offiziellen Anlässen im Museum, dem Erika-Fuchs-Haus, das Gerhard Severin 2015 mitgegründet hat im fränkischen Schwarzenbach an der Saale, wo die Übersetzerin lange gelebt hat und wohin der frühere Amtsrichter vor einigen Jahren extra gezogen ist.
Eine Bronzeskulptur von Carl Barks, die heute 9000 Euro wert ist
Wie Beruf und Hobby überhaupt zusammengepasst haben? „Das verträgt sich sehr gut.“ Allerdings gab es ein kleines Problem, erzählt Severin. Eigentlich seien ihm nur drei private Bilder im Büro gestattet gewesen, doch habe er es auf 60 Donald-Duck-Porträts gebracht. Wesentlich mehr Devotionalien lagerten bei ihm zu Hause, von Figuren und Heften bis zu Kleidung und Geschirr. Die Sammlung bildete den Grundstock des Museums für Comic und Sprachkunst. „Bei über 3000 Teilen habe ich aufgehört, zu zählen, ich weiß nicht, wie viel ich insgesamt gehabt habe, im Museum ist immer noch nicht alles katalogisiert.“
Das kostbarste Exponat ist übrigens eine acht Kilo schwere Bronzeskulptur von Carl Barks. „Die hat mich damals 9000 Mark gekostet, wenn man sie jetzt aber bei Ebay ersteigern wollte, würde sie 9000 Euro kosten.“
Gerhard Severin aus Brackenheim hat das Erika-Fuchs-Museum im fränkischen Schwarzenbach an der Saale mitgegründet.
Foto: privat
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