1992 in Berlin geboren, studiert Luise Leschik Drama and Theatre Studies in Wales und Performance Studies an der Universität Hamburg. Sie hospitiert am Ohnsorg Theater und am Thalia Theater in Hamburg und engagiert sich in der freien Szene. Als Regieassistentin hat sie an den Schauspielbühnen Stuttgart geabeitet und am Heilbronner Theater. Seit 2019 freischaffende Regisseurin, Autorin und Dramaturgin in Stuttgart. 2020 gründet Luise Leschik das feministische Theaterkollektiv „silent ladies“. Ihr nächstes Projekt diesen September wird ein Audio Walk sein zum Thema Femizid.
Die Versionen von Wirklichkeit und andere Lebenslügen
Warum die Regisseurin schlauen Humor und Zynismus mag: Luise Leschik inszeniert die Kammerspiel-Komödie „Geheimnisse“ von Sébastien Blanc im Salon 3 des Heilbronner Theaters.

Wie hält es Luise Leschik mit den großen und kleinen Geheimnissen im Leben? „Ich glaube, so große Geheimnisse habe ich gar nicht. Ich bin schlecht im Verheimlichen und Lügen.“ Ein Geheimnis also ist bei Leschik nicht gut aufgehoben? Geheimnisse von anderen schon, als verantwortungsbewusst würde sich die 32-jährige Regisseurin bezeichnen. „Aber es würde mir gehen wie der Figur im Stück, der wider Willen Dinge anvertraut werden, und mich nicht gut dabei fühlen.“ Die sprichwörtlichen Gewissenskonflikte, die Fabian in der Komödie „Geheimnisse“ umtreiben.
Mindestens fünf Geheimnisse kommen ans Licht
Mindestens fünf Geheimnisse hat Luise Leschik ausgemacht, die in Sébastien Blancs Stück im Verlauf von 70 Bühnen-Minuten ans Licht kommen, oder wie man es nennen will, was dieses Schauspiel verhandelt, das im April 2024 in Paris uraufgeführt wurde und Leschik nun als deutschsprachige Erstaufführung am Heilbronner Theater inszeniert. Zur Premiere diesen Freitag im Salon 3 wird der Autor erwartet. Blanc lässt der Regisseurin und ihrem Team freie Hand, einmal hat er angerufen und bekundet, dass ihn das Interesse freut an seinem Stück. Während die Schauspieler bei der Uraufführung um die 60 Jahre alt waren, sind übrigens die Akteure in Heilbronn Anfang 30.
French-Open-Finale mit Champagner
Die Story: Fabian freut sich auf einen entspannten Abend mit seinen besten Freunden. Wie all die Jahre wird er sich mit den Zwillingsbrüdern Éric und Jérôme das Finale der French Open ansehen und das eine oder andere Fläschchen dazu trinken. Eine Stunde früher als geplant taucht Éric auf. Er muss Fabian dringend allein sprechen, um ihm ein Geheimnis anzuvertrauen, das auch das Leben seines Bruders verändert und von dessen Frau Juliette. Ungebremst plaudert Éric aus, was Fabian nicht hören will, und verschwindet. Kurz darauf erscheint Jérôme, auch er früher als vereinbart: um etwas streng Vertrauliches mitzuteilen.
Beiden Brüdern zur Loyalität verpflichtet, sitzt Fabian zwischen den Stühlen und bittet die Freunde, einander mit Offenheit zu begegnen. Worum geht es? Zu viel spoilern will Luise Leschik nicht. Nur, dass es anders kommt, als es anfangs scheint. Und, dass die Frau, um die es (auch) geht, der Elefant im Raum ist, der nie auftritt – und zudem die Schwester von Fabian. Bleibt alles in der Familie, möchte man meinen, doch so einfach ist Blancs Kammerspiel nun nicht.
Die Gefahr von Klamauk? Besteht
Was eine Kammerspiel-Komödie ist? Auf jeden Fall keine Komödie in fünf Akten, sondern kurz, lustig, überraschend. In „Geheimnisse“ übernimmt ein Schauspieler mehrere Rollen. Hier ist es Sven-Marcel Voss, der wechselnd in die Figuren der Zwillingsbrüder schlüpft, eine Body-Switch-Komödie. „Das macht die Magie des Theaters aus. Und den Charme, wenn eine Figur aus einer Tür rausgeht und als andere wieder herein.“ Die Gefahr von Klamauk? „Besteht“, hat sich Leschik Gedanken gemacht, „damit sich die Komödie nicht verselbstständigt.“ „Ich mag schlauen Humor, Zynismus, Doppeldeutigkeiten und Sprachwitz“, sagt sie und weiß wohl, dass sie als Regisseurin die Schauspieler einfangen muss, sollten die zu sehr aufdrehen.
Wenn sie eine These aufstellen darf, ganz generell: „Personen, die viele Geheimnisse haben, sind auch diejenigen, die viel ausplaudern.“ Sind Frauen geschwätziger, wie es das Vorurteil will? Es gibt keine geschlechtsspezifische Unterscheidung, eher eine gesellschaftliche Stereotypisierung, findet Luise Leschik. In Stuttgart, wo die gebürtige Berlinerin seit einigen Jahren lebt, hat sie übrigens 2020 das Theaterkollektiv „silent ladies“ gegründet.
„Was ich an Stuttgart mag, dass es so eine Kleinstadt ist“
Immer wieder wird Leschik gefragt, warum es sie von Berlin nach Stuttgart verschlagen hat, als fehlte es den Menschen hier an Selbstbewusstsein, wundert sich die Theaterschaffende. „Was ich an Stuttgart mag, dass es so eine Kleinstadt ist.“ Kleinstadt? „Na ja, es vermittelt das Gefühl von Kleinstadt“, relativiert Luise Leschik freundlich.
Am Heilbronner Theater hat sie bereits mehrfach gearbeitet, zuletzt für den Salon 3 „Nipple Jesus“ und „Die Donauprinzessin“ inszeniert. Obwohl es jetzt in „Geheimnisse“ auf der Bühne keine Frauenfigur gibt, ist sie im Subtext allgegenwärtig. Wenngleich: Der zentrale Punkt für Leschik ist die vertrackte Position Fabians. Und, dass jede(r) eine eigene Version von Realität hat.
„Geheimnisse“: Komödie von Sébastien Blanc
Premiere: Freitag, 20 Uhr, Salon 3 des Theaters Heilbronn, Regie: Luise Leschik, Mit Lennart Olafsson und Sven-Marcel Voss.

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