„Die letzte Realität ist auch noch mit reingekommen“: Oliver Maria Schmitt über seinen Roman „Komasee“
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Von Stendhal bis „Star Wars“: Der Comer See ist längst ein literaturgeschichtlicher und popkultureller Ort. Nun dient er als Kulisse für Oliver Maria Schmitts neuen Roman. Ein Anruf bei dem 59-Jährigen anlässlich des Erscheinens von „Komasee“.
„Das ist schon so eine Art Herzensgegend“: Oliver Maria Schmitt kommt gerne an den Comer See.
Foto: OMS privat
Dass heutzutage jedermann für einen Schnappschuss einfach nur das Smartphone zücken muss, und Stars über ihre Profile in den Sozialen Medien selbst kontrolliert Einblick geben können in ihr Privatleben, bekommen auch Paparazzi zu spüren. Vom Aussterben dieses anrüchigen Berufs ist seit Jahren zu lesen.
„Aber die sind schon noch unterwegs“, weiß Oliver Maria Schmitt. Der frühere „Titanic“-Chefredakteur und diesjährige Hasenmahlredner hat in seinem Urlaubsort am Comer See immer wieder Gelegenheit, die sensationsgierigen Fotoreporter bei ihrer Arbeit zu erleben. Mit großen Taschen voller Ausrüstung und auf Motorrädern, so hat Schmitt beobachtet, bringen sie sich in Stellung gegenüber der Villa von George Clooney, um den Hollywoodschauspieler oder einen seiner nicht minder berühmten Besucher vor die Linse zu bekommen.
Am Anfang stand ein Artikel für „Die Zeit“
„Hey, George, bist du zu Hause?“, fragte Oliver Maria Schmitt bereits 2022 in einem Text für „Die Zeit“. Mit einem kurzen Artikel waren Clooney, die Paparazzi und der See für den Autor allerdings noch nicht abgehakt. „Da kann man mehr mit machen“, dachte sich der gebürtige Heilbronner – und so ist nun bei Rowohlt Berlin Schmitts neuer Roman erschienen.
„Komasee“ erzählt von der einst erfolgreichen Paparazza Elena Barone, die keine Lust mehr hat, auf Mykonos B- und C-Promis abzulichten, weswegen sie sich am Comer See einquartiert. Dort hofft die Deutsch-Italienerin auf ein lukratives Foto von Clooney und seiner vermeintlichen Affäre. Doch weil das so nicht mit ihrem Auftraggeber abgesprochen war, dreht dieser der Fotografin den Geldhahn zu.
Als wäre das noch nicht genug, kündigt sich Elenas Mamma aus Mailand beziehungswiese Titisee an, will ihre Vermieterin, die alte Renata, sie mit ihrem schwer vermittelbaren Sohn verkuppeln, und wird Elenas Lover, der windige Faustino, ihr zuweilen lästig. Dabei ist egal, ob sich die Paparazza auf einer Oldtimer-Auktion, einer politischen Versammlung oder einer Hochzeit herumtreibt: George Clooney zeigt sich dummerweise nirgends.
Biografisches und Lesung in Heilbronn
Oliver Maria Schmitt, 1966 in Heilbronn geboren, war in den 1980er Jahren Sänger und Gitarrist der Heilbronner Punkband Tiefschlag. Nach dem Abitur am Robert-Mayer-Gymnasium studierte er Rhetorik und Kunstgeschichte in Tübingen und Leeds. Er war von 1995 bis 2000 Chefredakteur des Satiremagazins „Titanic“. Schmitt veröffentlicht als freier Autor in verschiedenen Medien und lebt seit 1992 in Frankfurt. Am Freitag, 4. Juli, 19 Uhr, liest Schmitt im Heilbronner Literaturhaus aus „Komasee“.
George Clooney, das „Loch-Ness-Monster des Comer Sees“
„Er ist so eine Art Loch-Ness-Monster des Comer Sees, alle wissen über ihn Bescheid, kaum jemand hat ihn jemals gesehen“, berichtet Oliver Maria Schmitt von Booten, die magnetisch von Clooneys Villa angezogen werden. Die Faszination für den zweifachen „Sexiest Man Alive“ erklärt sich der Journalist nicht nur damit, dass Clooney gutaussehend und smart ist. „Er steht politisch auch auf der Seite der Vernunft, wie man ja jetzt auch an seiner Opposition zu Donald Trump merkt. Also der hat einfach nichts falsch gemacht.“
Länger als geplant hat Schmitt übrigens an „Komasee“ geschrieben. „Die letzte Realität ist auch noch mit reingekommen“, kommentiert der Autor, dass sogar Friedrich Merz’ „Rambo Zambo“-Spruch in den Text fand. Mit versteckten Zitaten huldigt Oliver Maria Schmitt außerdem seinem literarischen Vorbild, dem Schriftsteller und Satiriker Eckhard Henscheid. Während er in der Anfangsszene des Romans Anleihen nimmt an Ernest Hemingways „Der alte Mann und das Meer“. Und dem Ganzen als Motto einen Satz von Gustav Flaubert vorangestellt hat.
Denn schon der französische Romancier schwärmte vom Comer See: „Man möchte hier leben und hier sterben“. „Und viel besser kann man es nicht ausdrücken“, findet Oliver Maria Schmitt, der zwei- bis dreimal im Jahr selbst dieses oberitalienische Gewässer aufsucht. „Das ist schon so eine Art Herzensgegend, an der ich mich gerne aufhalte. Die vielen Gesichter, die der See hat, das gefällt mir“, beschreibt der Wahl-Frankfurter die Region, in der Reichtum und Luxus zwar offensiv zur Schau gestellt werden, in der Menschen aber auch normal leben und arbeiten. Dementsprechend unironisch ist in „Komasee“ der Blick auf die landschaftliche Schönheit der Lombardei. Menschen und Milieus hingegen werden satirisch-bissig geschildert.
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