Auftritte auf dem Theaterschiff
25. April, 22. Mai, 4. Juli, jeweils 20 Uhr.
Warum der Sommer ohne ein „Bett im Kornfeld“ schwer denkbar ist und wie sich die laue Jahreszeit in Schlagertexten niederschlägt, erklärt Rainer Moritz vor seinem Auftritt auf dem Theaterschiff Heilbronn.

Sonne, Sommer, ein Glas Wein dazu; Nicht nur am Meer, auch am Baggersee schlagen die Herzen höher, was in unzähligen Schlagertexten launig belegt ist. Mit dem Literaturwissenschaftler Rainer Moritz, gebürtiger Heilbronner aus Hamburg, tritt auf dem Theaterschiff ein Experte eine Schlagersommerreise an. Warum der Sommer ohne ein „Bett im Kornfeld“ schwer denkbar ist, erklärt uns Rainer Moritz am Telefon.
Wie tauglich ist ein Bett im Kornfeld jetzt im Frühling, Herr Moritz?
Rainer Moritz: Der Sommer naht, man muss sich vorbereiten. Wenngleich es noch etwas früh ist für das Kornfeld. Das Lied tut ja so, als sei das Stoppelfeld bequem. Die Liebe muss groß sein, wenn man sich da gemeinsam bettet. Aber so ist das im Sommer. Man hat weniger an, ist am Strand, am Meer, trinkt Rotwein.
Würde ein Weißwein nicht besser zum Sommer passen?
Moritz: Im Schlager wird bei Wein nicht differenziert, Wein ist rot. Oder es bleibt allgemein wie in Juliane Werdings „Sonnenbrand im Westerland“ mit der pragmatischen Bemerkung „Du sprichst mich von links an und bietest mir Drinks an.“
Zurück zum „Bett im Kornfeld“, einer Coverversion des Countrysongs „Let your Love Flow“ der Bellamy Brothers aus dem Jahr 1976, mit dem Jürgen Drews noch im selben Jahr einen Riesenhit in Deutschland landet.
Moritz: Das ist gängige Praxis, dass schnell gecovert wird. Wie Michael Holms „Tränen lügen nicht“ aus dem italienischen Original oder Rudi Carrells Stoßgebet „Wann wird’s mal wieder richtig Sommer?“, ein Cover des Liedes „City of New Orleans“, von Steve Goodman geschrieben, der eigentlich Hochpolitisches im Sinn hatte.
Laut einer Statistik hören gut 50 Prozent der Deutschen gerne Schlager. Was ist mit den anderen 50 Prozent, alles herzlose Menschen?
Moritz: Das ist doch eine ganz gute Quote, wenn die Hälfte der Bevölkerung Schlager hört. Es hat tatsächlich eine Renaissance stattgefunden diesbezüglich. Als ich Schüler war am RMG (Robert-Mayer-Gymnasium), war ich der einzige, der sich dazu bekannte, Bernd Clüver zu hören und Jürgen Marcus. Ich war ein sehr einsamer Junge.
In unseren tristen Zeiten, wäre es da nicht angesagt, ein Revolutionslied anzustimmen? „Avanti Popolo“!
Moritz: Das waren nie verankerte Lieder in der breiten Bevölkerung. Das liegt in der Natur des Schlagers. Was kommerziell erfolgreich ist, darf nicht zu kompliziert sein, vielmehr die heile Welt besingen und positive Gefühle. Hannes Wader und Franz Josef Degenhardt, die waren populär, aber keine Massenware.
Anders als das Phänomen Reinhard Mey. Auf ihn konnten und können sich viele einigen.
Moritz: Sein Chanson „Über den Wolken“ ist im Nachhinein ein Schlager geworden. Einen Sommerhit muss ich noch erwähnen: „Und es war Sommer“ von Peter Maffay, wie ein Junge in einer Augustnacht zum Mann wird – „Ich war 16 und sie 31“.
25. April, 22. Mai, 4. Juli, jeweils 20 Uhr.
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