Am Samstag und Sonntag kann das neue Museum im Deutschhof bei unterschiedlichen Aktionen erkundet werden. Nach der offiziellen Eröffnung, Samstag, 11 Uhr, finden ab 12 Uhr Impulsführungen in den Dauerausstellungen der Archäologie und „Silber für die Welt“ statt, die Offene Werkstatt „Finde dein Lieblingsobjekt“, stündlich das Exit Game „Mission Zeitkapsel“ sowie um 15 Uhr eine Familienführung. Sonntag ab 11 Uhr Impulsführungen und „Mission Zeitkapsel“, 13 Uhr Offene Werkstatt „Keltische Muster“, 15 Uhr Führung durch Kunstsammlung und Studio Vogelmann.
Städtische Museen Heilbronn öffnen nach Umbau: Was sich im Deutschhof getan hat
Zum Eröffnungswochenende am Samstag und Sonntag sind erstmals in der Heilbronner Museumsgeschichte alle vier Sammlungsbereiche unter einem Dach vereint. Was anders ist und neu präsentiert wird.
Fast auf den Tag genau vor 35 Jahren, am 19. Januar 1991, hat Heilbronn im barocken Deutschhof einen Museumskomplex bekommen. Auch wenn die Geschichte der Heilbronner Museen heute bald 150 Jahre zurückreicht – die Geburtsstunde schlug am 24. Juni 1879, als das Historische Museum gegründet wurde in einem Teil des Fleischhauses in der Kramstraße –, eine Städtische Galerie für Kunst gab es tatsächlich bis in Jahr 1991 nicht.
Längst spielt die Kunst eine eigenständige Rolle, steht an der Allee mit der Kunsthalle Vogelmann seit 2010 dafür ein markantes Haus. Neu nun ist, dass erstmals die vier Sammlungsbereiche der Städtischen Museen zur Archäologie sowie zur Natur-, Kultur- und Kunstgeschichte unter einem Dach vereint sind.
Städtischen Museen Heilbronn: Vom Elefanten-Zahn bis zum Künstler Gregor Schneider
Das Neue Museum nennt sich jetzt der Deutschhof nicht nur zur Eröffnung, den Begriff darf man durchaus als Marke verstehen. Ein Stadtmuseum, das auf drei Etagen Dauer- und Sonderausstellungen bietet und den Bogen spannt vom 600.000 Jahre alten Backenzahn eines Waldelefanten hin zum Künstler Gregor Schneider, dessen Arbeitsschwerpunkt gebaute Räume sind.
Beachtliche und sehr unterschiedliche Sammlungen sind das, obwohl am 4. Dezember 1944 etwa 80 Prozent der damaligen Bestände verloren gingen.
Auf diesen Moment der Neueröffnung, der die Sammlungen bündelt und verzahnt, „arbeiten wir seit zehn Jahren hin“, freut sich Museumsdirektor Marc Gundel. In mehreren Phasen seit Dezember 2023 wurde umgebaut und neugestaltet, Teilbereiche waren bereits zugänglich – jetzt ist mit der Präsentation der Archäologie und der Naturgeschichte das Projekt abgeschlossen. Dass Museumspräsentation heute anders aussieht als vor 35 Jahren, einer Inszenierung gleichkommt und neue Forschungsperspektiven zugrunde legt, versteht sich – das macht die Sache anschaulich und spannend.
Städtische Museen Heilbronn: Multisensorik und Mitmachstationen
Multisensorikstationen zum Anfassen und Hören sowie Mitmachstationen „funktionieren für Kinder wie für Erwachsene“, sagt Birgit Hummler, stellvertretende Museumsdirektorin und Kuratorin von der Natur- und Kulturgeschichte. Der Sektor „Eiszeitalter – Klima im Wandel“ zeigt nicht nur seltene Fossilien, sondern greift mit der Klimaerwärmung ein im Wortsinn brandaktuelles Thema auf.
Für die Kunstsammlung und das Studio Vogelmann im zweiten Stock zeichnet Gundel verantwortlich. Judith Wötzel kuratiert die archäologische Sammlung. Die Neupräsentation folgt den Spuren menschlicher Besiedlung und dokumentiert nach dem Prinzip „weniger ist mehr“ den Wandel von Alltag und Kultur mit ausgewählten regionalen Funden, etwa eine Gussform für Nadeln oder Nägel aus Leingarten-Großgartach.
Mehr als 1000 Exponate können in den Städtischen Museen Heilbronn erkundet werden
Über 1000 Exponate im ganzen Haus gilt es zu erkunden, von der Trias über die Kelten- und Römerzeit zum Industriezeitalter hin zur Kunst der Gegenwart. Regionale Themen werden verhandelt wie das Salzvorkommen und die Bedeutung des Tisch- und Tafelsilbers, als Heilbronn mit der Firma Bruckmann & Söhne ein Zentrum der Silberwarenindustrie war. Die Kunstsammlung unterm Dach beginnt mit dem Klassizisten Heinrich Friedrich Füger (1751-1818), reicht von der Bildhauerei der Moderne bis in die Gegenwart mit Joseph-Beuys-Schwerpunkt und zeigt Arbeiten der Träger des Ernst-Franz-Vogelmann-Preises.
Eine Million Euro etwa haben Umbau und Neupräsentation gekostet, 400.000 Euro davon stammen aus Drittmitteln. 2000 Quadratmeter beträgt die Gesamtfläche des Museums im Deutschhof – nach wie vor. Rund 1400 Quadratmeter davon sind komplett neu eingerichtet. Von einem „Meilenstein der Geschichte der Städtischen Museen“ spricht Oberbürgermeister Harry Mergel beim Presserundgang. Kulturbürgermeisterin Agnes Christner betont die Bedeutung des Neuen Museums im Deutschhof für die kulturelle Bildung gerade junger Menschen. Dazu gehört der freie Eintritt in sämtliche Dauerausstellungen, aber auch in die aktuellen Sonderausstellungen im Erdgeschoss: „Kelten Kids“, „Hermann Busse und Heilbronn“ sowie Lee Babel und Alessio Tasca.
Für aufwendige Sonderausstellungen wird ein Eintritt erhoben. In diesem Jahr eröffnen die Schauen „KI und Archäologie“ sowie „H20 und Heilbronn“ als ein Beitrag zur European Green Capital Heilbronn.
Öffnungszeiten
Täglich außer Montag von 10 bis 17 Uhr, Dienstag bis 19 Uhr. Der Eintritt in die Dauerausstellungen ist frei.
Bildergalerie unter www.stimme.de.


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