1959 in Adelsheim geboren, studiert Rolf Weinmann Geschichte und Mathematik in Heidelberg, 1985 gründet er die Konzert- und Theateragentur Provinztour. Seit 1992 hat das Unternehmen seinen Sitz in Neuenstadt. Rund 2000 Veranstaltungen organisiert Provinztour in 40 Jahren, knapp 800 in Heilbronn. Der Vater einer Tochter und eines Sohnes lebt mit seiner Frau in Neuenstadt.
Das Geschäft, es lohnt sich
Seit 40 Jahren organisiert die Konzertagentur Provinztour aus Neuenstadt Veranstaltungen nicht nur in der Region. Von Weltstars und Flops und warum der persönliche Geschmack von Agenturchef Rolf Weinmann nicht im Vordergrund steht.

Schon bevor Rolf Weinmann im Sommer 1985 die Konzertagentur Provinztour gründet, hat er Auftritte organisiert an der Uni Heidelberg, um sein Studium zu finanzieren. Hannes Wader, Mercedes Sosa, Zupfgeigenhansel und was so angesagt ist in jenen Jahren. „Ich habe gemerkt, das macht mehr Spaß, als sich als Geschichts- und Mathelehrer jahrelang mit Schülern rumzuärgern.“
Als Ein-Mann-Unternehmen startet Provinztour vor 40 Jahren in Elztal hinter Mosbach. Das erste große Konzert in Heilbronn folgt im November. Die Klaus Lage Band spielt in der Harmonie vor 2500 Leuten, unbestuhlt. „Es war ein Montag.“ Inzwischen hat Provinztour acht fest angestellte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, darunter Weinmanns Tochter Katharina. In zwei, drei Jahren wird die 33-Jährige die Nachfolge antreten. Bei Großevents sind bis zu 100 Mitarbeiter im Einsatz, Security vor allem und Bühnenhelfer.
„Wir haben 30 Prozent mehr Besucher als vor Corona“
Lohnt sich das Geschäft? „Ja“, sagt Rolf Weinmann. Er kann rechnen. Hat seine Agentur das Vor-Corona-Niveau erreicht? „Wir liegen etwa 30 Prozent darüber.“ Die Leute selektieren mehr als früher, zahlen dafür aber einen Preis. Zwischen 92 und 105 Euro beim Sting-Konzert vergangenen Samstag in den Wertwiesen. Waren es vor Corona 20 Open-Airs pro Sommer, sind es nun 37. „Die Leute gehen lieber ins Freie.“ Für Provinztour bieten sich so „ganz andere Größenordnungen“. Denn wo Weinmann arbeitet, sind die Hallen nicht wirklich groß. In Heilbronn, Ulm, Fulda, Schwetzingen, Rastatt, Mosbach, Bruchsal und zum zweiten Mal jetzt im Juli im Festspielhaus Baden Baden. „Tom Jones will dort auftreten.“
Ist der Name der Agentur Selbstironie? „Mitte der 80er Jahre brachte SDR 3 Veranstaltungshinweise auf dem Land unter dem Hinweis Tour de Provinz. Da ich damals Konzerte in Buchen, Gundelsheim, Mosbach und Offenau veranstaltet habe, komplett in der Provinz, fand ich den Namen Provinztour passend. Und er hat sich gehalten.“
Wie man Bryan Adams, Backstreet Boys, Pink und Sting nach Heilbronn holt
Wie man trotz Provinz Weltstars wie Bryan Adams, Backstreet Boys, Pink und Joan Baez nach Heilbronn bekommt? „Das läuft so“, nimmt Weinmann das jüngste Beispiel. „Wenn Sting auf Tournee geht, wird das von London aus europaweit organisiert. Dann werden Partneragenturen für Deutschland, Österreich und die Schweiz gesucht, die wiederum lokale Veranstalter suchen. Die das Risiko übernehmen.“ Risiken wie Wetter und Vorverkauf. Ticketsysteme wie Eventim kassieren auch bei Absage die Vorverkaufsgebühr. Die Kosten für Provinztour bei den beiden Wertwiesenkonzerten Sarah Connor und Sting? „Ziemlich genau eine Million.“ Aber wie gesagt, das Geschäft lohnt sich unterm Strich.
Wegen Weinmanns Frau – „sie ist meine Beraterin und muss meine Launen ertragen“ – ist Provinztour 1992 nach Neuenstadt gezogen, seither laufen die Fäden hier in der Blumenstraße 33 zusammen.
Als der noch unbekannte Herbert Grönemeyer in Neckarsulm auftritt
Interessanter als Zahlen sind die Anekdoten, die der Chef beiläufig erzählt. Hätte er jene gebucht, die ihm damals gefallen, Pat Metheny, Al di Meola oder Herman van Veen, seine Agentur existierte nicht mehr. „Damit bist du in einem Jahr pleite“, warnt ein Agent aus Hamburg. „Ich gebe dir einen jungen Künstler, Herbert Grönemeyer.“ So präsentiert Weinmann 1986 den Unbekannten in Mosbach und ein Jahr später in Neckarsulm. Ähnlich funktioniert es mit Helene Fischer. „Ich kannte den Namen nicht, ihre Tourneefirma hat gesagt, die kommt groß raus, und ich habe denen vertraut.“ 2008 tritt Fischer in Mosbach auf, 2009 in Heilbronn. Ein Jahr später füllt sie die Schleyer-Halle in Stuttgart.
Mitte der 80er spielt eine Coverband aus Bietigheim in Heilbronns Kneipe „Altstadt“. „Die machen gute Stimmung“, findet Weinmann und verpflichtet Opus mit eigenen Songs zu einem Konzert in Öhringen. 80 Besucher. „Das wird nichts“, unken Kollegen aus der Branche. Drei Jahre später und als Pur tritt die Band in der Harmonie vor 3000 auf. Diesen September gibt Pur ein Konzert auf Schalke. Die beiden Warm-Up-Gigs in Bruchsal und Heidenheim Ende August organisiert Rolf Weinmann.
Größere und kleinere Flops gibt es jedes Jahr
Doch Provinztour kennt auch Flops. Größere und kleinere, jedes Jahr. Simply Red 2006 im Wertwiesenpark, knapp 3000 Fans kommen, ist „bis dato in Heilbronn mein größter Verlust“. Ein Minus im sechsstelligen Bereich bescheren ihm The Who in Fulda. Dann gibt es einen Roger Hodgson, einst Sänger bei Supertramp, der in der Harmonie vor 1000 Leuten auftritt und nach dem Konzert seine Managerin bittet, die Gage um einen fünfstelligen Betrag nach unten zu korrigieren. Damit Provinztour finanziell hinkommt.
Als die Backstreet Boys 1995 in der Harmonie als Vorgruppe von DJ BoBo auftreten, tun sie das für ein Abendessen und eine Übernachtung. Zwei Jahre später spielen sie im Frankenstadion vor gut 25 000 Fans. Für einen mittelhohen sechsstelligen Dollarbetrag. So viele Menschen werden später nur noch die Toten Hosen anziehen, rund 24 000 sind es bei Pink. Ende der 80er Jahre, als Weinmann Die Ärzte in die Böllingertalhalle holt, ermahnt ihn der Ortsvorsteher danach, „nicht mehr so was“. Worauf Provinztour für Biberach den Musikantenstadl bucht. Mitte der 90er dann spielen Die Ärzte drei Konzerte hintereinander in der Harmonie vor insgesamt 9000 Besuchern.
Noch einmal kommt Rolf Weinmann auf seine Frau zu sprechen. Dass sie ihn vor seiner anfänglichen Mission bewahrt und auf den Boden der Geschäftswelt geholt hat, nicht „meinen persönlichen Geschmack zu präsentieren, weil ich andere von der Qualität der Künstler überzeugen wollte“. Der Familiengeist ist bis heute ein Erfolg von Provinztour.
„Meine Frau hat mich auf den Boden der Geschäftswelt geholt.“Rolf Weinmann






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