Das Büro als Comedy-Kosmos: Kabarettistin Andrea Volk in Bad Rappenau
Mit ihrem Programm „Flurfunk“ ist Andrea Volk zu Gast im ausverkauften Wasserschloss Bad Rappenau. Darin geht es um die Irrungen und Herausforderungen der modernen Arbeitswelt. So lief der vergnügliche Kabarettabend, der aber auch einige Schwächen hat.

„Büro ist Krieg – und Krieg gewinnst du an der Front.“ Das wusste bereits Abteilungsleiter und Teilzeit-Philosoph Bernd Stromberg, die von Christoph Maria Herbst verkörperte Figur, ein egozentrischer, uneinfühlsamer Mensch, der sich in der gleichnamigen beliebten TV-Serie in ständigen Konflikten mit Kollegen und Vorgesetzten einer fiktiven Versicherung befand. Dass das Büro ein besonderer Ort ist, ein Sammelbecken verschiedenster Charaktere, eine Schicksalsgemeinschaft, ein Biotop der Eigenheiten, weiß auch Andrea Volk. Die Kabarettistin ist, so nennt sie es, selbst „Büro-Opfer“, arbeitet in der Marketingabteilung der Firma Sanitär Schröder, oder, wie sie aufgrund des globalisierten Marktes inzwischen heißt, Wärmepumpe United. Am Freitagabend ist die 61-Jährige mit ihrem Programm „Flurfunk – Büro und Bekloppte“ zu Gast im ausverkauften Wasserschloss in Bad Rappenau.
Andrea Volk: Kuriose Charaktere aus dem Büro
Andrea Volk, ehemalige Fernsehjournalistin und Teleshopping-Moderatorin, lebt schon länger in Köln, der rheinische Zungenschlag vermischt sich bei der gebürtigen Duisburgerin mit dem raubeinigen Sprech des Ruhrpotts. Schnell zieht sie das Publikum in ihren Bürokosmos, hin zu augenzwinkernden Betrachtungen der modernen Arbeitswelt mit all ihren Tücken, Irrungen und Herausforderungen.
Und zu einer Vielzahl an kuriosen Kolleginnen und Kollegen. Als da wären: Drachen-Doris, ewige Spaßbremse, Hüterin über Excel-Tabellen und den Schlüssel zum Archiv, „deren Abfindung zu teuer war, um sie loszuwerden“. Oder Bio-Susanne, ein Öko-Prototyp, die sich fast ausschließlich von Müsli, Dinkelprodukten und Leinsamenschrot ernährt. Und Azubi Jason-Patrick, Anhänger einer gesunden Work-Life-Balance, der dauerhaft am Smartphone hängt und dem man die Arbeitsanweisungen am besten per Sprachnachricht aufs Handy schickt.
Gelungene Themen, aber auch einige Schwächen im Programm
Volk ist eine amüsante, immer leicht genervte Geschichtenerzählerin, schließlich gibt es im Büro zahlreiche Dinge, über die man sich herrlich aufregen kann. Die E-Rechnung, die eigentlich Bürokratie abbauen soll, und doch nur für Mehrarbeit sorgt. Der chronische Personalmangel („Letztens mussten erstmal drei Leute ins Büro kommen, damit keiner da ist“), Open-Space-Büros mit ständig wechselnden Sitzplätzen oder die schier endlose Anzahl an Meetings, Coachings und Zielvereinbarungsgesprächen. „Ich bin zu alt für Umgewöhnung“, konstatiert Volk, deren Sehnsuchtsort dann eher die Kaffeeküche ist, Hotspot für jegliche Gerüchte und Tratsch. Die Rückkehr aus dem Homeoffice ins Büro? „Finde ich gut, denn Mobbing ist live viel schöner.“
Doch das Programm hat auch Schwächen, an einigen Stellen macht es sich Andrea Volk zu leicht. Etwa wenn sie billig übers Gendern witzelt (ja, was ein Irrsinn, sie hat von Samenspendern und -spenderinnen gelesen), oder wenn sie die üblichen Männer-Frauen-Themen beackert (Männer wachsen im Alter Haare an komischen Stellen). Origineller ist es, wenn Volk von einem Digital-Knigge- Coaching berichtet, das sich um den richtigen Einsatz von Emojis in Mails dreht. Oder wenn sie über Künstliche Intelligenz spricht. Die hält sie auf ihren Endgeräten, Stichwort Datenklau und Überwachung, bewusst „brunzblöd“, füttert sie ausschließlich mit Audioaufnahmen von Jugendlichen aus der Bahn, mit verknappten Sätzen wie „Ich geh Karstadt“. Viel Applaus nach 100 Minuten.

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