Wir sind ja unter uns: Comedian Assane Badiane live in Heilbronn
Mit seinem ersten Bühnenprogramm „Freundeskreis“ ist der Comedian am Freitagabend zu Gast im K2Acht. So lief der Abend mit Assane Badiane in Heilbronn.

Der Zufall und eine Lüge als Starthilfe für die Karriere. In besonderer Weise beginnt für Assane Badiane seine Zeit auf der Bühne. 2022 besucht er eine Open-Mic-Veranstaltung, bei der ein Künstler kurzfristig ausfällt. Badiane springt ein, wird vom Veranstalter aber vorab sicherheitshalber gefragt: „Hast du ein Programm?“ Obwohl es nicht stimmt, ist die Antwort Ja. Der Abend läuft gut und ist der Einstieg in die Comedy-Szene, es folgen TV-Auftritte und nun die erste Tournee, die den Mittzwanziger auch nach Heilbronn führt. Am Freitagabend gastiert er mit seinem Solo im gut gefüllten K2Acht.
Assane Badiane in Heilbronn: Kumpeltyp mit Baseball Cap
Assane Badiane kommt aus Emden, an sich ein gutes Pflaster für Comedians, ist die Stadt in Ostfriesland doch auch Heimat von Humor-Urgestein Otto Waalkes. Mit dessen Blödeleien hat Badiane aber nur wenig am Hut. „Freundeskreis“ heißt das erste Bühnenprogramm. Und als wäre er unter Freunden plaudert Badiane dann auch munter drauf los, interagiert mit dem Publikum, findet in Rentner Helmut in der ersten Reihe auch schnell einen verbalen Sparringspartner, auf den er immer wieder zurückkommt. Badiane ist der Kumpeltyp mit Baseball Cap, mit dem man schnell warm wird, der mit schelmischem Grinsen entspannt Geschichten erzählen kann, die offen sind, um Richtung Nonsens oder Tiefgang abzubiegen.
Badiane klappert nach und nach seine Lebensstationen ab. Geht zurück in die Schulzeit, in einen Kosmos mit Strebern, Petzen und Rowdys, mit Englischproblemen und vorsintflutlichen Lehrern. Weiter geht’s zum Abitur mit Punktlandung – „eine 4.0 zu schaffen ist schwerer als eine 1.0“ – und zum anschließenden Traumstudiengang Bafög. Der Deutsch-Senegalese thematisiert das Aufwachsen mit zwei Kulturen, das geprägt ist durch die Abwesenheit des Vaters und das Wirken einer Mutter, die deutsch ist. Sehr deutsch. „Grünkohl essen Deutsch.“
Da geht es um Rassismus, um die Irrungen, wenn Badiane bei seiner Oma altes Porzellan findet, das noch ein Hakenkreuz ziert, um die Fragen, wenn er auf einem Familientreffen erfährt, dass sein Ur-Opa im Dritten Reich bei der Schutzstaffel (SS) war. „Warum redet darüber niemand? Als ob ein schwarzes Kind die ganze Familiengeschichte reinigt“, witzelt Badiane.
Assane Badiane erzählt in Heilbronn Geschichten über verzweifelte Väter
Der wirkt für das Premierenprogramm schon relativ routiniert. Klar, da hakt es noch an einigen Stellen, manche Themen-Übergänge sind etwas abrupt oder arg konstruiert. Trotzdem bleibt man als Zuschauer am Ball. Wenn der Comedian plötzlich beim Thema Kindererziehung ist, oder besser gesagt bei der Hilflosigkeit von männlicher Seite. Wenn Väter etwa beim Spaziergang mit dem Kinderwagen bei Gluthitze nicht wissen, was zu tun ist, und ihrem Kind als Schutz ausschließlich ein Feuchttuch ins Gesicht legen.
Auch sich selbst nimmt er nicht aus der Schusslinie, in Regelmäßigkeit geht es um Badianes eigene Unzulänglichkeiten. Ob er von der Freundin beim sogenannten Gentle Parenting übers Ohr gehauen wird, um Hausarbeit zu erledigen, oder lapidar feststellt: „Ich bin manchmal einfach dumm.“ Schade, dass der Auftritt nur 60 Minuten dauert – in Zeiten von Netflix-Comedy-Specials, die genauso lange gehen, verstärkt Normalität.

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