Botschaften, wie sie an manchem Kühlschrank hängen: Biyon Kattilathu in Heilbronn
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„Ich kann euch nicht glücklich machen, das schafft ihr nur selbst“, sagt Biyon Kattilathu am Donnerstag in der Harmonie. Womit im Kern eigentlich schon alles gesagt wäre, wenn der Glücks-Guru daraus nicht ein knapp dreistündiges Programm gemacht hätte.
Seelenschmeichler Biyon Kattilathu predigt Achtsamkeit, Selbstliebe und über die Kraft positiver Gedanken. 1500 Fans sind begeistert.
Foto: Helmut Melchert 016092751017
Von der „Happycratie“ schreiben die französisch-israelische Soziologin Eva Illouz und der spanische Psychologieprofessor Edgar Cabanas, um unsere glücksvernarrte Gegenwart zu charakterisieren. Glück nicht als etwas, das einem von außen widerfährt, sondern als Geisteshaltung, die sich einüben lässt, klingt so verlockend wie anstrengend. Wobei inzwischen eine ganze Industrie mit Ratgebern, Apps, Podcasts und Shows sehr gut verdient am zwanghaften Streben nach der besten Version unserer Selbst.
Jeder ist seines Glückes Schmied, weiß der Volksmund und weiß Biyon Kattilathu, der auf seiner aktuellen Tour am Donnerstag in Heilbronn Halt macht. Und dem Publikum gleich zu Beginn seiner Show erklärt: „Ich kann euch nicht glücklich machen, das schafft ihr nur selbst.“ Womit im Kern eigentlich schon alles gesagt wäre, wenn der Glücks-Guru daraus nicht ein knapp dreistündiges Programm gemacht hätte.
Mehr als eine Million Instagram-Nutzer folgen Biyon Kattilathu
Mit Botschaften, wie sie so oder ähnlich an manchem Kühlschrank hängen, lässt sich Biyon Kattilathu über Selbstliebe und Loslassen, Dankbarkeit und die positive Kraft von Gedanken, Gegenwärtigkeit und Vergänglichkeit aus. Und beschwört mehrfach einen schönen Abend mit tollen Menschen. Nicht Wissen, sondern Weisheit will der Seelenschmeichler im sportlichen, schwarzen Outfit predigen. Und 1500 Fans im Saal von Kennern in Könner verwandeln.
Eine Masche, die verfängt. In Hagen als Sohn indischer Einwanderer geboren, hat der studierte Wirtschaftsingenieur einen rasanten Aufstieg hingelegt als Motivationscoach, Autor und Entertainer mit großer Reichweite. Mehr als eine Million Nutzer folgen Kattilathu auf Instagram. Stets zugewandt und freundlich im Tonfall, versteht es der 41-Jährige, die Gefühle seines Gegenübers zu massieren und komplexe psychologische Konzepte in simple Bilder zu überführen.
Biografisches zu Biyon Kattilathu
Biyon Kattilathu, geboren 1984 in Hagen, studiert Ingenieurwissenschaften und promoviert in Wirtschaftswissenschaft zum Thema Kundenzufriedenheit. Er veröffentlicht Motivationsvideos im Internet, schreibt Bücher, ist Host eines Podcasts und unterwegs als Keynote-Speaker und Entertainer. „Eine Reise zum Glück“ ist seine mittlerweile dritte Solo-Tour.
Mit dem Wörtchen „noch“ sieht die Welt gleich ganz anders aus
So wird in der Harmonie beispielsweise der Mikroständer zum Selbstbewusstseinsbaum, an dem oben wie Früchte die kleinen und großen Erfolge hängen und unten die Talente, Kenntnisse und Fähigkeiten wurzeln. Auch spricht Kattilathu, „um Dinge plakativ zu machen“, gerne vom inneren Vokabelheft, in dem sich munter herum schreiben lässt. Denn wer dem Satz „Ich kann das nicht“ das Wörtchen „noch“ hinzufügt, für den sieht die Welt gleich ganz anders aus.
Neben der Kunst der Visualisierung betreibt der charismatische Menschenfänger in seinem atemberaubend lose zusammenhängenden Programm mit dem Titel „Eine Reise zum Glück“ gerne auch Wortgymnastik. Sind wir erschöpft, so Kattilathu, schöpfen wir nicht, was in uns liegt. Oder Gegenwart, weiß er, heißt auf Englisch ja present, was auch Geschenk bedeutet. Dazu kommen noch angelesenes Wissen zu wissenschaftlichen Studien, ein bisschen Blaise Pascal und ein ums andere Mal eine persönliche Anekdote. Viel spricht Kattilathu außerdem von Herzensmenschen, die wohl jeder in seinem Leben habe.
Ein Finale mit kollektiven „Oh happy day“ und Konfettiregen
Seine Anhänger feiern den Social-Media-Star am Donnerstag lautstark, machen gerne mit, wenn er eine Atemübung obendrauf packt. Sie schließen die Augen, als er gegen Ende markante Punkte seines Solos zu einer mentalen Reise verdichtet, die unterlegt ist mit dem Soundtrack aus dem Feel-Good-Streifen „Ziemlich beste Freunde“. Was soll das noch toppen? Ein gemeinsam geschmettertes „Oh happy day“ inklusive Konfettiregen.
Zu einem erfrischenden Akt des Widerstands inmitten dieses kuschelweichen Abends gerät da der Auftritt einer Zehnjährigen, die Biyon Kattilathu auf die Bühne holt. „Wer macht Dich glücklich?“, will er von ihr wissen, die mit den Schultern zuckt. „Deine Mutter? Deine Schwester?“, versucht Kattilathu mit Blick zu den zwei Begleiterinnen auf die Sprünge zu helfen. „Geht so“, antwortet das Mädchen trocken.
Traurig, aber keine Sorge: Sie können natürlich trotzdem weiterlesen.
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