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Schauspielerin im Porträt
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Bewegungen finden, die etwas erzählen: Sorina Kiefer bei den Burgfestspielen Jagsthausen

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In „Jesus Christ Superstar“ steht Sorina Kiefer nicht nur auf der Bühne, sie hat für die Rock-Oper in Jagsthausen auch eine Choreografie erarbeitet. Ein Gespräch über ihre Liebe zu Stuttgart, die Arbeit mit Laien und Movern und nächtliches Schwimmen im Meer.

Begeisterte Schwimmerin, ob in der Jagst oder im Meer: Sorina Kiefer.
Begeisterte Schwimmerin, ob in der Jagst oder im Meer: Sorina Kiefer.  Foto: Seidel, Ralf

Ihre wievielte Saison es bei den Burgfestspielen ist? „Das kommt darauf an, wie man zählt“, sagt Sorina Kiefer. Als Choreografin gab sie 2022 in Jagsthausen ihren Einstand, als Schauspielerin wirkte sie zum ersten Mal im vergangenen Jahr mit. In der aktuellen Spielzeit ist sie nun das Huhn Aurelia im Kinderstück „Der Sonnenkönig“, außerdem steht sie auf der Bühne als Apostel sowie Soulgirl in der Kult-Rock-Oper „Jesus Christ Superstar“, für das sie auch die Choreografie erarbeitet hat.

„Ich konnte mich nie auf eines festlegen, wobei das einem ja immer geraten wird“, erklärt Kiefer, warum sie gerne breit aufgestellt ist. „Ich werde tatsächlich oft in Doppelfunktion gebucht, weil das fürs Theater geschickt ist.“ In Stuttgart geboren und aufgewachsen, wohnt Kiefer, Jahrgang 1988, mittlerweile offiziell in München, der Liebe wegen. Aber Baden-Württemberg und insbesondere die Landeshauptstadt lassen sie nicht los. „Da ist der Markt für Freischaffende einfach viel offener. Es wird besser bezahlt, es ist vielfältiger, es gibt mehr Bühnen.“ 

Wie viel Arbeit die Choreografin in „Jesus Christ Superstar“ gesteckt hat

Bewegungen finden, die etwas erzählen und eine Kraft haben, so beschreibt die Choreografin ihre Herangehensweise bei „Jesus Christ Superstar“. Und das bei einer sehr überschaubaren Anzahl an Gesamtproben mit allen Darstellern. Eine weitere Herausforderung, so Kiefer, lag darin, dass neben den 18 Laien im Ensemble – „die mit ganz viel Herzblut dabei sind“ – selbst von den 14 Profis „maximal vier oder fünf aus dem Musicalbereich sind. Die würde man dann als Mover einordnen“.

Also als jemanden, der sich zwar gut bewegen könne, aber nicht wie ein Tänzer über eine ausgereifte Technik verfüge. Weil das Ergebnis sehr szenisch wirkt, ist Sorina Kiefer desto wichtiger, dass ihr Anteil an der Produktion auch gesehen wird. „Ich verstehe, dass man denkt, das könnte auch ein Regisseur gemacht haben, in dem Fall war es aber schon sehr viel Arbeit.“

Zum Ballett durfte Sorina Kiefer damals nur, weil sie hartnäckig war

Dass die Choreografin und Schauspielerin beruflich heute das macht, was sie macht, verdankt sie zu einem Gutteil wohl ihrer Sturheit. Denn viel Überzeugungsarbeit ist seinerzeit nötig gewesen, bis die Ballett-begeisterte Sechsjährige ihre alleinerziehende Mutter soweit hatte, dass sie zum Unterricht durfte. „Meine Mutter ist überhaupt kein künstlerischer Mensch“, erzählt Kiefer, „sie hat das für eine Spinnerei gehalten. Es war auch nicht viel Geld da.“

Von der Stuttgarter Ballettakademie, wo sie eigenen Angaben zufolge auch Druck und Psychoterror erlebte, wechselte Sorina Kiefer noch vor dem Abitur zur New York City Dance School in Stuttgart. Und wurde dort sehr geprägt vom Choreografen Sean Cheesman, der bekannt ist für seine Arbeit mit US-Künstlern wie Michael und Janet Jackson, Prince, Tina Turner, Whitney Houston und Britney Spears.

Wie Kiefer die USA überhaupt „künstlerisch als wahnsinnig fortschrittlich empfunden“ hat „und dass wir da in Deutschland immer hinterherhinken.“ Umso mehr treibt sie um, wie derzeit nicht nur die Kunstszene unter Präsident Trump angegriffen wird.

Eigener Song

Wenn Sorina Kiefer die Zeit dazu findet, macht sie auch gerne Musik. „Ich schreibe seit ein paar Jahren Songs und habe im November meinen ersten veröffentlicht“, sagt die Sängerin über „America“. Einen Song, den Kiefer als politisches Statement verstanden wissen möchte. Denn wie es um Vielfalt und Fortschritt in den USA bestellt ist, beschäftigt die Choreografin und Schauspielerin. „Ich möchte nicht später diejenige sein, die dasteht und sagt: ‚Wieso habe ich den Mund nicht aufgemacht?‘“ 30 weitere Lieder habe sie schon in der Pipeline, so Sorina Kiefer.

Vom Musical zu reinen Schauspielstücken

Nach der Rückkehr Cheesmans in die Vereinigten Staaten entschloss sich Kiefer, die auch schon immer gerne sang, für eine Ausbildung an der Internationalen Schule für Schauspiel und Acting in München. Und war anschließend vor allem auf Musicals abonniert. Was ein gutes Musical ausmacht? Vielseitige Figuren, echte Konflikte, auch eine gewisse Ironie, zählt Kiefer auf. Noch lieber ist ihr aber Schauspiel mit Musik. Und: „Mit viel Geduld bin ich jetzt an einem Punkt, an dem ich auch reine Schauspielstücke spielen darf.“

Was die Stuttgarterin macht, wenn sie nicht gerade selbst probt, spielt, tanzt und sich bei Theaterbesuchen Inspiration holt? „Ich esse tatsächlich leidenschaftlich gerne“, sagt Sorina Kiefer lachend. Auch Schwimmen findet sie toll. Sei es in der Jagst – „ich war schon ein paar Mal drin“. Oder im Meer, bevorzugt nachts alleine unter Sternenhimmel. „Ich schütte da unglaublich viele Glückshormone aus.“

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