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Neuer Roman „Die Enthusiasten“

Autor Markus Orths: „13 meiner Bücher wurden benutzt, um Bots zu trainieren“

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Das Verhältnis von KI und Literatur spielt auch in „Die Enthusiasten“ eine Rolle. In Lauffen stellte Markus Orths diese Woche seinen neuen Roman vor, sprach über die außergewöhnliche Modernität von Laurence Sternes „Tristram Shandy“ - und beklagte Piraterie.

Auf den Spuren von Laurence Sterne und dessen „Tristram Shandy“: Schriftsteller Markus Orths.
Auf den Spuren von Laurence Sterne und dessen „Tristram Shandy“: Schriftsteller Markus Orths.  Foto: Lina Bihr

Obwohl er zur Zeit der Aufklärung schrieb, gilt Laurence Sterne (1713–1768) als wichtiger Wegbereiter der literarischen Moderne. In seinem „Tristram Shandy“ erprobte der englisch-irische Autor Erzählverfahren, wie man sie vor allem aus Romanen des 20. Jahrhunderts kennt. Voller Abweichungen, metafiktionaler Spielchen und chronologischem Chaos, zertrümmert Sterne ständig die Erwartungen des Publikums, und ist das neunbändige Buch eigentlich unmöglich, ja eine Frechheit, findet Schriftsteller Markus Orths. „Man wird wahnsinnig beim Lesen, gleichzeitig ist man hingerissen von dieser Freiheit.“

Aufgewachsen in einem Haus voller Bücher

Orths muss es wissen. In seinem unlängst im Berliner Galiani Verlag erschienenen Roman „Die Enthusiasten“ thematisiert er die Jagd nach dem angeblich zehnten Band von „Tristram Shandy“. Der Literaturwissenschaftler und Ich-Erzähler Vincent Bär ist einer dieser Enthusiasten und pilgert zu Beginn der Geschichte im Jahr 2018 ins nordenglische Coxwold zu Sternes Grab anlässlich dessen 250. Todestag. Da bietet ihm ein mysteriöser Unbekannter besagten Band an gegen eine Zahlung von 150.000 Pfund. Also beschließt der arme Schlucker Vincent, eine Bank zu überfallen.

Soweit der eine Handlungsstrang von Orths Roman, in den er einführt am Dienstag bei einer Lesung in Lauffen, wo das Literaturhaus Heilbronn an diesem Abend zu Gast ist im Beratungscenter der Kreissparkasse. Außerdem geht es in „Die Enthusiasten“ um eine Teilchenforscherin auf der Suche nach der Dunklen Materie. Und Vincents Mutter, die in seiner Kindheit eines Tages spurlos verschwand. „Sie war eine Art Sonne für die Kinder“, beschreibt Orths ihr Verhältnis zu Vincent und dessen Geschwistern, die in einem Haushalt voller Bücher aufgewachsen sind.

Die Gefahren durch Künstliche Intelligenz

„Die Autofiktion hat momentan die Oberhand“, spricht Markus Orths mit Literaturhausleiter Anton Knittel über Wege, die Wirklichkeit literarisch zu fassen. Ins Hintertreffen geraten sieht der ehemalige Gymnasiallehrer, 1969 in Viersen geboren, heute in Karlsruhe lebend, die imaginative Form des Schreibens – jenes groteske, monströse Fabulieren wie es in „Don Quijote“ oder „Moby Dick“ zelebriert wird.

Hat der Viel- und Schnellschreiber lange für seinen neuen Roman recherchiert? Nein, sagt Orths, nach einem Jahr stand die Rohfassung, um 150 Seiten hat er den Text dann gekürzt, „wie ein Ballonfahrer, der die Sandsäcke über Bord wirft“.

Weil „Die Enthusiasten“ auch das Thema Künstliche Intelligenz aufgreift, plaudern Autor und Moderator zum Schluss noch über Gefahren und Potenziale der Technologie. „13 meiner Bücher wurden benutzt, um Bots zu trainieren“, beklagt Orths Piraterie und hofft auf die Kennzeichnungspflicht für KI-Inhalte ab kommenden August. Übrigens: „Schon Sterne wurde zu Lebzeiten gefälscht und nachgemacht.“

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