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Performance auf dem Theaterschiff
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André Eisermann tritt mit „Werther“-Abend in Heilbronn auf

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Man kann sich als Schauspieler in allen Tiefen- und Höhenlagen austoben, sagt André Eisermann („Kaspar Hauser“, „Schlafes Bruder“) über Goethes „Werther“. Bei einer Stippvisite vor seinem Heilbronner Auftritt plaudert der 58-Jährige über sein Aufwachsen unter Schaustellern, Erfahrungen mit einer Stalkerin und aktuelle Projekte.

„Die Reklame, die ist wichtig“, weiß Schauspieler André Eisermann, der daher für eine Stippvisite nach Heilbronn kommt, wo er am 9. April auf dem Theaterschiff zu erleben ist mit einer musikalisch begleiteten Spoken-Word-Performance.
„Die Reklame, die ist wichtig“, weiß Schauspieler André Eisermann, der daher für eine Stippvisite nach Heilbronn kommt, wo er am 9. April auf dem Theaterschiff zu erleben ist mit einer musikalisch begleiteten Spoken-Word-Performance.  Foto: Mario Berger

Dass die Presse zu seinem Auftritt auf dem Theaterschiff kommt? Ist André Eisermann nicht so wichtig, wie er freiheraus bekennt. Bedeutender ist für ihn das Gespräch vorab, weshalb der Schauspieler diese Woche extra auf eine Stippvisite aus Worms anreist, wo er die Nibelungenfestspiele mitbegründet hat und nach Stationen in Berlin und Mallorca seit fast zehn Jahren wieder lebt.

„Die Reklame, die ist wichtig“, ist eine Lektion, die Eisermann mitgenommen hat aus der Welt der Schausteller, in die er 1967 geboren wurde. Was ihm noch geblieben ist aus dieser Zeit? Die Erinnerung an viele lachende und strahlende Gesichter, die ihm auf dem Rummel begegnet sind an der Büchsenwurfbude der Eltern. „Und natürlich mein Verhältnis zum Geld.“ Um das er sich nie Sorgen machen musste. „Weil wir es immer verdient haben. Dadurch kann ich damit schwer umgehen.“

Seit mehr als 25 Jahren mit Goethes „Werther“ unterwegs

„Goethe Werther Eisermann“ heißt das Programm, mit dem André Eisermann am Donnerstag, 9. April, nach Heilbronn kommt. Und mit dem er seit mehr als 25 Jahren unterwegs ist. Begleitet wird er von Pianist Jakob Vinje an diesem Abend, der unter dem Label Spoken-Word-Performance firmiert, also eine Art szenische Lesung mit Musik ist.

Nach gut 800 Auftritten ist Eisermann Goethes Briefroman „Die Leiden des jungen Werther“ natürlich längst in Fleisch und Blut übergegangen, und wie zum Beweis rezitiert er beim Cappuccino mehrfach eindringlich Textpassagen aus diesem Kultbuch der Epoche des Sturm-und-Drang.

Über Liza Minnelli kam André Eisermann zur Schauspielerei

Geschichtenerzähler, der er ist, plaudert André Eisermann im wahrsten Sinne des Wortes über Gott, die Welt und Jesus Christus, darüber, was ihn heute noch aus der Haut fahren lässt, und wie Liza Minnelli als Marionette den vierjährigen André so begeistert hat, dass für ihn klar war, er möchte auf die Bühne.

Auch, warum er die „Werther“-Tournee anfangs unter Personenschutz absolvierte, berichtet Eisermann: Eine Frau sei damals in seine Wohnung eingebrochen, habe Bildchen von sich versteckt, ihn mit Fax-Nachrichten überhäuft und ihm gedroht. So beängstigend der Vorfall mit der Stalkerin gewesen sein mag, eine bessere Werbung für „Goethe Werther Eisermann“ hätte der Schauspieler nicht haben können, wie er selbst einräumt, denn die „Bild“-Zeitung habe Wind von der Sache bekommen. „Egal, wo wir hinkamen: ausverkauft.“

Goethes „Werther“ erzählt von einer unglücklichen Liebe

Inzwischen ist die Aufmerksamkeit nicht mehr so groß und vermisst Eisermann die Schulklassen, die ins Theater kommen. Dabei klingt der Stoff für Jugendliche anschlussfähig, wenn der 58-Jährige ihn zusammenfasst: „Da ist jemand, der verschickt Sprachnachrichten an seinen Freund Wilhelm. Er öffnet sich total, und wir gucken ihm dabei zu.“

Was für André Eisermann das Tolle am „Werther“ ist? Der Geschichte über einen Rechtspraktikanten, der weder einen Ausweg aus seiner unglücklichen Liebe zu Lotte, der Tochter eines Amtsmanns, noch einen Platz in der bürgerlichen Gesellschaft findet und sich erschießt? „Dass man sich als Schauspieler bei dem Roman so voll und ganz in allen Tiefen- und Höhenlagen austoben kann.“ Und: „Man muss eigentlich bloß dem Pathos gerecht werden, was dieser 22-Jährige da geschrieben hat.“ So wie Eisermann über den Text spricht, kann man sich gut vorstellen, wie er auf der Bühne mit ausgebreiteten Armen „ach!“ schreit oder Dinge raunt wie „weh! weh!“ – „so etwas Goethisches“.

„Ich bin beschäftigt“: André Eisermann über aktuelle TV- und Bühnenprojekte

Extreme Figuren vom Typus eines Werther waren es auch, mit denen André Eisermann international bekannt wurde nach der Schauspielausbildung an der Münchner Otto-Falckenberg-Schule. 1993 feierte er den Durchbruch als Kaspar Hauser im gleichnamigen Film von Peter Seher, kurz darauf spielte er das Musikgenie Elias Alder in Joseph Vilsmaiers Bestsellerverfilmung „Schlafes Bruder“, dem deutschen Beitrag für einen Golden Globe.

Nach dem Dreh seines ersten US-Films „Hawaiian Gardens“ unter Percy Adlon wurde es ruhiger um Eisermann. Auch weil er keinen Agenten hatte und Angebote ausschlug. Ob ihn das heute reut? Nein, im Gegenteil, sagt er. „Ich kann mich nicht beklagen.“ Eisermann machte und macht viel Theater, 2024 war er im Fernsehfilm „Ein Mann seiner Klasse“ nach Christian Barons Buch zu sehen, eine „Tatort“-Folge hat er auch abgedreht, im Sommer spielt er Open-Air in Gotha an der Seite von Schauspiellegende Ilse Ritter. „Ich bin beschäftigt.“

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