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Kult-Serie aus den USA

20 Jahre "Lost": Wie die Serie die TV-Landschaft veränderte und Fans verärgerte

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Im Oktober 2004 war die erste Folge von "Lost" in Deutschland zu sehen. Die Mystery-Serie wurde in kürzester Zeit zum Popkultur-Phänomen, ihr Ende wurde von Fans kontrovers diskutiert. Wie die US-Produktion Maßstäbe setzte und wo man sie aktuell streamen kann. 


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"Hast du die Folge gestern gesehen?“, „Was meinst du, wie es weitergeht?“, „Damit hatte ich nicht gerechnet“. So oder so ähnlich kann man sich viele Gespräche vorstellen, die vor knapp 20 Jahren in Büros, in Mittagspausen, von Menschen auf dem Weg zur Arbeit, zwischen Schülern auf Pausenhöfen und eigentlich überall in Deutschland geführt werden. Für Gesprächsstoff sorgt die Mystery-Serie „Lost“, deren erste Staffel im September 2004 beim US-amerikanischen Network ABC ausgestrahlt wird, in Deutschland kommt die Produktion ab 6. Oktober zum Bezahlfernsehsender Premiere, 2005 dann ins Free TV.

Es ist eine Zeit, in der schnelles Internet noch keine Selbstverständlichkeit ist, Netflix noch kein gigantischer Streamingdienst, sondern eine Online-Videothek, eine Serie wie heute einfach wegzubingen, ist damals noch Zukunftsmusik. Filme schaut man in der Regel auf DVD, im Kino oder im TV, bei Serien muss man meistens eine Woche warten, bis eine neue Folge gezeigt wird.

Worum es in der Serie "Lost" geht

„Lost“ erzählt über 121 Folgen von Menschen, ihrem Lebensweg, ihren Entscheidungen, ihrer Sozialisation und ihrem Streben nach Liebe, Glück und innerem Frieden. Die Serie behandelt auch die großen Themen, den Kampf zwischen Gut und Böse, den Widerspruch von Glaube und Wissenschaft. Beleuchtet wird der Überlebenskampf einer Gruppe, die nach einem Flugzeugabsturz auf einer abgelegenen Insel gestrandet ist. Die Überlebenden müssen sich (neu) organisieren, ergründen die kosmisch bedeutsamen Geheimnisse des Eilands, stoßen schon bald auf zahlreiche Mysterien – ein altes Sklavenschiff, einen mörderischen schwarzen Qualm, ungewöhnliche Funksprüche, die mysteriöse Dharma-Initiative, die sich in den 70er Jahren gründete und die Zahlenreihe 4, 8, 15, 16, 23 und 42, die eine besondere Bedeutung hat.

Die US-Serie „Lost“ entwickelt sich ab 2004 in kürzester Zeit zum Popkultur-Phänomen, verschiebt die Grenzen des im TV Machbaren.
Die US-Serie „Lost“ entwickelt sich ab 2004 in kürzester Zeit zum Popkultur-Phänomen, verschiebt die Grenzen des im TV Machbaren.  Foto: Imago/Allstar

Was die Mystery-Serie "Lost" so besonders macht

Die US-Serie entwickelt sich in kürzester Zeit zum Popkultur-Phänomen, verschiebt die Grenzen des im TV Machbaren. Etwas Ähnliches hatte es vorher in dieser Dimension nicht gegeben. Klar gab es im Fernsehen zuvor fortlaufend erzählte, innovative Shows wie „Twin Peaks“, „Oz“, „Deep Space Nine“ oder die „Sopranos“. Aber „Lost“ ist anders, die Serie verändert die Art und Weise, wie Unterhaltungsmedien konsumiert werden, zieht ein Millionenpublikum an, macht die Darsteller und Darstellerinnen zu Superstars.

Die Serie sorgt dafür, dass Fans jede Episode fein säuberlich sezieren, nach Erklärungen suchen, Theorien diskutieren. Es ist einfach nicht möglich, „Lost“ anzusehen, ohne darüber debattieren zu wollen, was wirklich auf der Insel geschieht und wie es in der nächsten Folge weitergeht. Durch das geschickte Zurückhalten von Informationen, durch Twists und geniale Cliffhanger schaffen es die Serienmacher Damon Lindelof, Carlton Cuse und J.J.Abrams, dass der Zuschauer am Ball bleibt. „Lost“ hält sich dabei nicht an Genregrenzen, ist ein Hybrid aus Drama, Mystery, Science-Fiction und zum Teil sogar Horror.

„Lost“ setzt Maßstäbe – in vielerlei Hinsicht. Da wäre zunächst die Erzählweise: in jeder Episode werden zahlreiche neue Elemente für die Storyline eingebaut, die Geschichte wird in mehreren komplex miteinander verwobenen Zeitsträngen ausgebreitet, es wird mit Rückblenden und Vorausblicken gearbeitet. Auch in den Bereichen Vermarktung und Faninteraktion geht die US-Serie neue Wege. Als eine der ersten Produktionen findet „Lost“ nicht ausschließlich im TV, sondern auch im Internet statt. Produzenten, Drehbuchschreiber und Schauspieler tauschen sich mit den Fans direkt in Foren aus, in den USA können auch neue Folgen im Internet angeschaut werden.

Warum das Serienfinale von "Lost" die Fans spaltete

Im Jahr 2010 geht „Lost“ nach sechs Staffeln zu Ende. Bis heute ist das Serienfinale eines der meistdiskutiertesten Events der Fernsehgeschichte. Bei vielen Fans genießt es einen schlechten Ruf. Die Auflösung soll an dieser Stelle nicht gespoilert werden. Nur so viel: Viele Zuschauer waren frustriert, fanden die Erklärungen zu simpel, warfen den Serienmachern vor, wichtige Fragen nicht beantwortet zu haben. Andere wiederum fanden das Ende stimmig, schätzten die emotionale Tiefe, die philosophischen Themen und die Charakterauflösungen.

Lohnt sich es sich – 20 Jahre nach Erstausstrahlung – die Serie noch zu schauen? Auf jeden Fall, ist sie doch äußerst spannend und klug konstruiert. Aktuell ist „Lost“ bei diversen Streamingdiensten abrufbar: bei Netflix und Disney+ in der Flatrate, bei anderen Anbietern kann man alle Staffeln käuflich erwerben. 

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