„Bizarre Vorkommnisse“ und 32-Kilometer-Stau: Verkehrswarndienst stellt Bilanz 2025 vor
Von der verlorenen Laderampe über einen entlaufenen Nandu bis hin zum Kamel-Unfall: Auch 2025 registrierte der Verkehrswarndienst Baden-Württemberg neben 63.170 Verkehrs- und Gefahrenmeldungen zahlreiche kuriose Einsätze.
Der Verkehrswarndienst Baden-Württemberg hat im Jahr 2025 insgesamt 63.170 Verkehrs- und Gefahrenmeldungen abgesetzt. Neben typischen Verkehrsstörungen wurden erneut „bizarre Vorkommnisse“ gemeldet – darunter eine verlorene Laderampe, einen entflohenen Nandu sowie ein entlaufenes Kamel, wie das zuständige Innenministerium Baden-Württemberg am Sonntag mitteilte.
Verkehrswarndienst Baden-Württemberg: Im Schnitt 173 Meldungen pro Tag
„Im vergangenen Jahr hat die Landesmeldestelle für den Verkehrswarndienst Baden-Württemberg im Schnitt rund 173 Verkehrs- oder Gefahrenmeldungen pro Tag abgesetzt. Das sind im Jahr 2025 in der Summe 63.170 Verkehrs- oder Gefahrenmeldungen“, sagte Innenminister Thomas Strobl anlässlich der Vorstellung der Jahresbilanz 2025 in Stuttgart.
Der Verkehrswarndienst Baden-Württemberg trage somit ganz entscheidend dazu bei, Verkehrsunfälle zu verhindern. Strobl: „Durch die Meldungen werden die Verkehrsteilnehmer zielgerichtet und schnell vor gefahrenträchtigen Situationen im Straßenverkehr gewarnt. Der Verkehrswarndienst ist damit ein Baustein auf dem Weg zur ’Vision Zero’ – einem Straßenverkehr ohne Verkehrstote und Schwerverletzte.“
Die meisten Verkehrsmeldungen gab es auf Autobahnen in Baden-Württemberg
Mit 63.170 Verkehrs- und Gefahrenmeldungen bewegte sich das Meldeaufkommen auf dem Niveau des Vorjahres (2024: 63.944). Der Schwerpunkt lag auf den Bundesautobahnen mit 38.984 Meldungen (2024: 40.475). Es folgten die Bundesstraßen mit 16.907 (2024: 16.111) sowie Land-, Kreis- und Gemeindestraßen mit 6764 Meldungen (2024: 6635). Die verkehrsreichsten Tage waren Mittwoch und Donnerstag mit jeweils rund 16 Prozent aller Meldungen.
Die meisten Verkehrsstörungen wurden erneut auf der A5 zwischen Karlsruhe und Basel in beiden Fahrtrichtungen registriert – insgesamt 5718 Fälle (2024: 5650). Auf Platz zwei folgte die A8 zwischen Stuttgart und Karlsruhe mit 5079 Störungen (2024: 5072). Ursache war in beiden Fällen ein hohes Verkehrsaufkommen in Verbindung mit Dauerbaustellen.
32 Kilometer langer Stau auf der A8 zwischen Merklingen und Kirchheim unter Teck
Im August 2025 entstand auf der A8 in Fahrtrichtung Stuttgart zwischen den Anschlussstellen Merklingen und Kirchheim unter Teck-Ost ein Stau mit einer Spitzenlänge von rund 32 Kilometern – einer der längsten des Jahres. Mehrere Baustellen sowie das hohe Verkehrsaufkommen auf diesem Abschnitt waren ausschlaggebend.
Strobl erklärte, Verkehrsteilnehmer sollten unverzüglich eine Rettungsgasse bilden, sobald der Verkehr stocke oder sich ein Stau entwickle. Dadurch erleichterten sie Einsatz- und Rettungskräften die Arbeit und könnten helfen, Menschenleben zu retten, da oft wenige Sekunden entscheidend seien. Wer keine Rettungsgasse bilde oder diese unerlaubt nutze, müsse mit erheblichen Bußgeldern rechnen. Die Polizei Baden-Württemberg achte konsequent auf die Einhaltung der Vorschriften und zeichne Verstöße mithilfe ihrer Dashcam-Systeme beweissicher auf.
Falschfahrer in Baden-Württemberg: Zahlen und Unfälle im vergangenen Jahr
Die Zahl der Falschfahrermeldungen sank 2025 auf 371 (2024: 395). Die damit verbundenen Verkehrsunfälle lagen mit 23 Fällen (2024: 24) nahezu auf Vorjahresniveau. Zwei Menschen (2024: ein Mensch) kamen ums Leben, 16 Personen (2024: 20) wurden leicht und fünf (2024: acht) schwer verletzt. Besonders häufig wurden Falschfahrer an Samstagen (66; 2024: 76) und Sonntagen (90; 2024: 83) gemeldet. Zusammen entfielen auf diese beiden Tage rund 42 Prozent (2024: 40 Prozent) aller Falschfahrten in Baden-Württemberg.

Leicht angestiegen ist die Zahl der gemeldeten Fälle von Personen, die Gegenstände auf Fahrbahnen warfen: von 47 im Jahr 2024 auf 50 im Jahr 2025. Häufig warnte der Verkehrswarndienst zudem vor Radfahrern auf Bundesautobahnen und Kraftfahrstraßen. „Radfahrer haben auf Autobahnen und Kraftfahrstraßen nichts verloren! Sie gefährden nicht nur sich selbst, sondern bringen auch andere in Gefahr“, so Innenminister Strobl. Die Zahl dieser Meldungen sank auf 274 (2024: 318).
Kuriose Einsätze 2025: Nandu, Kamel und Gegenstände auf Fahrbahn
Deutlich zugenommen haben die Gefahrenmeldungen zu Gegenständen auf der Fahrbahn: 33.653 Fälle wurden 2025 registriert (2024: 31.891). Unter anderem warnte der Verkehrswarndienst vor einer Laderampe, einer Photovoltaik-Anlage sowie mehreren Bierkisten, die ein Lkw während der Fahrt verloren hatte. Auf der B290 bei Crailsheim (Landkreis Schwäbisch Hall) wurde sogar eine Holzhütte auf der Fahrbahn gemeldet. „Diese Fälle zeigen, wie wichtig eine korrekte Ladungssicherung ist. Sichern Sie auch bei kurzen Strecken Ihre Ladung richtig, damit andere Verkehrsteilnehmer nicht gefährdet und Unfälle vermieden werden“, mahnte Strobl.
Auch Tiere auf der Fahrbahn führten 2025 erneut zu zahlreichen Einsätzen. In 3856 Fällen (2024: 3750) warnte der Verkehrssicherheitsdienst unter anderem vor einem Pfau, 500 Schafen sowie einem entlaufenen Nandu. Eine kuriose Situation ereignete sich auf der B10 zwischen Ebersbach an der Fils (Landkreis Göppingen) und Reichenbach an der Fils (Landkreis Esslingen): Mehrere Verkehrsteilnehmer meldeten einen herrenlosen Hund am Fahrbahnrand. Vor Ort stellte sich das Tier jedoch als größeres Plüschtier heraus, das an einen Zaun gebunden war. Die eingesetzte Streifenwagenbesatzung brachte das Stofftier zum Polizeirevier.
„In Ehingen an der Donau/Alb-Donau-Kreis erfasste ein Pkw-Lenker ein zuvor aus einem Zirkus entlaufenes Kamel. Die Bilanz: Das Kamel musste zum Tierarzt, das Auto wurde erheblich beschädigt, der Fahrer blieb glücklicherweise unverletzt“, berichtete Innenminister Thomas Strobl abschließend schmunzelnd. (pen/im)

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