Freiburg/Künzelsau - Im spektakulären Prozess um Freiburger Kunstfälscher hat das Landgericht jetzt Haftstrafen bis zu sechs Jahren verhängt. Auch in der Kunstsammlung Würth tauchten gefälschte Bilder des verurteilten Malers Wolfgang Beltracchi auf.
Der Angeklagte Wolfgang Beltracchi (l) und sein Anwalt Reinhard Georg Birkenstock (r) im Landgericht Köln.
Foto: Federico Gambarini (dpa)
Freiburg/Künzelsau - Im spektakulären Prozess um Freiburger Kunstfälscher hat das Landgericht am Donnerstag Haftstrafen bis zu sechs Jahren verhängt. Der Drahtzieher und Maler Wolfgang Beltracchi (60) erhielt die höchste Strafe von sechs Jahren. Seine Frau Helene (53) muss für vier Jahre, der Komplize Otto S.-K. für fünf Jahre ins Gefängnis. Helene Beltracchis Schwester Jeanette S. (54) erhielt ein Jahr und neun Monate auf Bewährung. Das Gericht sprach das Quartett des gewerbsmäßigen Bandenbetrugs schuldig.
Die Angeklagte Helene Beltracchi wartet auf die Urteilsverkündung.
Foto: Federico Gambarini (dpa)
Die Angeklagten hatten gestanden, über Jahre gefälschte Meisterwerke der Avantgarde der Zwischenkriegszeit in den Kunstmarkt geschleust zu haben. Dafür kassierten sie laut Anklage bis zu 16 Millionen Euro. Für ihre Geständnisse bekamen die Angeklagten wie zuvor vereinbart einen Strafrabatt. Ihnen hätten sonst bis zu neun Jahre Gefängnis gedroht.
Kunstsammlung Würth
Angeblich 1927 von Max Ernst gemalt: Das 64 Zentimeter auf 80 Zentimeter große Bild (Öl auf Leinwand) "La Horde" ist wohl eine Fälschung. Foto: Swiridoff Verlag
Das Quartett hat seit 1995 rund 47 Gemälde mit der fingierten Provenienz Jägers oder Knops über Auktionshäuser, Galerien und Händler in den Kunstmarkt geschleust. Im Prozess ging es um 14 Werke. Den höchsten Preis erzielte die Fälschung „La Forêt(2)“, angeblich von Max Ernst, die in einem Weiterverkauf für rund 5,5 Millionen Euro an den US-Verleger Daniel Filipacchi ging. 2,8 Millionen Euro erzielte „La Horde“, wiederum angeblich von Max Ernst, das bei einer Christie’s-Auktion zunächst Ladenhüter war und dann der Sammlung Würth vermittelt wurde.
Steve Martin kaufte das vermeintliche Campendonk-Bild „Landschaft mit Pferden“ für rund 500.000 Euro, veräußerte das Bild dann aber mit Verlust weiter.
Den Fälscherpinsel hat der künstlerisch versierte 60-Jährige selbst geführt. Für den Verkauf waren die Frauen und der 67-Jährige zuständig. Das Geld floss ins Ausland, häufig auf ein Nummernkonto in Andorra. Die nun Verurteilten hatten überwiegend von Freiburg aus agiert. Ihre Besitztümer, unter anderem eine millionenteure Villa in bester Lage, werden derzeit verkauft. Auch in der Villa hingen, als die Polizei sie durchsuchte, zahlreiche gefälschte Gemälde. lsw/red
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