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Massiver Medien-Umbruch in Baden-Württemberg – Übernahme mehrerer Regionalzeitungen 

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Die „Neue Pressegesellschaft“ aus Ulm will die Stuttgarter Zeitung und weitere Regionalzeitungen kaufen. Das Kartellamt muss die geplante Übernahme allerdings noch prüfen.

Von unserem Korrespondenten Theo Westermann
Die Südwestdeutsche Medienholding (SWMH) trennt sich von der Stuttgarter Zeitung.
Die Südwestdeutsche Medienholding (SWMH) trennt sich von der Stuttgarter Zeitung.  Foto: IMAGO / Arnulf Hettrich

Ein Umbruch in der baden-württembergischen Medienlandschaft steht an, den man im Südwesten so lange nicht mehr gesehen hat. Die „Südwestdeutsche Medienholding“ (SWMH) in Stuttgart, eines der größten Medienunternehmen Deutschlands, will sich von ihren in der „Medienholdung Süd“ (MHS) gebündelten Regionalzeitungen, darunter auch die Stuttgarter Zeitung und die Stuttgarter Nachrichten, trennen und diese an die „Neue Pressegesellschaft“ (NPG) in Ulm verkaufen.

Am Mittwochmorgen wurden die Betriebsräte der „Medienholding Süd“ der SWMH, zu der neben den beiden Stuttgarter Tageszeitungen auch der Schwarzwälder Bote gehört, informiert, anschließend die Mitarbeiter in einer Betriebsversammlung. Bei der SWMH verbleiben soll dagegen die Süddeutsche Zeitung.

Verkauf bei Medienunternehmen in Baden-Württemberg: Stuttgarter Zeitung und Lokalausgaben betroffen

Die „Neue Pressegesellschaft“ rund um die SüdwestPresse wird die „Medienholding Süd“ mit ihren aktuell 1700 Mitarbeitern zu 82 Prozent erwerben, wie beide Häuser am Dienstag mitteilten. Zur MHS gehören unter anderem die Stuttgarter Zeitung, die Stuttgarter Nachrichten und deren Lokalausgaben sowie die Eßlinger Zeitung, der Schwarzwälder Bote und die Kreiszeitung Böblinger Bote.

Komplexe Besitzverhältnisse bei Medienunternehmen in Baden-Württemberg

Die Besitzverhältnisse der beiden Unternehmen sind durchaus komplex und verästelt: Die SWMH mit Sitz in Stuttgart war in den vergangenen Jahrzehnten zu einem Riesen in der Medienbranche herangewachsen, vor allem nach dem 2008 vollzogenen Kauf der Süddeutschen Zeitung. Damals übernahm die SWMH auch den Schwarzwälder Boten.

Hauptgesellschafter der SWMH sind mit je 44,36 Prozent die Medienunion GmbH Ludwigshafen und die Gruppe Württembergischer Verleger, darunter die Ebner-Pressegesellschaft in Ulm. Diese ist wiederum einer von zwei großen Anteilseignern der „Neuen Pressegesellschaft“.  Hinter der Medienunion mit Sitz in Ludwigshafen steht die Verleger-Familie Schaub, der unter anderem die Tageszeitung „Die Rheinpfalz“ gehört.

Die „Neue Pressegesellschaft“ mit ihren digitalen und gedruckten Medien, deren Flaggschiff im Verbund mit Partnerverlagen die SüdwestPresse ist und die Märkische Oderzeitung und die Lausitzer Rundschau herausgibt, steigt damit weiter in der Topliga der deutschen Medienkonzerne auf. Sie beschäftigt aktuell rund 1.700 Mitarbeiter.

Medien-Verkauf in Baden-Württemberg: Kartellamt muss zustimmen

Wann der Deal genau erfolgen soll, wurde nicht bekannt. Auch zum Verkaufspreis machte die SWMH keine Angaben. Das Bundeskartellamt wurde am Mittwochnachmittag informiert, es muss dem Verkauf noch zustimmen. Eine Sprecherin der NPG in Ulm sagte gegenüber unserer Redaktion, dass man nun auf eine kartellrechtliche Zustimmung in einem Monat warte. Erst dann begännen die entsprechenden Planungen.

Die SWMH ist bisher eines der größten Medienunternehmen in Deutschland mit aktuell rund 4.500 Mitarbeitern. Was genau der Verkauf für Mitarbeiter, Redaktionen und Standorte bedeutet, ist noch nicht klar. In den vergangenen Jahren hatte die SWMH vor allem bei den beiden Stuttgarter Blättern einen massiven Sparkurs gefahren, in mehreren Sparrunden Personal sowohl in der Technik, dem Druck und in den Redaktionen abgebaut. Was der geplante Verkauf für die eingeleiteten, auch durch den digitalen Wandel getriebenen Strukturreformen in den Redaktionen bedeutet, wurde nach unseren Informationen in der Betriebsversammlung nicht kommuniziert.

Unruhe in Belegschaft: Stuttgarter Zeitung und Lokalausgaben sollen verkauft werden

Beide Stuttgarter Zeitungen sind inzwischen inhaltlich weitgehend deckungsgleich. Martin Gross, Landesbezirksleiter der Gewerkschaft Verdi, betonte in einer Reaktion: „Durch die angekündigte Übernahme würde sich die Konzentration in der baden-württembergischen Medienlandschaft dramatisch verschärfen. Gab es bisher zwei große Player und noch wenige eigenständige kleinere Medienhäuser, würde nach der Übernahme ein Konzern dominieren.“ 

Verdi erwarte, dass das Kartellamt diese Übernahme gründlich überprüfe. Der Deutsche Journalistenverband (DJV) sieht „weitere Unruhe in einer ohnehin schon verunsicherten Belegschaft“, so Landesgeschäftsführer Gregor Schwarz. 

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