Kai Gniffke ist seit 2019 SWR-Intendant, im Dezember 2023 wurde er für eine zweite Amtszeit gewählt, die bis 2029 geht. Seit 1. Januar 2023 ist er außerdem Vorsitzender der ARD. Von 2006 bis 2019 war der Intendant "Erster Chefredakteur" von ARD-aktuell, womit er sowohl für die Tagesschau als auch für die Tagesthemen verantwortlich war. Kai Gniffke ist Mitglied in der SPD.
"Müssen die ARD umkrempeln": SWR-Intendant Kai Gniffke bei Live-Talk in Heilbronn
Kai Gniffke ist SWR-Intendant und Vorsitzender der ARD. Beim Live-Talk "Ohne Ausrede" spricht er über anstehende Reformen im öffentlich-rechtlichen Rundfunk, den Einsatz von KI und die Höhe seines Gehalts.

Der öffentlich-rechtliche Rundfunk (ÖRR) muss reformiert werden, darüber herrscht mittlerweile Konsens. Nur in welcher Weise, darüber wird weiterhin gestritten. Der SWR-Intendant und Vorsitzende der ARD, Kai Gniffke, stellte sich im Stimme.tv Live-Talk "Ohne Ausrede" den Fragen von Chefredakteur Uwe Ralf Heer, um unter anderem über die Zukunft der ARD zu sprechen.
"Wir kommen aus der schwersten Krise unserer Geschichte", sagt Gniffke und meint damit den rbb-Skandal. Daraus habe man Konsequenzen gezogen: "Wir müssen die ARD umkrempeln", sagt Gniffke. Man müsse effizienter und digitaler werden, Doppelstrukturen müssten abgebaut werden.
SWR-Intendant Kai Gniffke: Warum der Rundfunkbeitrag trotz geplanter Reformen steigt
In dieser Woche beraten von Mittwoch bis Freitag die Ministerpräsidenten der Länder in Leipzig über eine mögliche Reform des ÖRR. Änderungen können nur einstimmig beschlossen werden, es müssen also alle 16 Landesparlamente zustimmen. Man warte diese Tage "mit einer gewissen Demut" ab, alles andere sei "Kaffeesatzleserei".
Eine der wichtigsten Fragen, die auch viele Bürger umtreibt, ist die Diskussion um eine erneute Erhöhung des Rundfunkbeitrags um 50 Cent - auf dann 18,94 Euro im Monat. "Viele fragen sich, wenn sowieso gespart werden soll und Reformen anstehen, wozu muss dann der Beitrag erhöht werden?", will Uwe Ralf Heer wissen. "Die Frage richtet sich nicht an mich", erklärt Gniffke.
Diese Summe sei von einer unabhängigen Kommission, der Kommission zur Ermittlung des Finanzbedarfs der Rundfunkanstalten (KEF) "sehr genau ermittelt" worden, um sicherzustellen, dass der ÖRR seinen Auftrag weiter erfüllen könne. Ob man vor dem Bundesverfassungsgericht klagen wolle, falls eine Erhöhung der Beiträge abgelehnt werde, ließ Gniffke offen - das seien "Was wäre wenn"- Spekulationen, an denen er sich nicht beteilige.
Kai Gniffke äußert sich zum Vorschlag, Sender beim SWR zusammenzulegen
Eine mögliche Zusammenlegung der Sender Arte und 3sat ist für ihn kein "Worst-Case-Szenario", das sei das gute Recht der Länder, aber: "Bei den Hörfunkwellen tut es mir weh." Laut den aktuellen Überlegungen könnten 16 ARD-Hörfunkkanäle wegbrechen, was konkret zwei Sender weniger für den SWR bedeuten würde. Der Intendant geht alle Sender von SWR4 bis zum Jugendsender "Das Ding" einmal durch und erklärt, egal welcher Spartensender wegfallen würde, man nehme den Leuten etwas weg. "Das wird kein Spaß."
Das Argument, dass in einem solchen Fall zuerst bei der Kultur gespart werde, räumt er ab. Man zahle für SWR Kultur so viel wie für SWR eins, drei und vier zusammen. Auch Einsparungen beim Sport sieht der Intendant kritisch, nichts sei so verbindend und gemeinschaftsstiftend wie der Sport. Deshalb müsse dieses Angebot weiter frei zugänglich sein, er wolle nicht, dass Sport nur durch teures Pay-TV zugänglich sei. Dieses Angebot des ÖRR nutzt der Intendant auch persönlich: Zur Entspannung schaue er am liebsten die Sportschau, verrät er.
ARD-Chef Gniffke verteidigt Vorschlag zur Selbstverpflichtung gegenüber Zeitungsverlegern
Der Verband deutscher Zeitungsverleger kritisiert, dass der ÖRR durch Textangebote im Netz den Zeitungen in die Quere kommen würde. Vergangene Woche wollte Kai Gniffke den Verlegern mit einem Vorschlag entgegenkommen. Der ÖRR könnte eine Selbstverpflichtungserklärung abgeben, um Onlineangebote so zu gestalten, dass sie nicht "presseähnlich" seien.
Man müsse mehr Sendungsbezüge herstellen und noch mehr auf die Angebote der Verlage verweisen, so Gniffke im Gespräch mit Uwe Ralf Heer. Der Vorschlag sei der Versuch, einen "Weg für eine vielfältige Medienlandschaft zu skizzieren".
Gniffkes Gehalt von mehr als 300.000 Euro: Mehr Geld als der Bundeskanzler
Auf diesem Weg könnte auch KI eine immer wichtigere Rolle spielen. Dass KI Moderatoren ersetzen könnte, hält Gniffke für möglich, doch es komme stark auf den Inhalt des Programms an: Wetter und Verkehr nachts im Radio durch KI sprechen zu lassen, findet er vorstellbar, andere Formate wie die Hitparade "macht man nicht mit KI".
Gehälter von Top-Managern und Spitzenpersonal aus Politik und Wirtschaft sorgen öffentlich immer wieder für Diskussionen. Kai Gniffke liegt mit einem jährlichen Gehalt von knapp über 392.000 Euro auf Platz zwei hinter WDR-Intendant Tom Buhrow. Damit verdient er mehr als der Bundeskanzler. Mit diesem Gehalt transparent umzugehen sei wichtig, das "sei man den Leuten schuldig", erklärt Gniffke, doch grundsätzlich hält er die Summe für gerechtfertigt.
Sinkendes Vertrauen in die Medien nimmt er ernst, doch betont gleichzeitig: "80 Prozent der Leute vertrauen dem SWR. Um die anderen 20 Prozent kämpfe ich."

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