Stuttgart (dpa)
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«Zauberfüßchen» Wirtz und die Sehnsucht nach «Wusiala»

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Ein Künstler macht beim 4:3 in der Schweiz den Unterschied. Florian Wirtz bereitet in seinem besten Länderspiel zwei Tore vor und trifft dann selbst doppelt. Und trotzdem vermisst er vor der WM etwas.

Von Klaus Bergmann und Arne Richter, dpa
Das «Zauberfüßchen»: Florian Wirtz am Ball.
Das «Zauberfüßchen»: Florian Wirtz am Ball.  Foto: Christian Charisius/dpa

Bei der Ankunft am Teamhotel in Stuttgart stand ein Selfie mit Florian Wirtz bei den wartenden Fans besonders hoch im Kurs. Und nicht nur die Anhänger fragten sich nach der großen Wirtz-Show beim 4:3-Torspektakel gegen die Schweiz, was bei der WM im Sommer möglich ist, wenn die Fußball-Nationalmannschaft in Amerika mit «Wusiala» zaubern könnte. 

Florian Wirtz und Jamal Musiala - die Neuauflage des Spaß-Duos von der Heim-EM 2024, würde für die DFB-Elf ein Upgrade bedeuten, das träumen ließe. Auch Wirtz, der nach seiner Weltklasseleistung in Basel durchaus forsch vom «Finale» am 19. Juli vor den Toren New Yorks sprach. «Natürlich hoffe auch ich, dass Jamal bald wieder hundertprozentig fit ist, auch für ihn selbst.» 

Beim zweiten WM-Test am Montag (20.45 Uhr/ARD) gegen Ghana wird Wirtz wieder ohne den seit einem Jahr bei den Länderspielen fehlenden Musiala wirbeln müssen. Der 23 Jahre alte Bayern-Profi plagt sich auch neun Monate nach seiner schweren Verletzung bei der Club-WM in den USA weiter mit Schmerzreaktionen am operierten linken Fuß. Die Zeit rennt, es wird eng.

Warum Wirtz weiß, was Musiala plagt

«Ich weiß, wenn man lange verletzt ist, das ist nicht schön. Man will einfach wieder auf den Platz und ohne Probleme spielen», sagte Wirtz. Der 22-Jährige weiß, wovon er spricht. Er verpasste 2022 die WM in Katar, weil er nach einem Kreuzbandriss im Knie nicht rechtzeitig wieder sein Topniveau erreichte. 

Jetzt drückt er Musiala die Daumen: «Natürlich kann er uns sehr gut helfen. Deswegen freue ich mich, wenn er bald wieder zurück ist.» Im Moment könne er ihn nur «ab und zu fragen, wie es aussieht» und ihm «alles Gute zu wünschen». Im WM-Vorlauf muss Wirtz, den Sportdirektor Rudi Völler nach der Gala mit Doppelpack und zwei Torvorlagen als «unser Zauberfüßchen» rühmte, halt noch alleine für die kreativsten Momente im deutschen Offensivspiel sorgen.

Bei der Einordnung seiner Fußball-Show im St. Jakob-Park musste Wirtz nicht lange überlegen. «Ja, das würde ich schon unterschreiben», antwortete der Liverpool-Profi auf die Frage, ob das 38. Länderspiel sein Bestes gewesen sei. «Ich glaube, vier Scorer sind mir noch nie in einem Spiel gelungen. Deswegen ist das ganz einfach zu beantworten», sagte der Mann des Abends. 

Ein Kunstschuss «zum Zungeschnalzen»

Die ersten beiden Treffer von Jonathan Tah und Serge Gnabry bereitete Wirtz wunderbar vor. Das dritte und vierte erzielte er jeweils selbst. Vor allem der Schuss zum 3:2 vom linken Strafraumeck war ein Kunstwerk. «Zum Zungeschnalzen», schwärmte Bundestrainer Julian Nagelsmann. «Ich würde lügen, wenn ich sagen würde, ich wollte den genauso reinmachen», gestand Wirtz: «In den wichtigen Momenten muss es klappen - heute war es da.» 

Es waren seine Länderspieltore neun und zehn. Und sein zweiter Doppelpack nach der Premiere beim 7:0 gegen Bosnien-Herzegowina im November 2024. Danach prasselten Lobeshymnen auf den 1,76 Meter großen Wirtz ein. «Er küsst den Ball», sagte Teamkollege Pascal Groß. «Es ist immer wieder faszinierend, was er zaubert auf dem Spielfeld», äußerte Torschütze Tah.

Rekord-Nationalspieler Lothar Matthäus gab Wirtz bei RTL «eine Eins plus mit Sternchen». Und auch der Gegner verneigte sich. «Ich hatte die Ehre, zwei Jahre mit Flo in Leverkusen zusammenzuspielen. Es ist ein Genuss für jeden Fußballer», sagte Granit Xhaka, der Kapitän der Schweizer Elf: «Ganz Deutschland kann sich glücklich schätzen, so einen Spieler in seinen Reihen zu haben. Flo hat eine ganz große Karriere vor sich, davon bin ich überzeugt.» 

Der Bundestrainer denkt genauso. «Er hat schon im Weltfußball einen Namen», sagte Nagelsmann über Wirtz. Und die schwierige Anfangszeit in Liverpool, wo auch das 150-Millionen-Euro-Preisschild schwer auf den schmalen Schultern von Wirtz lastete, bewertet Nagelsmann inzwischen sogar als hilfreich. 

«Er musste mit der Situation, dass er Gegenwind kriegt, erstmal klarkommen. So etwas beschäftigt junge Menschen. Die Entwicklung in Liverpool war für ihn extrem gut. Da kann er viel rausziehen in der Persönlichkeitsentwicklung», erklärte Nagelsmann. Auf dem Platz, mit dem Ball am rechten Zauberfüßchen, sei Wirbelwind Wirtz ohnehin «außergewöhnlich - und unfassbar gut».

Florian Wirtz (r) jubelt nach seinem Siegtor gegen die Schweiz mit Pascal Groß.
Florian Wirtz (r) jubelt nach seinem Siegtor gegen die Schweiz mit Pascal Groß.  Foto: Christian Charisius/dpa
Florian Wirtz klatscht nach seinem Gala-Auftritt mit Bundestrainer Julian Nagelsmann ab.
Florian Wirtz klatscht nach seinem Gala-Auftritt mit Bundestrainer Julian Nagelsmann ab.  Foto: Tom Weller/dpa
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