Wer wird Chef im Haifischbecken?

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Crailsheim - Sechs Kandidaten bewerben sich als Oberbürgermeister. Am Sonntag wird gewählt.

Von Heidemarie Seifert
Crailsheim ist die zweitgrößte Stadt im Kreis Schwäbisch Hall. Im Bild geht der Blick entlang der Fußgängerzone Lange Straße bis zur Johanneskirche. Trotz Kriegszerstörungen gibt es noch viele historische Bauten.Foto: Stadtverwaltung Crailsheim
Crailsheim ist die zweitgrößte Stadt im Kreis Schwäbisch Hall. Im Bild geht der Blick entlang der Fußgängerzone Lange Straße bis zur Johanneskirche. Trotz Kriegszerstörungen gibt es noch viele historische Bauten.Foto: Stadtverwaltung Crailsheim

Crailsheim - Man könnte meinen, Oberbürgermeister von Crailsheim zu sein, ist kein besonders begehrenswerter Posten. Die Stadt im Landkreis Schwäbisch Hall wird seit einiger Zeit von aufsehenerregenden Geschehnissen gebeutelt: Am 11. Juni dieses Jahres wurden aus einem Tresor im Rathaus Waffen gestohlen, die nach dem Amoklauf von Winnenden dort abgeben worden waren. Das Nummernschloss an dem Schrank war nicht verdreht. Der Ordnungsamtsleiter wurde an den Bauhof versetzt.

Am 25. Juni verkündete Oberbürgermeister Andreas Raab in einer Gemeinderatssitzung überraschend seinen Rücktritt. Der im März 2007 wiedergewählte CDU-Mann sprach von einem "unerträglichen kommunalpolitischen Klima" und schied am 31. Oktober aus seinem Amt. Bis dahin war er krankgeschrieben. Im Juli setzte der strafversetzte Leiter des Ordnungsamtes seinem Leben ein Ende. Zu der Affäre um den Waffendiebstahl war eine anonyme Anzeige wegen Bestechung im Amt in Bezug auf das Volksfest gekommen. Nicht nur hinter vorgehaltener Hand wird der Gemeinderat als "Haifischbecken" bezeichnet.

Chancenlos

Beworben um die Nachfolge haben sich sechs Kandidaten. Zwei von ihnen können wohl als chancenlos bezeichnet werden: Der 64-jährige Landesbeamte Volker Rainer Kilian aus Neustadt an der Aisch darf als Gaudi-Kandidat gelten. Die einzige weibliche Bewerberin, die 51-jährige Branka Mayer, zeigt sich bei einem Kandidatenforum der Regionalzeitung "Hohenloher Tagblatt" in allen Sachfragen kenntnislos und möchte eigentlich nur, dass sich alle liebhaben. Wie Branka Mayer kommt der Unternehmer Gerald Widerspick (Fotos: Seifert) aus Crailsheim. Der 49-Jährige ist parteilos und betont vor allem ökonomische Themen. In seinen Aussagen bleibt Widerspick allerdings sehr allgemein und kann auch bei Fragen aus dem Plenum der rund 1400 interessierten Forums-Besucher wenig ausführen.

Konkreteres bietet da Rudolf Michl, obwohl der Ministerialrat aus Dessau kommt und gebürtiger Hesse ist. Der 50-jährige SPD-Mann punktet mit seiner Verwaltungserfahrung, einem sehr gewählten schönen Deutsch - samt Thomas-Mann-Zitat - und Optimismus.

Über die zweifelsohne größte Detail-Kenntnis der 34 000-Einwohner-Stadt Crailsheim verfügt Wilfried Kraft. Das ist kein Wunder, der 52-Jährige sitzt für die Grünen im Stadtrat und hat die Querelen der Vergangenheit miterlebt. Kraft wirkt auf dem Podium etwas spröde, hat aber Witz: Befragt, wie er sich die Zusammenarbeit mit dem "Haifischbecken" Gemeinderat vorstelle, antwortet er: "Als Sozialpädagoge bin ich den Umgang mit schwierigen Menschen gewohnt."

Hartes Regiment?

Der Bewerber, der am meisten polarisiert und gleichzeitig als chancenreich gilt, ist Günther Freisleben. Der gebürtige Heilbronner ist Leitender Direktor der Polizeidirektion Schwäbisch Hall, hat eine steile berufliche Karriere gemacht und nebenbei Studienabschlüsse erworben. Gerade der Führungsposten bei der Polizei macht ihn manchen aber suspekt, sie fürchten ein hartes Regiment durch den 52-Jährigen. Die Replik des CDU-Mitglieds auf eine dahingehende Frage aus dem Publikum kommt denn auch einer Zurechtweisung nahe. Bisher kristallisiert sich kein klarer Favorit heraus. Die Crailsheimer haben am kommenden Sonntag die Wahl unter sehr unterschiedlichen Bewerbern.

Rudolf Michl
Rudolf Michl
Wilfried Kraft
Wilfried Kraft
G. Widerspick
G. Widerspick
G. Freisleben
G. Freisleben
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