Warnung vor Verzehr abgerissener Weinblätter
Nach dem Diebstahl von Weinblättern in einem Stuttgarter Weinberg warnen Experten vor Gesundheitsschäden beim Verzehr der Blätter. Was manche als kulinarisches Highlight erachten, könnte zum Beispiel Übelkeit verursachen.
Der Diebstahl Tausender Weinblätter von Stuttgarter Reben gibt den Ermittlern Rätsel auf - und verärgert Weinbauern im Südwesten. „Wir finden das überhaupt nicht witzig“, sagte der Geschäftsführer des Weinbauverbandes Württemberg, Werner Bader, der Nachrichtenagentur dpa am Mittwoch in Weinsberg. „Die Blätter sind für die Zuckerproduktion der Traube nötig.“ Weinblattdiebstahl sei in Baden-Württemberg zwar kein Massenphänomen, komme aber immer wieder vor.
Gefüllte Weinblätter?
Zwischen Samstag und Montag hatten Unbekannte in einem Stuttgarter Weinberg an etwa 1200 Weinstöcken Blätter abgerissen - Bader vermutet, dass daraus Speisen hergestellt werden sollen. „Ich glaube nicht, dass es aus Spaß geschieht. Das ist für manche Leute ein kulinarisches Highlight.“ Mit Reis gefüllte Weinblätter werden etwa in griechischen und türkischen Restaurants angeboten.
Wegen der aufgetragenen Pflanzenschutzmittel seien Blätter der Rebstöcke aber derzeit nicht sehr bekömmlich. Sie könnten zum Beispiel Übelkeit verursachen, betonte Bader. „Ich würde davon abraten, diese Blätter zu essen.“ Der Präsident des Badischen Weinbauverbandes, Kilian Schneider, warnt vor Allergien. „Ich würde momentan auch keine Weinblätter aus meiner Rebe essen.“
Keine Spuren
Bei dem bestohlenen Stuttgarter Weinbaumeister Rainer Dürr überwiegt der Ärger über den Schaden an seinen Rebstöcken. „Das macht mir jetzt relativ wenig aus, wenn die jetzt Durchfall kriegen. Ich habe ihnen ja nicht gesagt, dass sie es wegnehmen sollen.“ Die Stuttgarter Polizei macht sich wenig Hoffnung, die Blätterdiebe zu schnappen. „Da gibt es eigentlich gar keine Spur“, sagte ein Sprecher. „Wir können da nicht viel machen. Im Weinberg kann man keine Spuren sichern.“ lsw
Hintergrund: Weinland
Baden-Württemberg ist ein Weinland: Jede vierte der rund 1100 Gemeinden im Südwesten baut laut Statistischem Landesamt Reben an. In 14 Gemeinden gibt es mehr als 400 Hektar Weinbau. Acht davon liegen in Baden, sechs in Württemberg. Während Reben in vielen ländlichen Gebieten das Ortsbild prägen, fallen sie in den großen Städten kaum ins Auge. In Stuttgart bedecken sie nur zwei Prozent der Bodenfläche. lsw
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