Zünftig Feiern mit gesalzenen Preisen
Die erste Halbzeit auf dem Cannstatter Volksfest in Stuttgart ist vorüber. Noch bis zum 13. Oktober wird auf dem Wasen gefeiert, 3,5 Millionen Besucher werden vom Veranstalter über die gesamten 17 Tage erwartet.
Wer sich einen guten Überblick über das 37 Hektar große Areal verschaffen will, dem empfiehlt sich eine Fahrt mit dem City Skyliner, einer der neuen Attraktionen auf dem zweitgrößten Volksfest der Republik. Sechs Minuten dauert die gemütliche Fahrt, ehe die Besucher in dem sich langsam drehenden Gehäuse, dessen Form einem Donut ähnelt, in 72 Metern Höhe über den gesamten Wasen blicken können. 4,2 Millionen Euro hat der Skyliner gekostet, der seine Premiere Mitte Juli bei der Rheinkirmes in Düsseldorf hatte.
Nach Hannover und Nürnberg ist Stuttgart die vierte Station des 270-Tonnen-Gefährts. "Der Wasen ist weltweit bekannt. Deswegen wollten wir unbedingt dabei sein", sagt Betreiber Thomas Schneider und löst die nächsten Tickets. Vier Euro zahlen Kinder, sechs Erwachsene. Monika und Josef Kapinos aus Wolfschlugen (Landkreis Esslingen) sitzen oben und blicken nach draußen. "Fantastisch" ist das erste Wort, was ihnen zum Ausblick einfällt.

Von oben kann auch gut überschaut werden, was das Cannstatter Volksfest in diesem Jahr alles zu bieten hat. Da wären zum einen die sieben Festzelte, in denen mehr als 30 000 Besucher Platz finden. Die Größten unter ihnen sind das Hofbräu-, das Schwaben-Bräu- und das Dinkelacker-Festzelt. Letzteres wird von den Brüdern Werner und Dieter Klauss betrieben. Sehr zufrieden sei man mit der ersten Woche, erklärt Werner Klauss, der gleichzeitig Sprecher der Festwirte ist. Ein Thema kann er jedoch nicht mehr hören: die Preise.
Die sind in diesem Jahr nämlich gesalzen. In vier Zelten hat die Maß Bier inzwischen inklusive Bedienungsgeld die Neun-Euro-Marke geknackt, das halbe Hähnchen liegt in allen sieben Zelten darüber. Hintergrund ist, dass die Stadt Stuttgart wegen der erhöhten Sicherheitsvorschriften die Fluchtwege ausbauen musste. Die Wirte werden über die Platzgebühren an den Kosten beteiligt. "Es ist die erste Erhöhung seit fünf Jahren", erklärt Stadt-Sprecher Andreas Scharf. Höhere Kosten für die Betreiber bedeuten höhere Preise für die Besucher. So funktioniert Marktwirktschaft auf dem Wasen.
Ansturm
Doch der Kundschaft scheinen steigende Preise egal zu sein. "Wir haben zehn Prozent mehr Gäste als zum gleichen Zeitpunkt 2012", sagt Andreas Kroll, Geschäftsführer der städtischen Gesellschaft, die das Fest veranstaltet.
Zur Kundschaft zählt auch Daniela Kaminski. Mit Freunden ist sie aus Freudenstadt angereist, um im Hofbräu-Zelt zu feiern. Dass nur zwei Meter entfernt von ihr Festwirt Hans-Peter Grandl die Promis in der VIP-Loge begrüßt, interessiert sie nicht. "Ich kenne niemand von denen." Umso später der Abend wird, desto mehr verlagert sich das Geschehen jedenfalls in die Zelte.
Einige Stunden zuvor hat die Sonne noch für angenehme Temperaturen gesorgt. Davon profitieren dann unter den 325 Betrieben auf dem Wasen vor allem die Fahrgeschäfte. Sie ziehen überwiegend junge Besucher an, die sich in Dirndl und Lederhose ins Abenteuer stürzen. Sei es der freie Fall aus 26 Metern Höhe oder das schwindelerregende Erlebnis mit dem sogenannten Gladiator, der seine Gäste durch die Gegend schleudert. Die zweite Halbzeit auf dem Wasen kann beginnen.

Stimme.de