Stimme+
Mannheim
Zur Merkliste Lesezeichen setzen

Studie: Querdenken-Demonstrationen als Superspreader-Events

   | 
Lesezeit  2 Min
Erfolgreich kopiert!

Die Querdenken-Demonstrationen im November 2020 in Berlin und Leipzig hätten dazu beigetragen, dass sich das Coronavirus in Deutschland stark verbreitet hat. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Studie des ZEW Mannheim und der Humboldt-Universität zu Berlin.

von Christine Tantschinez

Die zwei großen Querdenken-Demonstrationen im November 2020 in Berlin und Leipzig haben spürbare Nachwirkungen hinterlassen. Und sie scheinen an der Weiterverbreitung des Corona-Virus in Deutschland bis Weihnachten beteiligt gewesen zu sein. Zu diesem Schluss kommt eine aktuelle Studie des Leibniz-Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung in Mannheim in Zusammenarbeit mit der Humboldt-Universität zu Berlin.

Bis zu 21.000 Infektionen 

Laut Schätzungen der Autoren hätten 16.000 und 21.000 Covid-19-Infektionen bis Weihnachten verhindert werden können, hätte man die beiden Kundgebungen abgesagt. 

Die Wissenschaftler untersuchten laut Pressemitteilung das Infektionsgeschehen in den Landkreisen, aus denen zehntausende Demonstranten zu den Kundgebungen am 7. November 2020 in Leipzig und am 18. November in Berlin anreisten. Um diese Orte zu bestimmen, nutzen die Autoren der Studie Informationen über das Angebot von Busreisen eines Netzwerks von Busunternehmen, das sich seit Sommer 2020 auf die Beförderung von Demonstranten zu den „Querdenken“-Kundgebungen spezialisiert hat.

Die Recherche habe ergeben, dass die Sieben-Tage-Inzidenz nach den Demonstrationen deutlich stärker in den Landkreisen anstieg, die Städte mit solchen Busverbindungen beinhalten, als in Landkreisen ohne solche Verbindungen. Dies hatte laut Autoren bis Weihnachten einen Anstieg der Sieben-Tage-Inzidenz um 40 in den betroffenen Landkreisen zur Folge. Auch Heilbronn ist als Haltestelle des Busnetzwerkes "Honk for Hope" angegeben. 


Mehr zum Thema

Wasserwerfer der Polizei stehen bei einer Demonstration gegen die Corona-Einschränkungen der Bundesregierung zwischen dem Brandenburger Tor und dem Reichstagsgebäude an einer Absperrung. Foto: dpa
Stimme+
Berlin
Hinzugefügt. Zur Merkliste Lesezeichen setzen

Berliner Polizei setzt Wasserwerfer bei Corona-Demo ein


Konflikt zwischen gesundheitspolitischen Maßnahmen und Freiheitsrechte

Das individuelle Verhalten – wenn Personen beispielsweise entgegen der geltenden Regeln keine Mund-Nasen-Bedeckung tragen oder Abstandsregeln missachten – könne laut ZEW-Analyse große Auswirkungen auf die öffentliche Gesundheit haben. „Eine mobile Minderheit, die sich nicht an geltende Hygieneregeln hält, kann so ein erhebliches Risiko für andere Personen darstellen“, betont ZEW-Wissenschaftler und Koautor der Studie Dr. Martin Lange.

Zweifel an der Studie

Derweil äußern sich laut eines Artikels des Nordkuriers andere Wissenschaftler skeptisch gegenüber den Erkenntnissen der Studie. Sie zweifeln insbesondere an der Untersuchungsmethode und an den Schlüssen, die aus den Untersuchungen gezogen werden. „Es handelt sich eigentlich um zwei Studien, eine zum Thema Korrelation zwischen Häufigkeit von 'Coronaleugnern' und Corona selbst und eine weitere zu den Auswirkungen der Leipzig-Demonstration. Studie eins ist eine simple Korrelationsbetrachtung, das wird auch von den Autoren zugegeben – und sagt überhaupt nichts über Kausalitäten aus“, so Prof. Krämer zum Nordkurier.

Gegen Auflagen verstoßen

Bei beiden Großkundgebungen der Querdenker-Bewegung wurden zahlreiche Verstöße gegen die Demonstrationsauflagen wie zum Beispiel Einhaltung des Mindestabstandes und Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes registriert. Die Kundgebungen wurden vorzeitig von den Behörden beendet. In Leipzig kippte darauf die Stimmung unter den Tausenden angereisten Gegnern der Corona Maßnahmen. Es kam zu gewalttätigen Ausschreitungen. 

Am Brandenburger Tor versammelten sich am 18. November laut Berliner Polizei rund 7000 Menschen. Wegen Nichtbeachtung von Corona-Auflagen erklärte die Polizei um Mittag diese Demonstration für aufgelöst und setzte Wasserwerfer ein. 


Mehr zum Thema

"Bitte halte Abstand" und "Danke, dass du in unserem Store einen Mund-Nasen-Schutz trägst" ist auf Schildern in einem Schaufenster von einem Geschäft in der Innenstadt zu sehen. Foto: dpa
Stimme+
Berlin
Hinzugefügt. Zur Merkliste Lesezeichen setzen

Neues Infektionsschutzgesetz löst breite Kritik aus


 

 

 

 

 

Nach oben  Nach oben