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Sportlehrerverband stemmt sich gegen weniger Schulsport

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In der Mittelstufe des Gymnasiums sollen Schüler durch G9 eine Stunde Sport gestrichen werden. Ministerium verweist auf freiwillige Mehrstunden. 

Ein Pauschenpferd steht in der Sporthalle einer Schule. Der Deutsche Sportlehrerverband (DSLV) warnt vor reduziertem Sportunterricht in der Mittelstufe.
Ein Pauschenpferd steht in der Sporthalle einer Schule. Der Deutsche Sportlehrerverband (DSLV) warnt vor reduziertem Sportunterricht in der Mittelstufe.  Foto: Sebastian Kahnert/zb/dpa

Viele Schüler, Lehrer und Eltern fiebern der Umstellung von acht auf neun Jahren Gymnasium ab dem kommenden Schuljahr entgegen. Sie erhoffen sich dadurch eine Entzerrung des durch G8 zusammengepressten Stundenplans. Doch jetzt macht der Deutsche Sportlehrerverband (DSLV) mobil und warnt vor reduziertem Sportunterricht in der Mittelstufe. Denn vor der Umstellung auf G8 standen den Gymnasien 19 Stunden Schulsport pro Woche für die Klassen fünf bis elf zur Verfügung.

Ein Jahr länger auf dem Gymnasium

Als im Schuljahr 2004/2005 auf acht Jahre Gymnasium umgestellt wurde, reduzierte sich der Schulsport für die sieben Klassen auf 16 Stunden. Diese 16 Stunden sollen nach dem Willen des baden-württembergischen Kultusministeriums beibehalten werden, obwohl Schüler, die ihr Abi ablegen wollen, wieder ein Jahr länger aufs Gymnasium gehen. Betroffen davon wären die Klassen sieben bis neun. Sie hätten nur zwei statt drei Stunden Schulsport pro Woche.

Entscheidung entgegen der Empfehlung des Bundesgesundheitsministeriums

Der DSLV übt scharfe Kritik an den Plänen der grün-schwarzen Landesregierung. „Der Bewegungsmangel bei vielen Kindern ist da. Und man tut alles dafür, damit es nicht besser wird“, sagt Sibylle Krämer aus Frankenbach, die dem geschäftsführenden Vorstand der Landesgruppe des DSLV angehört. Die 51-Jährige unterrichtet am Zabergäu-Gymnasium in Brackenheim neben Sport auch Französisch und Mathematik. Entgegen den Empfehlungen des Bundesgesundheitsministeriums, mehr Sportunterricht anzubieten, gehöre das Fach zu den Verlieren von G9.

Schulen können mehr Sportunterricht freiwillig anbieten 

Das grün geführte baden-württembergische Kultusministerium gesteht ein, dass sich die Gesamtzahl der Wochenstunden beim Wechsel von G8 auf G9 nicht verändern. Ein Sprecher verweist auf die neu eingeführten acht Poolstunden. Eine davon sei verpflichtend für Sport einzusetzen. Oder für Musik. Das entscheide jedes Gymnasium für sich. Für alle gilt: Zwei Stunden entfielen auf ein Schülermentoring, in dem der naturwissenschaftliche Bereich, die Demokratiebildung, die berufliche Orientierung sowie die Lern- und Leistungsentwicklung unterrichtet werden sollen. „Es bleiben also noch fünf übrig, die flexibel eingesetzt werden können. Also zum Beispiel auch für den Sportunterricht“, sagt ein Ministeriumssprecher.

Sport fördert kognitive Fähigkeiten

Dass diese Poolstunden tatsächlich für den Sportunterricht eingesetzt werden, gelte keinesfalls als gesichert, so die Kritik des DSLV. Die Poolstunde könne auch in den Musikunterricht fließen und stehe nicht per se für den Sportunterricht zur Verfügung. Zudem förderten Bewegung und Sport die kognitive Leistungsfähigkeit, die Teamfähigkeit sowie die physische und psychische Gesundheit. Aus dem Kultusministerium heißt es, man prüfe verschiedene Möglichkeiten, um das Fach Sport am allgemeinbildenden Gymnasium zu stärken.

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