Kuchen für Mimi - Gorillahaltung im Zoo bleibt umstritten
Jubiläum im Stuttgarter Affenhaus: Unter dem Protest von Tierschützern feiert der Stuttgarter Zoo Wilhelma am heutigen Mittwoch die Haltung von Flachlandgorillas seit 50 Jahren.
Der afrikanische Wildfang Mimi kam 1965 in die Wilhelma und begründete hier die Gorillahaltung. Laut Zoo ist sie mit ihren 52 Jahren einer der ältesten Gorillas der Welt und bekommt anlässlich der Feier einen Gemüsekuchen.
Tierschützer von Peta sprachen von einem „Trauertag“: Die Gorillas würden unschuldig für ihr Leben lang eingesperrt. Die Umweltorganisation WWF hingegen sieht Gorillas im Zoo als wichtige Botschafter für ihre in Freiheit stark bedrohten Artgenossen.
Einzige Gorilla-Aufzuchtstation in Europa
Mit elf Jungtieren gehört Mimi zu den erfolgreichsten Gorillamüttern in menschlicher Obhut. 1973 wurde sie Mutter des ersten in der Wilhelma geborenen Gorillababys, doch erst ihr neuntes Kind im Jahr 1988 zog sie laut Wilhelma selbst auf. Für Peta ist die hohe Rate der von ihren Müttern verstoßenen Babys ein Beleg für den falschen Weg. „Die freie Natur kann man in einem Zoo nicht nachbilden“, sagte Peta-Zooexperte Peter Höffken. Das sehe man den Tieren auch an.
Die Wilhelma verfügt über die einzige Aufzuchtstation für Gorillas in Europa. In ihr werden von ihren Müttern verstoßene Babys aufgenommen. Zwei leben derzeit dort. Beide kamen aus Wuppertal nach Stuttgart und sind Nachfahren von Mimi. Die Jubilarin lebt in Stuttgart zudem mit ihrer Tochter Mutasi sowie mit ihren Enkeln Mawenzi (2009), Milele (2012) und Masani (2015) in der aktuell elfköpfigen Gorillabande.
Wichtige Botschafter
„Die Menschen spenden nur für etwas, das sie kennen und lieben“, sagte Roland Gramling von WWF Deutschland. Insofern seien Gorillas in Zoos wichtige Botschafter. Zoos wie die Wilhelma lieferten zudem mit ihrer Forschung Hinweise darauf, wie die in Freiheit vom Aussterben bedrohten Tiere in Afrika besser geschützt werden können. Es sei aber Fakt, dass sich in Zoos geborene Gorillas nicht auswildern lassen. „Es geht nicht um Nachzucht für die freie Wildbahn.“ lsw
Hintergrund: Große Menschenaffen - enge Verwandte des Menschen
Gorilla, Schimpanse, Orang-Utan und Bonobo sind nahe Verwandte des Menschen. Die vier Großen Menschenaffen sind stark gefährdet.
Schimpansen gelten neben Bonobos als engste Verwandte des Menschen. Ihr Erbgut stimmt zu etwa 98 Prozent mit dem des Menschen überein. Sie leben sowohl in der Savanne als auch in tropischen Regenwäldern. Naturschützer schätzen, dass es noch etwa 170.000 bis 300.000 Schimpansen gibt.
Der einzige natürliche Lebensraum der Bonobos liegt in einem schwer zugänglichen Gebiet in der Republik Kongo in Zentralafrika. Ihr Bestand wird auf etwa 10.000 bis 50.00 geschätzt.
Die Orang-Utans sind die einzigen heute noch lebenden Großen Menschenaffen in Asien. Die Baumbewohner kommen nur noch in den Wäldern im Norden Sumatras und auf Borneo vor. Schätzungsweise leben noch 49.500 Tiere auf Borneo und etwa 6600 auf Sumatra.
Gorillas sind die größten heute noch lebenden Menschenaffen. Ausgewachsene Männchen werden bis zu zwei Meter groß. Es gibt zwei Arten, die in Zentralafrika vorkommen. Im Osten leben vermutlich noch höchstens 5000 Flachlandgorillas und etwa 700 Berggorillas, die zu den am stärksten vom Aussterben bedrohten Affen zählen. Im Westen gibt es laut WWF Deutschland vermutlich noch etwa 90.000 Gorillas. lsw

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