Stimme+
Wertheim

„Hochzeit wie im Fernsehen“ - Prinzessin heiratet Grafen in Wertheim

   | 
Lesezeit  3 Min
Erfolgreich kopiert!

Sie sind seit Jahren ein Paar, jetzt geben sich die Nachkommen zweier Adelshäuser am Main im feinen Rahmen das Ja-Wort. Schaulustige freuen sich über Promis zum Anfassen.

Von Wolfgang Jung, dpa
Constantin Graf Fugger von Babenhausen und Prinzessin Sophie zu Löwenstein-Wertheim-Freudenberg nach ihrer kirchlichen Trauung in Wertheim. Foto: dpa
Constantin Graf Fugger von Babenhausen und Prinzessin Sophie zu Löwenstein-Wertheim-Freudenberg nach ihrer kirchlichen Trauung in Wertheim. Foto: dpa

Hochzeitsgast statt Hollywood: Entspannt steht Oscar-Preisträger Florian Henckel von Donnersmarck (44) zwischen den Fachwerkhäusern von Wertheim und genießt die Abwechslung zur Arbeit in Los Angeles. Der Regisseur („Das Leben der Anderen“) ist mit Frau Christiane und drei Kindern zum „gesellschaftlichen Ereignis des Jahres“ in der Main-Region gereist - zur Trauung von Sophie Prinzessin zu Löwenstein-Wertheim-Freudenberg (28) und Constantin Graf Fugger von Babenhausen (30). Hunderte Schaulustige drängen sich vor der Stiftskirche, um einen Blick auf die Feiernden zu erhaschen.

„Alle sind so glücklich, und das Paar sieht so verliebt aus“, sagt die 68 Jahre alte Gerda Wagner aus Wertheim. Die nördlichste Stadt Baden-Württembergs wirkt seit Wochen wie im Hochzeitsfieber.

Eigentlich seien die Adelsprivilegien in Deutschland ja schon seit fast 100 Jahren abgeschafft, sagt Zuschauer Karl Bauer. „Aber für ein paar Stunden - das geht, das ist doch was Gutes“, meint der Rentner und lächelt. „Ein schöneres Willkommen kann sich das Paar nicht wünschen“, ergänzt seine Frau Elisabeth. „Das ist wie im Fernsehen.“ Viele winken dem Paar zu. „Küssen, küssen“, rufen einige.

Mehr als 300 Gäste

Es ist eine Hochzeit in zwei Bundesländern: Erst der Polterabend und die kirchliche Trauung in Wertheim, dann die Feier im Schlosspark von Kreuzwertheim - drüben, über den Main, im unterfränkischen Landkreis Main-Spessart in Bayern. Auch die Verpflegung für die mehr als 300 Gäste kommt aus zwei Bundesländern, aus Wertheim und aus Würzburg. „Wir lassen alles von lokalen Firmen liefern, von Essen und Getränken über Blumen bis hin zur Technik“, erzählt Brautmutter und Chefplanerin Elisabeth Fürstin zu Löwenstein-Wertheim-Freudenberg.

Es ist ein Balanceakt: Einerseits gelten die „Blaublüter“ als fest in der Region verankert und fast bürgerlich, sagen Wertheimer. Es ist andererseits aber ein Blick in eine Parallelwelt - viele deutsche und europäische Adelshäuser haben Vertreter geschickt, von Wittelsbach über Sayn-Wittgenstein bis Hohenzollern und Lobkowicz. Florian Henckel von Donnersmarck ist Bekannter der Familie, sein Großvater war bei der Vertreibung nach dem Krieg in Kreuzwertheim gelandet.

Brautpaar ist für fast jeden ansprechbar

Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) hatte die Verdienste von Adelsfamilien um den Erhalt von Liegenschaften im Mai gewürdigt. Ihre Schlösser, Gärten, Wälder und Weinberge gehörten zum kulturellen Erbe Baden-Württembergs, sagte er damals bei einem Treffen mit Mitgliedern von Adelsfamilien im Neuen Schloss in Stuttgart.

„Ein gewisser Abstand zum Adel ist schon da“, sagt Zuschauerin Gerda Wagner in Wertheim. An diesem Tag wirkt die Kluft aber schmaler. Das Brautpaar ist für fast jeden ansprechbar und wirkt wie andere Verliebte. Sophie ist in Kreuzwertheim aufgewachsen und zur Schule gegangen. Später hat sie ein privates Internatsgymnasium bei Kassel besucht und Business Management in Österreich und England studiert.

Ihr Mann „Consti“, wie sie ihn nennt, ist ebenfalls im Management tätig und bei einer Babynahrungsfirma für den Einkauf zuständig. Das in München lebende Paar hatte 2016 standesamtlich geheiratet.

Zahlreiche Zaungäste in Wertheim

Für die Feier zur kirchlichen Trauung durfte das Paar etwa 100 Gäste einladen, die Schwiegerfamilie 100 und die Löwensteins ebenfalls 100. Den Wertheimern gefällt das Spektakel. Viele haben sich schon morgens einen Platz gesichert. Die Stühle auf der Terrasse des Eiscafés an der Kirche seien bereits früh vorbestellt gewesen, erzählen einige. Auch die Fensterplätze rund um den Marktplatz waren meist vergeben.

„So etwas bringt Glanz in die Region“, sagt Henriette Meyer aus Kreuzwertheim. Sie sei Fan von Königshäusern und Durchlauchten. „Leider haben wir in Bayern keine Monarchie mehr“, seufzt sie. Nach dem feierlichen Eheversprechen zieht die Hochzeitsgesellschaft von der Kirche durch die historische Altstadt zum Main. Schließlich warten drüben, in Bayern, im Schlosspark die Speisen von 20 Köchen.

Bei bestem Wetter spazieren Wittelsbacher, Hohenzoller, Fugger durch die Maingasse. Die „Schwalbenschwänze“ edler Fracks wackeln im Takt des Gangs, und die Frauen halten ihre eleganten Hüte gegen den Wind fest. Nichts soll den großen Tag stören - auch Wäsche nicht. In einem Brief baten die Organisatoren die „sehr geehrten Geschäftsinhaber“ höflich, für die Zeit der Hochzeit keine Kleiderständer aufzustellen. „Zur Verschönerung der historischen Gasse“, heißt es darin, „wäre es wunderbar, wenn diese nicht durch Wäschestücke verstellt würde.“

 

Nach oben  Nach oben