Baden-Württemberg schafft mehr Plätze in Frauenschutzhäusern
Leonie Dirks, Amtschefin im Sozialministerium, kündigt den Ausbau von Frauen- und Kinderschutzhäusern an. Investiert werden sollen rund 19,6 Millionen Euro. Laut Polizei kommt es im Südwesten pro Tag zu mehr als 36 Delikten im Bereich häuslicher Gewalt.

Leonie Dirks ist seit 1. Februar dieses Jahres neue Amtschefin im Stuttgarter Sozialministerium - und leitet damit die Behörde von Minister Manne Lucha (Grüne). Die 38-Jährige hat ein breites Aufgabenspektrum. Im Gespräch mit unserer Redaktion kündigt sie den Ausbau der Frauen- und Kinderschutzhäuser im Südwesten an.
Zahl der Häuser wird auf 48 erhöht
"Wir wollen die Beratungsstellen finanziell besser unterstützen und in den Frauenhäusern mehr Plätze schaffen", sagt Dirks. So soll die landesweite Zahl der Frauen- und Kinderschutzhäuser von derzeit 43 auf 48 erhöht werden. In fünf bestehenden Einrichtungen seien Sanierungen vorgesehen, um die Häuser barrierefrei zu machen und mehr Plätze zu schaffen.
Meisten Mittel stammen vom Bund
Investiert werden insgesamt rund 19,6 Millionen Euro. Etwa 18,1 Millionen Euro sind Bundesfördermittel, den Rest steuert das Land freiwillig dazu. Mit den Maßnahmen soll auch ermöglicht werden, dass Frauen mit Kindern über zwölf Jahre in die Schutzhäuser aufgenommen werden können. Dies ist bislang nicht überall möglich gewesen. Der Ausbau der Einrichtungen ist auch eine Reaktion auf die nach wie vor vielen Fälle von häuslicher Gewalt.
Laut der Polizei kommt es pro Tag im Südwesten in diesem Bereich zu mehr als 36 Delikten. Alleine im vergangenen Jahr gab es nach Angaben des Innenministeriums im Land 13 234 Fälle - etwas weniger als 2020 mit 13 819 Delikten. Doch die Zahlen dürften nicht die Realität widerspiegeln. "In diesem Bereich gibt es vermutlich noch ein großes Dunkelfeld", so Dirks.
Maßregelvollzug ist eine der zentralen Aufgaben
Doch Dirks hat in den ersten Wochen im neuen Amt noch mehr Baustellen. Zuständig ist sie auch für den Maßregelvollzug. Seit den Ausbrüchen in Weinsberg ist der Druck groß, mehr Plätze zu schaffen. Schließlich ist die Zahl der gerichtlichen Zuweisungen zwischen 1996 und 2020 um mehr als 45 Prozent angestiegen.
Trend bei Klinik-Konzentrationen
Eine weitere Aufgabe von Dirks ist die Zukunftssicherung der Kliniken. "Eine gewisse Konzentration von Standorten erfolgt. Das ist ein Trend, der schon seit Jahren zu beobachten ist. Bestimmte kleine Standorte können gewisse Leistungen nicht mehr in der Form anbieten, in der es für die Bevölkerung gut ist", sagt sie. Für die Bewältigung der Pandemie ist bis Ende Juni hingegen noch ihr Vorgänger Uwe Lahl zuständig. Ab 1. Juli muss sich die Reutlingerin dann auch um das wohl arbeitsintensivste Thema des Sozialministeriums kümmern.

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