Stimme+
Stuttgart

Baden-Württemberg mit Fortschritten beim Breitbandausbau – Flächendeckende Versorgung nicht überall gewährleistet

   | 
Lesezeit  2 Min
Erfolgreich kopiert!

Der digitale Wandel bestimmt immer mehr das Leben der Menschen in Baden-Württemberg. Das Land ist darauf immer besser vorbereitet. Doch auch im Südwesten gibt es noch Rückstände beim Ausbau.

Von Matthias Schmid
Aus dem Sockel eines Schaltschranks ragen Glasfaserkabel heraus. Beim Breitbandausbau sieht die Lage inzwischen deutlich besser aus als noch vor zwei Jahren.
Aus dem Sockel eines Schaltschranks ragen Glasfaserkabel heraus. Beim Breitbandausbau sieht die Lage inzwischen deutlich besser aus als noch vor zwei Jahren.  Foto: Jan Woitas/dpa

Die Datenmengen, die täglich durchs Internet rauschen, sind unvorstellbar groß. Am 19. September 2023 wurden am Internetknoten DE-CIX in Frankfurt erstmals 15,29 Terabit pro Sekunde (Tbit/s) gemessen – parallel zum Start der Champions-League-Saison im Fußball und zu einem Software-Update eines berühmten Smartphone-Herstellers. Es war das erste Mal, dass an einem der größten Internetnetze der Welt die Schallmauer von 15 Tbit/s durchbrochen worden ist.

Um sich das besser vorstellen zu können: Das entspricht einer Übertragung von knapp fünf Millionen Videos in HD-Qualität zur gleichen Zeit. Oder 3,4 Milliarden beschriebenen DIN-A4-Seiten, einem Stapel von mehr als 370 Kilometern Höhe.

Datenvolumen in Deutschland steigt auf 121 Milliarden GB

Und der internationale Datenverkehr wird weiter wachsen. Auch in Baden-Württemberg. Nachzulesen ist das im aktuellen 44-seitigen Breitbandbericht des zuständigen Innenministeriums, der der Heilbronner Stimme vorliegt. 2022 belief sich das gesamte Datenvolumen in Deutschland auf 121 Milliarden Gigabyte (GB).

Die Gründe hierfür sind vielfältig. Die Digitalisierung bestimmt zunehmend den Alltag der Menschen. Künstliche Intelligenz, 8K-Fernsehen, digitales Lernen, Telemedizin oder autonomes Fahren werden in Zukunft noch tiefgreifender unser Leben umwälzen. Der technologische Wandel erfordert stetig höhere Bandbreiten und Übertragungen in Echtzeit. "Eine flächendeckende Versorgung mit schnellem Internet ist eine Jahrhundertaufgabe für unser Land", sagt Innen- und Digitalminister Thomas Strobl der Stimme. "Aus diesem Grund investieren wir in Baden-Württemberg kräftig in das Gigabitnetz."

2016 war gigabitfähige Infrastruktur noch kaum vorhanden

Derzeit liegt der Südwesten laut des Berichts bei der Versorgung mit Gigabit-Geschwindigkeiten mit 71,48 Prozent rund 9,4 Prozent über dem Durchschnitt der Flächenländer in Deutschland (etwa 62,13 Prozent) – und belegt damit den vierten Platz. Über eine Versorgung mit mindestens 100 Megabit pro Sekunde (Mbit/s) verfügen 89,92 Prozent der Haushalte. Das bedeutet einen Anstieg von mehr als 22 Prozent im Vergleich zu Mitte 2018. Damals hatten nur 67,7 Prozent der Haushalte 100 Mbit/s im Download zur Verfügung, bei gigabitfähiger Infrastruktur, also 1000 Mbit/s, waren es 2016 nur 1,4 Prozent.

"Das Internet für sehr viele Menschen im Land ist damit spürbar schneller", sagt Strobl. Allein in diesem Jahr seien für rund 450 Millionen Euro mehr als 74.000 neue Glasfaseranschlüsse entstanden. Weitere rund 710 Millionen Euro hat der Bund für Breitbandförderprojekte in Baden-Württemberg bereitgestellt, zusammen also rund 1,16 Milliarden Euro. Zwischen Mai 2021 und Dezember 2023 hat das Land insgesamt 1,47 Milliarden Euro an Landesfördermitteln für den Breitbandausbau bewilligt und rund 243.000 neue Glasfaseranschlüsse in Baden-Württemberg gefördert.

Baden-Württemberg bekommt besonders viele Fördermittel vom Bund

Außerdem hat die Landesregierung in diesem Jahr mit viel Geschick 1,1 der drei Milliarden Zuschüsse des Bundes abgreifen können. So viel wird es im nächsten Jahr nicht mehr werden, da die Bundesregierung bei der Förderung vor allem die Regionen bezuschussen möchte, in denen der Ausbau noch nicht so weit fortgeschritten ist.

Auch im Land gebe es noch genügend Rückstand, sagt Strobl, insbesondere in ländlichen Gebieten, die für private Telekommunikationsunternehmen oft unwirtschaftlich seien. "Eine flächendeckende Versorgung mit gigabitfähigen Anschlüssen muss jedoch überall gewährleistet sein. Gerade im Ländlichen Raum sitzen viele Weltmarktführer, die auf schnelles Internet angewiesen sind, um auf den Weltmärkten konkurrenzfähig zu bleiben." Die Landesregierung werde sich deshalb nicht auf den bisherigen Erfolgen ausruhen und weiter investieren, verspricht Digitalminister Strobl. Für 2024 seien 216 Millionen Euro vorgesehen.

Der digitalpolitische Sprecher der FDP-Fraktion, Daniel Karrais, erkennt die positive Entwicklung beim Glasfaserausbau in den vergangenen Jahren an, mahnt aber gleichzeitig: "Das Land muss die verplanten Haushaltsmittel für 2024 unbedingt weiter ausbezahlen, wenn die Bundesmittel gekürzt werden." Sie dürften nicht für andere Projekte eingesetzt werden.

 

Nach oben  Nach oben