Hell's Angel musste für die Ehre sterben
Mitangeklagter gesteht zum Prozessauftakt in Karlsruhe
Tätowiert und mit Sonnenbrille im langen Haar haben "Mikos" Freunde am Mittwoch im Saal des Karlsruher Landgerichts Platz genommen. Immer wieder schütteln sie bei den Aussagen der Angeklagten den Kopf. Es geht um ihren Kumpel, um den Tod eines "Hell's Angels". Der 42-jährige Miko, eine Führungsfigur der Rockergang, war im Januar 2004 am helllichten Tag in einem Karlsruher Innenstadt-Café von einem noch flüchtigen Killer erschossen worden. Auf der Anklagebank sitzen die vier miteinander verwandten mutmaßlichen Mittäter, zwei davon sollen die Drahtzieher der Tat gewesen sein.Wesentlicher Grund für die Bluttat war nach Angaben der Staatsanwaltschaft ein Finanzstreit im Rotlichtmilieu, in dem die beiden mutmaßlichen Hintermänner ebenso wie der getötete Rocker aktiv waren. Bereits im Dezember 2003 soll das aus Montenegro-Serbien stammende Angeklagten-Quartett mit Hilfe des flüchtigen Todesschützen und eines weiteren Verdächtigen in Bruchsal einen Mordanschlag mit einer Autobombe auf den Rocker verübt haben. Die Bombe war auf Grund eines Wackelkontaktes nicht explodiert.Die beiden wegen Beihilfe zum Mord angeklagten Brüder wollen nach eigener Aussage aus "Familienehre" mitgemacht haben. Ihre Cousins die mutmaßlichen Drahtzieher - müssen sich wegen Mordes verantworten. Miko habe seinem kleineren Cousin "nach dem Leben getrachtet", sagte der ältere der beiden Brüder. Die Lederjacken-Träger im Saal lachen empört und fassen sich an die Köpfe. Die Verhandlung in Karlsruhe findet unter strengen Sicherheitsvorkehrungen statt. Vor dem Landgericht bildeten sich am Mittwochmorgen lange Menschenschlangen. Für die Hauptverhandlung sind bis zum 23. Mai acht Verhandlungstage angesetzt.
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