Gauck würdigt Kretschmann als «kulturprägende» Führungsfigur
Ein grüner Ministerpräsident im konservativen Südwesten – warum Winfried Kretschmann laut Gauck zum Brückenbauer und Vorbild für Bürgerbeteiligung wurde.

Der frühere Bundespräsident Joachim Gauck hat die Wahl des baden-württembergischen Ministerpräsidenten Winfried Kretschmann (Grüne) als «kulturprägend» für das Land bezeichnet. «Ein Mensch, der sich selbst als wertkonservativ verstand, übernahm die Führung eines Landes, dessen politische Traditionen ihm rein äußerlich betrachtet nicht hätten ferner liegen können», sagte Gauck bei der offiziellen Verabschiedung in Stuttgart.
Kretschmann habe einen Stil mitgebracht, der das Zuhören, das Vertrauen und die Bürgerbeteiligung als Regierungsinstrument verstanden habe. Ein konservativ geprägtes Land habe einen grünen Ministerpräsidenten angenommen, «weil es in Ihnen einen guten Menschen erkannte, der zusammenführte», sagte Gauck.
Viele Prominente zum Abschied
Kretschmann hatte sich am Vormittag bei einem Festakt von politischen Weggefährten aus vielen Jahrzehnten politischer Arbeit verabschiedet. Zur Zeremonie ins Neue Schloss kamen zahlreiche prominente Gäste, die Kretschmann in den 15 Jahren seiner Amtszeit begleitet haben.
Neben Gauck kamen auch einige ehemalige Ministerpräsidenten, Ex-Freiburg-Trainer Christian Streich und der Unternehmer Wolfgang Grupp. Auch viele Grünen-Politiker der ersten Stunde zeigten sich - und natürlich Cem Özdemir (Grüne) und Manuel Hagel (CDU), die derzeit eine Neuauflage der grün-schwarzen Koalition verhandeln.
Kretschmann ist seit 2011 Regierungschef in Baden-Württemberg - kein Ministerpräsident war im Südwesten länger im Amt als er. Der Mann mit dem ikonischen Bürstenhaarschnitt ist der erste (und bislang noch einzige) Grünen-Politiker, der dieses Amt in einem deutschen Bundesland übernommen hat.


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