Der Tarzan-Schrei entstand aus deutschen Jodel-Übungen

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Ausstellung zum 100. Geburtstag von Johnny Weissmüller in Ulm eröffnet - Kritische Betrachtung des Frauenbildes in den berühmten Filmen

Von Heidi Ossenberg

Auf den Tag genau 100 Jahre nach seiner Geburt in Freidorf im heutigen Rumänien ist am Mittwoch in Ulm eine Ausstellung über den weltbekannten Tarzan-Darsteller und Ausnahmesportler Johnny Weissmüller eröffnet worden. Die Schau im Donauschwäbischen Zentralmuseum räumt mit so mancher Legende über den Sohn mittelloser Banater Schwaben auf, die dieser zu Lebzeiten selber gerne verbreitete: So war der Vater Weissmüllers kein Offizier in der österreich-ungarischen Armee, sondern Tagelöhner. Auch zog der spätere Goldmedaillen-Gewinner der Olympischen Spiele von 1924 unter der Identität seines in Amerika geborenen Bruders Peter nach Paris. Er selber besaß noch keinen US-Pass.

Ausstellungsmacher Christian Glass und sein Team haben mit großem Rechercheaufwand einen weiten Bogen gespannt: Die Auswanderung vieler hundert Menschen von Südosteuropa nach Amerika wird ebenso thematisiert wie das Leben Johnny Weissmüllers vom Straßenkind zum olympischen Schwimmstar in Paris und später zum Filmhelden. Die zwölf Tarzan-Filme aus den Jahren 1932 und 1948 werden einen kulturkritischen Betrachtung unterzogen - so die Rolle der Frauen in den Streifen, der Kolonialismus oder die Behandlung der Tiere im Dschungel.Für die Echtheit des Schreis des Liane-schwingenden, Lendenschurztragenden Tarzans Weissmüller legt der eigens zur Eröffnung aus Amerika angereiste einzige Sohn des Schwimm- und Filmidols, Johnny Weissmüller junior, die Hand ins Feuer. Aus Jodel-Übungen mit deutschen Einwanderern habe sein Vater den Schrei entwickelt, sagt der 64-Jährige. Mit seiner unverkennbaren Ähnlichkeit zum Vater und typisch amerikanischer Lässigkeit stiehlt der pensionierte Hafenarbeiter aus San Francisco seinem weltberühmten Vater fast die Show: Willig posiert der Sohn, der vor eineinhalb Jahren das Buch "Tarzan - Mein Vater" veröffentlicht hat, vor Originalfilmplakaten in der Ausstellung.Als Kind habe er nicht viel von dem berühmten Vater gehabt, plaudert Weissmüller. Als er drei Jahre alt war, trennten sich Weissmüller und seine Frau Beryl Scott. "Es gab da diese hässliche Scheidung", sagt der Sohn und bekennt, erst im Alter von zwölf Jahren wieder Kontakt zum Vater bekommen zu haben. Dann habe er auch seine Tarzan-Filme gesehen. "Bis dahin stand ich eher auf Western." InfoDie Ausstellung im Donauschwäbischen Zentralmuseum in Ulm, Schillerstraße 1, ist bis 24. Oktober täglich außer montags von 11 bis 17 Uhr zu sehen.


 
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