Das sind die Spitzenkandidaten der Parteien zur Landtagswahl
Sie dürften in den kommenden Wochen von vielen Plakaten auf die Wählerinnen und Wähler schauen: die führenden Köpfe der Parteien im Südwesten. Wer steht zur Wahl und wer sind die Spitzenkandidaten?

Auch wenn auf dem Wahlzettel vor allem die Parteien wichtig sind, geht es bei Wahlen immer auch um Köpfe. Die Parteien ziehen mit Spitzenkandidaten ins Rennen, die im Erfolgsfall nach der Wahl wichtige Ämter übernehmen dürften. Wer sind die wichtigsten Köpfe der Parteien mit Chancen auf Sitze im nächsten Landtag?
Manuel Hagel (CDU)
Er will nichts Geringeres als der jüngste Ministerpräsident des Landes werden - und seine Chancen stehen gut. Manuel Hagel ist gerade mal 37 Jahre alt, kommt aus Ehingen, spricht Dialekt, ist gläubiger Katholik, Jäger - und will für einen modernen Konservatismus stehen. Hagel machte eine Ausbildung zum Bankkaufmann, arbeitete sich dann zum Sparkassendirektor in seiner Heimat hoch. Begriffe wie Heimat liegen dem Vater dreier Kinder näher als das Gendern.
Seit 2016 sitzt Hagel im Landtag. Er hat seitdem eine steile politische Karriere hingelegt: erst CDU-Generalsekretär, dann Fraktionschef, dann Landesvorsitzender. Dabei hat er es geschafft, den einst zerstrittenen CDU-Landesverband zu einen. Die Südwest-CDU ist geschlossen wie lange nicht. Hagel will, so betont er immer wieder, Politik für die normalen Leute machen. Die CDU soll «politische Heimat der Fleißigen» sein.
Cem Özdemir (Grüne)
Er dürfte wohl der bekannteste der Kandidaten sein: Cem Özdemir war schon Bundesminister, Grünen-Chef auf Bundesebene, saß im Bundestag und im Europaparlament. Nur mit der Landespolitik hatte der 60-Jährige bislang wenig zu tun. Özdemir nennt sich selbst einen «anatolischen Schwaben», er wurde in Bad Urach als Sohn türkischer Gastarbeiter geboren. Inzwischen ist der gelernte Erzieher, der später Sozialpädagogik studierte und seit 1981 Mitglied der Grünen ist, Ehrenbürger seiner Heimatstadt.
Er gilt als Vertreter des pragmatischen Realo-Flügels und hatte immer wieder Konflikte mit seiner eigenen Partei, zuletzt beim Thema Migration oder beim Umgang mit dem Verbrenner-Aus. Özdemir hat mit seiner Ehefrau zwei Kinder, 2023 gab das Paar seine Trennung bekannt. Inzwischen ist er mit der kanadischen Juristin Flavia Zaka liiert.
Markus Frohnmaier (AfD)
Markus Frohnmaier hat eine besondere Vita, keine Frage. Geboren in Rumänien, wurde er als Säugling von einem schwäbischen Ehepaar aus dem Kinderheim adoptiert. Von der Hauptschule über ein abgebrochenes Jura-Studium arbeitete sich Frohnmaier zu einem der einflussreichsten Vertreter des rechten Flügels seiner Partei hoch. Er ist Mitbegründer der mittlerweile aufgelösten AfD-Nachwuchsorganisation Junge Alternative. Frohnmaier gehörte zu den Erstunterzeichnern der «Erfurter Resolution», die das Gründungsmanifest des rechten «Flügels» um Björn Höcke war. Früher schlug er harschere Töne an, im Wahlkampf gibt er sich nun freundlich und anschlussfähig konservativ.
Seit 2017 sitzt Frohnmaier im Bundestag für die AfD. Er ist stellvertretender Vorsitzender und außenpolitischer Sprecher der AfD-Fraktion. Er gilt als enger Vertrauter von Parteichefin Alice Weidel. Der 34-Jährige bezeichnet sich selbst als «Ministerpräsidentenkandidat», nicht als Spitzenkandidat. Sollte es nicht klappen mit der Villa Reitzenstein - was als sicher gilt, da niemand mit der AfD koalieren möchte - will er seinen Job in Berlin behalten. Für den Landtag kandidiert er nicht.
Andreas Stoch (SPD)
Bereits zum zweiten Mal führt Landes- und Fraktionschef Andreas Stoch die SPD in die Landtagswahl. Der 56 Jahre alte Rechtsanwalt stammt aus Heidenheim und war in der grün-roten Koalition von 2013 bis 2016 Kultusminister von Baden-Württemberg. Seit 2016 führt der Vater von vier Kindern die SPD-Landtagsfraktion, zwei Jahre später wählten ihn die Genossen auch zum Landesvorsitzenden.
Der ehemalige Kultusminister macht keinen Hehl daraus, dass er seine Partei nach zehn Jahren Opposition wieder in die Regierung führen möchte. Das wäre etwa in einer Koalition aus CDU, SPD und FDP möglich, die aber nach derzeitigen Umfragen eher keine Mehrheit hätte.
Hans-Ulrich Rülke (FDP)
Es geht um viel für Hans-Ulrich Rülke und seine FDP. Er selbst spricht von der «Mutter aller Wahlen», denn wenn seine Liberalen im historisch bedeutsamen Stammland aus dem Parlament flögen, dann schafften sie es nirgendwo mehr, so sein Argument. Rülke, ausgebildeter Lehrer, führt seit vielen Jahren lautstark die FDP-Fraktion im Landtag und liebt es, gegen die Regierung auszuteilen (einstiger Spitzname: «Brüllke»). Seit vergangenem Jahr ist er auch FDP-Landeschef.
Rülke will endlich raus aus der Opposition, träumt von einer bürgerlichen Wende und einer Koalition mit der CDU - und einem Superministerium für sich selbst, etwa für Wirtschaft, Infrastruktur und Energie. Auch für den 64-Jährigen selbst ist die Wahl die letzte Chance, Minister zu werden: Scheitert die FDP an der Fünf-Prozent-Hürde, ist seine Karriere vorbei.
Kim Sophie Bohnen (Linke)
Sie könnte ihre Partei zum ersten Mal überhaupt in den Landtag führen: Kim Sophie Bohnen steht auf Platz eins der Landesliste der Linken, die Umfragen zufolge gute Chancen hat, über die Fünf-Prozent-Hürde zu kommen. Die 26 Jahre alte Heidelbergerin ist gelernte Bankkauffrau - und wählte den Weg in die Politik nach eigenen Worten nach einem Schlüsselerlebnis mit einer weinenden Rentnerin am Bankschalter, die nicht wusste, wie sie den nächsten Einkauf zahlen soll.
Ihr Schwerpunktthema sind die hohen Mieten. Bohnen sitzt seit 2023 im Landesvorstand der Linken in Baden-Württemberg und ist wissenschaftliche Mitarbeiterin der Linken-Fraktion im Bundestag.





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