Auch Frauenhass kann Motiv sein

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Noch keine heiße Spur vom Pferderipper in der Ortenau - 2006 schon sechs Fälle

Von Klaus Körnich
Pferdezüchter Reinhard Schwehr aus Heuweiler hält seine Isländerstute im Arm. Sie wurde 2004 von einem Unbekannten schwer verletzt. (Foto: dpa)
Pferdezüchter Reinhard Schwehr aus Heuweiler hält seine Isländerstute im Arm. Sie wurde 2004 von einem Unbekannten schwer verletzt. (Foto: dpa)

Von Klaus Körnich

Er kommt meist in der Abenddämmerung oder im Morgengrauen, sticht mit Messern oder scharfen Gegenständen auf das Tier ein und verletzt es im Genitalbereich: Seit einigen Monaten treibt ein Pferdeschänder im Ortenaukreis sein Unwesen. Nach Angaben des Polizeisprechers Emil Roth liegen in diesem Jahr bereits sechs Fälle von Tierquälerei vor: drei in Kehl, zwei in Offenburg und einer in Willstätt.

Da es sich um eine Serie ähnlich gelagerter Fälle handelt, geht die Polizei von einem Täter aus. Nachahmungstäter seien allerdings nicht ausgeschlossen, hieß es. Alle Tiere überlebten schwer verletzt die heimtückischen Angriffe. „Seit dem Jahr 2000 haben wir im Ortenaukreis rund ein Dutzend solcher Fälle zu verzeichnen“, sagt der Polizeisprecher. Alle Taten wurden auf Pferdekoppeln begangen, die außerhalb von Ortschaften liegen. „Deshalb ist es auch so schwierig, Zeugen zu finden“, erklärt Emil Roth. In diesem Jahr wurden unter anderem im Raum Sigmaringen und Biberach sowie in der Nähe von Lindau am Bodensee Pferde von Unbekannten schwer verletzt.

„Die Dunkelziffer dürfte wesentlich höher liegen“, sagt Adolf Gallwitz, Professor für Sexualdelikte an der Polizeihochschule Villingen-Schwenningen. Bei solchen Tätern könnten ganz verschiedene Motive eine Rolle spielen, so der Polizeipsychologe. „Sie handeln oft aus sexuellen Motiven, aus Sadismus, Zerstörungswut oder weil sie Hass auf Frauen haben“, zählt Gallwitz auf. Ebenfalls könne Neid oder Hass auf Pferdebesitzer oder genereller Hass auf Pferde eine Rolle spielen. Sogar Geltungssucht könne ein Motiv sein, die über die Medienberichterstattung befriedigt wird. „Pferde sind einfache Opfer und herausragend edle Tiere, die gleich nach dem Menschen kommen“, erklärt der Psychologe. Nicht selten handele es sich um „Sadisten, die ihre perversen Neigungen an den Tieren ausleben“.

Nicht ausschließen will Gallwitz, dass solche Täter später auch gegen Menschen gewalttätig werden: „Sie sind zumindest gefährdet“. Wie gewalttätig Pferdeschänder vorgehen können, hat Reinhard Schwehr aus Heuweiler (Kreis Breisgau-Hochschwarzwald) vor zwei Jahren selbst erlebt. Damals fand er eines Morgens sein junges Fohlen tot auf der Pferdekoppel: „Das Tier war im Genitalbereich aufgeschlitzt“, erinnert sich der Landwirt. „Es war schockierend.“ Jetzt möchte der Inhaber einer Reitschule seine Pferde durch zwei Hunde schützen lassen: „Die Geschichte wird kein Ende nehmen, wenn man die Täter nicht stoppen kann“, sagt er.

Hundetrainer Reinhold Göbel aus Freiburg bildet für den Pferdebesitzer die Tiere aus. Er hat dafür ein Programm für Herdenschutzhunde entwickelt, die auf Reitanlagen eingesetzt werden: „Meines Wissens gibt es das bisher nicht. Hunde, die selbstständig Schafherden vor Wölfen oder Bären beschützen, gibt es schon, allerdings fast nur im Ausland.“ Doch seine Hunde sollen die Tiere auf der Weide „Pferderipper“ beschützen, wie er ihn nennt. „Nach wie vor haben wir keine heiße Spur“, beschreibt der Polizeisprecher im Ortenaukreis den Stand der Dinge.

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