Gefängnisse in Baden-Württemberg – zu mehr als 50 Prozent mit Ausländern belegt
In Justizvollzugsanstalten in Baden-Württemberg ist der Anteil ausländischer Personen erstmals auf über 50 Prozent gestiegen. Das hat verschiedene Gründe.
In den 17 Justizvollzugsanstalten (JVA) des Landes Baden-Württemberg ist der Anteil ausländischer Strafgefangener laut Zahlen des Justizministeriums Baden-Württemberg zuletzt auf 50,8 Prozent gestiegen. Im Vorjahr lag der Anteil bei 47,7 Prozent. Stichtag für die Statistik ist der 1. März 2024.
Damit liegt der Anteil ausländischer Personen erstmals seit Führung der Statistik bei über 50 Prozent. In der JVA Heilbronn liegt der Anteil an ausländischen und staatenlosen Gefangenen bei 46,3 Prozent.
Ausländer in Baden-Württembergs Gefängnissen: Neue Herausforderungen für Vollzugsbeamte
Besonders stark gestiegen sind die Zahlen für Staatsangehörigkeiten aus Nordafrika. Bei Algerien liegt der Zuwachs bei 27,1 Prozent, für Syrien bei 24,5 Prozent, für Tunesien bei 46,7 Prozent sowie für Marokko bei 52,4 Prozent.
Dass sich die Belegungsstruktur verändert, geht mit zunehmenden Anforderungen für Vollzugsbeamte einher. Insbesondere Sprachbarrieren und die Zunahme psychisch auffälliger Gefangener seien für den Justizvollzug in Baden-Württemberg eine große Herausforderung, erklärt Gunter Carra, Sprecher des Justizministeriums in Stuttgart auf Anfrage.
"Für alle Verständigungsprobleme zwischen Gefangenen und Mitarbeitenden der JVA steht ein Videodolmetscherdienst zur Verfügung", so Carra. Somit könne innerhalb von zwei Minuten ein Dolmetscher zugeschaltet werden. Darüber hinaus sei in allen JVAs des Landes Telemedizin etabliert, die rund um die Uhr erreichbar ist. Das Angebot umfasst auch psychotherapeutische Hilfe.
Veränderte Gesellschaftsstruktur zeigt sich auch in Vollzugsanstalten
Die Zunahme ausländischer Insassen sei eine Entwicklung, die "nicht überrascht und die sich abgezeichnet hat. Der Justizvollzug spiegelt die gesellschaftliche Entwicklung insgesamt wider und hier sehen wir schon seit Jahren immer weiter steigende Zugangszahlen an Geflüchteten", so der Sprecher.
Auch Landesjustizministerin Marion Gentges (CDU) sieht Gründe unter anderem im "Migrationsgeschehen der letzten Jahre" - und fordert eine Begrenzung der Zugangszahlen. Außerdem spiele es eine Rolle, dass junge Männer unter Migranten und Asylbewerbern deutlich überrepräsentiert seien. "Junge Männer werden statistisch gesehen häufiger kriminell als, zum Beispiel, alte Frauen", so Gentges.
Soziale Herkunft ist entscheidender Faktor
Experten weisen aber darauf hin, dass nicht die Herkunft, sondern soziale Verhältnisse Kriminalität begünstigen. Schlüsselfaktoren sind zum Beispiel Armut, mangelnde Bildung sowie schwierige familiäre Verhältnisse. Rino-Gennaro Iervolino ist stellvertretender Vorsitzender im Landesverband der kommunalen Migrantenvertretungen und erklärte gegenüber dem SWR: "Kriminell wird man nicht mit der Geburt. Kriminell wird man durch das soziale Umfeld." Deshalb sei es wichtig, genauer zu untersuchen, aus welchem Milieu die Straftäter stammten.

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