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Wein nach den Spätfrösten

Jede vierte Traube blieb aus: April-Spätfröste sorgen in Württemberg jetzt für Ertragsausfall

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Der Württembergische Weinanbauverband rechnet mit 25 Prozent geringerem Ertrag gegenüber dem Vorjahr. Hauptgrund dafür seien die  Spätfröste vom April. Wie die Qualität der Trauben jetzt aussieht.

Von unserem RedakteurJörg Kühl
Mit dem Öchslemesser im Willsbacher Weinberg (von links): Landwirtschaftsminister Peter Hauk, Verbandsvize Peter Albrecht, die Württembergische Weinkönigin Larissa Salcher und Gastgeberin Nathalie Hirth.
Fotos: Ralf Seidel
Mit dem Öchslemesser im Willsbacher Weinberg (von links): Landwirtschaftsminister Peter Hauk, Verbandsvize Peter Albrecht, die Württembergische Weinkönigin Larissa Salcher und Gastgeberin Nathalie Hirth. Fotos: Ralf Seidel  Foto: Seidel, Ralf

Der Württembergische Weinbauverband rechnet mit einem im Durchschnitt 25 Prozent geringeren Gesamtertrag gegenüber dem Vorjahr. die Qualitäten versprechen dabei gut zu werden. Größtes Anbaurisiko in diesem Jahr seien die Spätfröste gewesen. Die diesjährige Herbst-Pressekonferenz fand im Weingut Hirth in Obersulm statt.

Gestartet war das Anbaujahr nach Einschätzung des Vizepräsidenten Bernhard Idler ideal. Gute Niederschläge hätten die Winzer zu Optimismus verleitet. Der milde Winter hatte allerdings auch zu einer rekordverdächtig frühen Traubenblüte Anfang April geführt: „Für uns Wengerter gehen dann schon die Alarmglocken an.“ Was unweigerlich folgte: Nachtfröste Mitte April, die zahlreiche Traubenblüten schädigten. „Das sind Rückschläge, die unschön sind, wo jeder hofft, dass der Kelch an ihm vorbeigeht“, so Idler.

Was im Württemberger Weinbau der Blick ins Oechsle-Messgerät verrät

Wo die Blüten die Fröste überstanden, trafen sie dann vielerorts auf Idealbedingungen. Viel Wasser und Wärme: für die Rebe eine Glückskombination. Alles in allem seien die Trauben, die sich trotz der Fröste bilden konnten, „unfallfrei durch die Saison gekommen“. Der Verbands-Vize spricht von „ordentlichen bis guten Mostgewichten“. Im Weinberg hatten sich davon unter anderem Landwirtschaftsminister Peter Hauk (CDU), die Württembergische Weinkönigin Larissa Salcher, Vertreter des Anbauverbands sowie die Gastgeber Natalie und Erich Hirth mit dem Öchsle-Messgerät ein Bild gemacht.

Was die Schäden durch die Spätfröste angeht, gibt es laut dem Weinbauverband regional Riesenunterschiede. Im Taubertal seien bis zu 50 Prozent Schäden zu verzeichnen. Auch in der Region liegen Erfolg und Misserfolg oft nur wenige hundert Meter nebeneinander, wie am Beispiel des Strombergmassivs deutlich wird: „Freudenstein extrem betroffen, zwei Kilometer weiter oben: Vollertragsjahr“, so Idler. Es gebe Erzeuger, die vor einem Fiasko stehen. Mit dem Bild „Werkstatt im Freien“ vergleicht der Vizepräsident das Risiko der Agrarkulturen unter freiem Himmel.

Wie die Versicherung gegen Extremwetterschäden bei den Winzern ankommt

Während das Statistische Landesamt für Württemberg von einer Erntemenge von 730 000 Hektolitern ausgeht, setzt der Anbauverband mit 620 000 Hektolitern ein wenig vorsichtiger an. Geringere Mengen bei gutem Mostgewicht: Ist das nicht auch eine gute Nachricht? Idler wägt ab: Die Winzer bräuchten auch eine gute betriebswirtschaftliche Auslastung.

2019 hatte der Anbauverband gemeinsam mit dem Landwirtschaftsministerium eine staatlich geförderte Mehrgefahrenversicherung auf den Weg gebracht, um Ernteausfälle durch klimabedingte Wetterkapriolen abzumildern. Diese Versicherung werde „blendend angenommen“, versichert der Minister. Die Nachfrage sei anhaltend. „Jeder Betriebsleiter wäre töricht, dieses Angebot nicht anzunehmen. Mir ist keiner bekannt, der es nicht macht“, sekundiert Idler. Hauk stellte in Aussicht, die Versicherung auf weitere Risiken und Branchen auszuweiten. Wichtig sei daneben, präventive Maßnahmen, wie Hagelnetze, weiter zu forcieren. Die Mehrgefahrenversicherung, die ursprünglich als Modellversuch an den Start gegangen war, stehe auf festen Beinen, versichert der Minister.

Welche Vorzüge neue Rebsorten versprechen

Der Heilbronner Weinbauer und Vizepräsident des Verbands, Peter Albrecht, gab einen kurzen Überblick über neue Rebsorten, die gegen Pilzbefall und andere Risiken resistenter sind. „Inzwischen ist die Forschung so weit, dass gute Sorten da sind, die mit unseren mithalten können, besonders im Weißweinbereich“, so Albrecht. Im Rotwein hinke man noch ein wenig hinterher. Vorteil der resistenten Reben seien Kosteneinsparungen, weil im Bereich Pflanzenschutz weniger Aufwand zu treiben sei. Besonders in Steillagen seien die Pflege und der Schutz der Reben schwierig, aufwändig und nicht selten lebensgefährlich.

Die derzeit noch etwa 11 500 Hektar große Rebfläche im Verbandsgebiet ist in diesem Jahr nach Einschätzung des Vizepräsidenten Idler um bis zu 300 Hektar geschrumpft. Gründe seien aus der Produktion genommene Steillagen und ein allgemein schwieriges Marktumfeld für heimische Weine.

„Es gibt neue Sorten, die mit unserenmithalten.“Peter Albrecht

Hauptthema der Herbst-Pressekonferenz des Weinbauverbands Württemberg waren die Spätfröste, die zu recht deutlichen Ertragseinbußen führen.
Hauptthema der Herbst-Pressekonferenz des Weinbauverbands Württemberg waren die Spätfröste, die zu recht deutlichen Ertragseinbußen führen.  Foto: Seidel, Ralf
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