„Frauen sind relevanter Standortfaktor“ - VdU mit deutlicher Botschaft an die Wirtschaft
Ob in Führungspositionen oder Aufsichtsräten: Frauen sind nach wie vor häufig in der Unterzahl. Warum die Wirtschaft starke Frauen braucht und fördern muss, macht der Verband der Deutschen Unternehmerinnen bei seinem Sommerfest in Heilbronn nochmals deutlich.

„Wir wollen keinen Platz im Bus. Wir wollen einen im Aufsichtsrat“, sagt Amela Turkmanovic, Landesvorsitzende des Verbands Deutscher Unternehmerinnen (VdU), und begrüßt damit die rund 100 Gäste, die vergangenen Freitag zum Sommerfest des Landesverbandes im Heilbronner Inselhotel zusammengekommen sind. Und diese 100 Gäste haben etwas gemeinsam: Es sind – bis auf ein wenige Ausnahmen – an diesem Abend nur Frauen anwesend, die deutlich machen wollen: Unternehmertum und Business-Power ist schon längst nicht mehr etwas, das Männer für sich gepachtet haben.
Vertreter aus Politik und Wirtschaft anwesend
Dass sie mit dieser Botschaft Strahlkraft haben, zeigt auch die Anwesenheit von Vertretern aus dem Landtag und aus verschiedenen Branchen der Wirtschaft, darunter gestandene Unternehmerinnen, aber auch junge Gründerinnen sind mit von der Partie. Zu den an diesem Abend männlichen Einzelfällen zählen der baden-württembergische Innenminister Thomas Strobl (CDU), der erste Bürgermeister der Stadt Heilbronn Martin Diepgen sowie der Geschäftsführer der Campus Founders Oliver Hanisch.
„Keine Entscheidung mehr in diesem Land ohne eine weibliche Stimme“, sagt Christina Diem-Puello, Präsidentin des Vdu und betont: „Wir sind ein relevanter Standortfaktor.“ Mit „wir“ meint sie in diesem Fall die Frauen und deren Arbeitskraft im Land, die noch zu häufig nicht genutzt oder nicht gefördert würde – beispielsweise durch mangelnde Rahmenbedingungen wie fehlende Kinderbetreuung. Die Präsidentin spricht auch über die aktuell schwierige Lage der Deutschen Wirtschaft und gibt ihrer Vorrednerin, der VdU-Landesvorsitzenden Iris Rosenbauer, recht, die mahnt, dass es beim geplanten Investitionspaket der Bundesregierung nicht bei „Symbolik unter Konzernchefs“ bleiben dürfe.
Entwicklung von Ipai und Bildungscampus strahlt nach außen
Und auch wenn die Unternehmerinnen den Wirtschaftsgipfel des Bundeskanzlers vor knapp zwei Wochen begrüßen – als das mittlerweile hinlänglich bekannte, männerdominierte Abschlussbild des Gipfels zur Sprache kommt, raunt deutliche Empörung durch den Raum. Christina Diem-Puello macht klar, dass hinter den Forderungen des VdU mehr steckt, als leere Worte. Sondern dass der Verband sich mittlerweile Zugang zu relevanten politischen Entscheidungsrunden erarbeitet hat – unter anderem als Teil der Kommission zur Umsetzung der Entgelttransparenzrichtlinie, die die Lohnlücke zwischen Männern und Frauen schließen soll.
Dass der Landesverband sich in Heilbronn trifft, dürfte kein Zufall sein: Auch hierher strahlt die Bewegung, die durch die Entwicklungen an Ipai und Bildungscampus in die Stadt gekommen sind. Und weil an diesem Abend viele Nicht-Heilbronner im Raum sind, umreißt Bärbel Renner, Geschäftsführerin der Dieter-Schwarz-Stiftung, in ihrer Keynote einmal den großen ganzen Komplex der Stiftung und betont, dass Bildung der „wichtigste Rohstoff“ sowie das „Immunsystem unserer Gesellschaft“ sei.
Geschäftsführerin der Dieter-Schwarz-Stiftung: „Mindestens ein Bilbao-Effekt“
Weiter zeigt sie den Zuhörinnen mit Visualisierungen, wie der neue Bildungscampus West auf 160.000 Quadratmetern Fläche aussehen soll und natürlich zu guter Letzt: Wie das Riesenprojekt Ipai aussehen soll, wenn es fertig ist. Der Vergleich mit dem Silicon-Valley dürfte der eine oder andere schon einmal gehört haben, doch Bärbel Renner findet einen anderen: Mit Fokus auf den futuristischen Kommunikationsturm auf dem Ipai-Gelände ist sie sich sicher: „Das hat mindestens einen Bilbao-Effekt.“
Eines wird an diesem Abend deutlich: In einem Raum voller Frauen, herrscht eine andere Energie als in einem Raum voller Männer. Es ist der Eindruck eines starken Miteinanders, einer großen Wertschätzung für die jeweils andere und einer Sicherheit, dass hier die eine für die andere einstehen würde, wie die Vorsitzenden über den Abend betonen. Werte, die der VdU auch stärker in die Wirtschaft tragen will.

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