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Bessere Deutsch-Kenntnisse

In den Kitas soll mehr Sprachförderung stattfinden

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Mit dem Projekt Sprach-Fit möchte Baden-Württemberg die Sprachförderung in Kitas stärken. Doch es gibt noch viele offene Fragen zur Umsetzung.

Kindergärten kümmern sich auch um die Sprachförderung der Kinder.
Kindergärten kümmern sich auch um die Sprachförderung der Kinder.  Foto: Friso Gentsch

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Die Jungen und Mädchen sitzen in der Kita auf dem Boden, überlegen kurz, und schon schießen die ersten Hände in die Höhe. Ein Auto, ein Schlüssel und ein Ball liegen noch da, aber was ist denn verschwunden, während ein Tuch über den ganzen Spielsachen gelegen hat, will der Erzieher wissen. "Ein Massageball", antwortet ein Mädchen korrekt.

Bei diesem Spiel haben die Kinder prominenten Besuch. Baden-Württembergs Kultusministern Theresa Schopper schaut ihnen zu und lächelt. Die Grünen-Politikerin macht bei ihrer Sommertour Station in der Katholischen Kindertagesstätte Marienheim in Schwäbisch Gmünd, eine sogenannte Sprach-Kita. Solche Einrichtungen werden vom Land speziell gefördert, um dem überdurchschnittlich hohen Anteil an Kindern mit Förderbedarf gerecht zu werden.

Wie international diese Kita im Herzen von Schwäbisch Gmünd ist, verraten die Familienbilder an der Garderobe. Sie erzählen, woher die Eltern der Kinder stammen und welche Sprachen die Kinder mitbringen: Beispielsweise kommt Ahmed aus Somalia, gesprochen wird Somali. Sara aus den Philippinen unterhält sich mit ihrer Familie auf Englisch. Liams Eltern sind aus Vietnam und Slowenien, die Familie verständigt sich auf Deutsch, Vietnamesisch und Slowenisch. Die 55 Kinder, sagt Leiterin Diana Maisch, kämen aus 22 Nationen, Deutsch sei oft die Zweitsprache. 

Zum Konzept der Sprach-Kitas gehört unter anderem die Zusammenarbeit mit den Familien. Das ist einer der entscheidenden Faktoren, damit Kinder gut Deutsch lernen – es gelingt dann, wenn Eltern ihr Kind unterstützen und selbst bereit seien, Deutsch anzunehmen, so Diana Maisch. "Sprache ist der Schlüssel zur Welt", sagt Theresa Schopper beim Rundgang.

Sprachförderung in Kitas: Schlechte Deutsch-Kenntnisse fallen in Schulen auf

Doch genau daran hapert es zuletzt. Weil bei Vergleichsstudien Schüler vermehrt den Mindeststandard in Deutsch verpasst haben, ist die Sprachförderung in Stuttgart in den Fokus gerückt. Gerade auch im frühkindlichen Bereich soll sich einiges tun. Das Land will die Zahl der Sprach-Kitas verdoppeln und schon jetzt dafür sorgen, dass hier "verlässliche Strukturen" geschaffen werden, sagt Theresa Schopper.

Wichtig ist ihr dabei auch, dass die dazugehörige Fachberatung für die Einrichtungen ausgebaut wird. Die übernehmen das Coaching der Erzieher. Laut Kultusministerium gibt es derzeit 732 Sprach-Kitas im Land. Der Bund zog sich aus dem Programm Mitte 2023 zurück, seither finanziert das Land die Angebote. Nur: Die mehrmaligen Unsicherheiten in Bezug auf die Fortführung des Programms und die zeitlichen Befristungen hätten jedoch zum Teil zu einer Fluktuation oder Umorientierung seitens der Fachkräfte geführt, so ein Sprecher aus dem Ministerium.

Ausbau des Programms Sprach-Fit beginnt nach den Sommerferien

Kinder sollen aber in der Grundschule mitkommen. Damit dies gelingt, setzt das Land auf das neue Projekt Sprach-fit. Die ersten Kitas gehen nach den Sommerferien an den Start, der sukzessive Ausbau des Programms folgt bis zum Schuljahr 2027/2028. Wenn bei der Einschulungsuntersuchung ein Sprachförderbedarf festgestellt wird, soll es eine verbindliche Förderung geben. In sogenannten Juniorklassen sollen außerdem noch jene Kinder, die bei der eigentlichen Einschulung nicht fit genug in Deutsch sind, weiter gefördert werden. Zusätzliche Stunden soll es ebenfalls in den Klassen eins und zwei geben.

Einem verpflichtenden letzten Kita-Jahr für alle erteilt Theresa Schopper unterdessen eine Absage. Wäre das ein Muss, dürften Eltern keine Gebühren mehr bezahlen und das Land müsste dafür aufkommen. Das sei zu teuer, so die Ministerin beim Rundgang in Schwäbisch Gmünd.

Baden-Württemberg setzt auf Sprach-Fit: Viele Kita-Träger haben dazu noch viele Fragen

Bei Sprach-Fit bleiben für viele Kita-Verantwortlichen aber noch Fragezeichen, auch in der Region wünschen sich viele Träger der Einrichtungen deutlich mehr Informationen. Aus Sicht der Stadt Heilbronn sind bei der Umsetzung einige offene Fragen. Dazu gehöre, so Claudia Küpper von der Pressestelle im Rathaus, der Förderort der Kinder, die zur verbindlichen Sprachförderung kommen sollen. "Hier ist die Erwartung, diesen in die Kita zu legen und nicht, wie derzeit auch möglich, in die Schule."

Offen bleibe dann jedoch die Frage, wie Kinder zur Teilnahme aufgefordert werden können, die keine Kita besuchen. Darüberhinaus geht es auch ums Geld: Die Stadt Heilbronn wünscht sich eine "verlässliche und langfristige Finanzierung" und dass die bürokratischen Anforderungen niedrig gehalten würden.

Dem schließt sich unter anderem die Stadtverwaltung in Öhringen an. Sie erwartet neben einer eindeutigen und praxisorientierten Festlegung der Rahmenbedingungen auch eine gesicherte Finanzierung und Kostenübernahme durch das Land, so Monika Pfau, die im Persönlichen Büro des Oberbürgermeisters arbeitet. "Wir wünschen uns eine verbindliche landesweite Umsetzung nicht nur an Modellstandorten sowie die Beibehaltung einer Förderung der bisherigen Sprachförderprogramme."

Große Sorge ist das fehlende Personal

Auch aus Sicht der Stadt Lauffen gebe es bislang nur wenige Informationen zu Sprach-Fit, sagt Bürgermeisterin Sarina Pfründer. "Wir wünschen uns, dass es ein ganzheitliches Konzept wird, das auch nachhaltig und vor allem praktikabel in der Umsetzung ist." So habe es schon oft Konzepte gegeben, die nur zwei oder drei Jahre umgesetzt worden seien. "Dann kam wieder etwas Neues." Es solle keine zusätzliche Aufgaben für die Kitas bedeuten. Sie kämen durch den Fachkräftemangel und die immer größeren Aufgaben sowieso oft schon an ihre Grenzen, ergänzt die Bürgermeisterin.

Das geplante Landesprogramm Sprach-Fit ist für Theo Rappold bislang nicht mehr als eine Absichtserklärung. Er leitet das Katholische Verwaltungszentrum in Heilbronn, das mehrere katholische Kindergärten in der Region betreibt. Das Programm als Idee macht ihm keine Sorgen, der Knackpunkt liegt für ihn an einer anderen Stelle. "Das Kernproblem ist aber: Woher kommt das Personal?" Alle Einrichtungen seien froh, wenn sie überhaupt den Regelbetrieb stemmen könnten.

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