Sexueller Missbrauch von Kindern in Baden-Württemberg – Zahlen „erschütternd hoch“
Die Zahl der Fälle von sexuellem Kindesmissbrauch bleibt besorgniserregend hoch, wie das Lagebild des BKA zeigt. Baden-Württemberg rangiert weit oben.
Die Polizei hat im vergangenen Jahr gut 18.000 Opfer im Zusammenhang mit sexuellem Kindesmissbrauch gezählt. Das geht aus dem Lagebild „Sexualdelikte zum Nachteil von Kindern und Jugendlichen“ des Bundeskriminalamts (BKA) hervor, das in Berlin vorgelegt wurde. Die Zahlen für Baden-Württemberg erschüttern: Das Bundesland rangiert weit oben.
Kindesmissbrauch weiterhin auf hohem Niveau – knapp 2000 Fälle in Baden-Württemberg
Laut den Zahlen des BKA-Lagebildes ist es 2024 in Nordrhein-Westfalen zu den meisten Fällen von Kindesmissbrauch gekommen. Insgesamt 4426 sind registriert worden. Dahinter folgen Bayern mit insgesamt 2031 Fällen und Baden-Württemberg mit 1719 Fällen. In Baden-Württemberg ist es somit zu 15,3 Fällen pro 100.000 Einwohnern gekommen.
Ebenfalls erfasst wurden im BKA-Lagebild die Fälle von sexuellem Missbrauch an Jugendlichen. Auch hier ist Nordrhein-Westfalen trauriger Spitzenreiter mit insgesamt 387 Fällen. Baden-Württemberg nimmt in der Statistik den fünften Platz mit 75 Fällen ein – das entspricht 0,7 Fällen auf 100.000 Einwohner.
Laut Angaben des BKA waren von den bundesweiten Opfern von sexuellem Missbrauch insgesamt 13.365 Mädchen, 4.720 Jungen. In mehr als der Hälfte der Fälle (57 Prozent) bestand zwischen Opfer und dem oder der Tatverdächtigen dem Bericht zufolge nachweislich eine Vorbeziehung.
Zahlen zu sexuellem Kindesmissbrauch: Spezialauswertung der Kriminalstatistik
In dem Lagebild wird die bereits im April veröffentlichte Polizeiliche Kriminalstatistik (PKS) noch einmal gesondert ausgewertet, speziell mit Blick auf sexuellen Missbrauch, Missbrauchsdarstellungen (Kinderpornografie) und sexuelle Ausbeutung von Minderjährigen.
Die meisten Zahlen dazu waren bereits veröffentlicht. So bearbeitete die Polizei laut PKS im vergangenen Jahr 16.354 Fälle von sexuellem Missbrauch von Kindern, ein unverändert hohes Niveau im Vergleich zum Vorjahr (16.375). Ein wesentlicher Teil dieser Taten finde im Internet statt, sagte Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) bei der Vorstellung des Lagebildes.
12.368 Tatverdächtige wurden registriert, ein Zuwachs von 3,9 Prozent gegenüber dem Jahr davor. Die Polizei zählte knapp 1.200 Fälle von sexuellem Missbrauch von Jugendlichen im Alter von 14 bis 17. Die Zahl der Tatverdächtigen lag hier bei 1.018.
Zahlen zu sexuellem Kindesmissbrauch laut Dobrindt „erschütternd hoch“
Die Statistik spiegelt nur die der Polizei bekannt gewordenen und durch sie bearbeiteten Straftaten wider – das sogenannte Hellfeld – einschließlich sogenannter Versuchstaten. Die Zahlen sind daher auch vom Anzeigeverhalten beeinflusst.
Sie seien „erschütternd hoch“ und auf einem inakzeptablen Niveau, sagte Dobrindt und bekräftigte das Ziel aus dem Koalitionsvertrag von Union und SPD, eine Speicherpflicht für IP-Adressen einzuführen. Die IP-Adresse ist so etwas wie die Anschrift eines Computers im Internet, mit der dieser identifiziert werden kann. "Jeder Täter muss konsequent verfolgt werden", so Dobrindt weiter. Telekommunikationsanbieter sollen künftig dazu verpflichtet werden, diese Adressen für mögliche Ermittlungen drei Monate lang zu speichern, damit Täter besser ausfindig gemacht werden können.
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