Scharfe Kritik um neues Landeslogo von Baden-Württemberg: "Gravierender Fehler"
Baden-Württemberg bekommt ein neues Logo. Kosten: rund 900.000 Euro. Das Design sorgt für Ärger, Ministerpräsident Winfried Kretschmann kontert. Jetzt wird der Landesverband Baden deutlich.
Die Regierung von Baden-Württemberg hat kürzlich ein neues Design für das Landeslogo vorgelegt – und das sorgt für Ärger. Wegfallen sollen Plaketten und andere Elemente des Wappens, die unter anderem das Territorium Baden symbolisieren. Der Landesverband Baden schäumt, Ministerpräsident Kretschmann hat wenig Verständnis. Die "Heilbronner Stimme" hat beim Landesverband nachgefragt – und der wird jetzt deutlich.
Zoff um neues Landeslogo von Baden-Württemberg: Darum geht es
Baden-Württemberg erneuert nach über 20 Jahren sein Landeslogo. Die Kosten belaufen sich, so die Deutsche-Presseagentur, auf 900.000 Euro. Ziel ist es, heißt es von Seiten des Landes, "einen modernen, einheitlichen Auftritt über alle Behörden hinweg zu gewährleisten". Das Design kommt aber nicht überall gut an: scharfe Kritik hagelt es aus Baden.

Das baden-württembergische Staatsministerium hatte das Landeslogo im Oktober vorgestellt. Das neue Logo in der Standard-Version zeigt die drei schwarzen Löwen aus dem baden-württembergischen Landeswappen. In einer reduzierten Variante taucht nur ein Löwe auf.
In einer erweiterten Version des Logos sind es die drei Löwen, der Schild sowie ein Hirsch und ein Greif als Schildhalter. Der Hirsch ist das Wappentier Württembergs, der Greif ist das Wappentier Badens.
Landesverband Baden übt scharfe Kritik an neuen Landeslogo
In einem offenen Brief an den Ministerpräsidenten hatte die Landesvereinigung Baden in Europa das neue Logo Mitte November scharf kritisiert: Teile, die einzelne Territorien repräsentieren, würden darin fehlen. Kretschmann konterte. "Jeder kann alles, was er möchte, gerne kritisieren", sagte der Grünen-Politiker in Stuttgart. Man habe sich jedoch von Fachleuten beraten lassen, die wissen, wie man in einer modernen Welt kommuniziere.
Was sagt der Landesverband Baden dazu? "Wir halten an unserer Kritik fest", macht der stellvertretende Vorsitzende Timo Anschütz im Stimme-Gespräch klar. Er sagt: Das traditionelle Landeswappen repräsentiere die historische und kulturelle Identität Baden-Württembergs in seiner ganzen Vielfalt. Für ihn sei es "unverständlich", warum die Symbolik des regionalen Bewusstseins durch ein minimalistisches Design "verdrängt" werden soll.
Landesverband Baden über neues Logo: "Gravierender Fehler"
Die Plaketten, die jetzt fehlen, seien einer Vereinfachung und einem stärker auf Marketing ausgerichteten Ansatz "zum Opfer gefallen", glaubt Anschütz. Und das halte der Landesverband "für einen gravierenden Fehler". Denn dieser Fehler würde dazu beitragen, "die historische Tiefe und regionale Identität zu verwässern".
Der Landesverband Baden fürchtet dabei eines besonders: Nämlich, dass sich die Bürger immer weniger mit dem Land identifizieren können und die Verbindung zu gemeinsamen Geschichte schwächer wird, wie Anschütz sagt.
Neues Landeslogo von Baden-Württemberg: Badener erwarten Dialog
Ein modernes Logo hält Anschütz durchaus für legitim, wie er auf Stimme-Nachfrage sagt. Aber: "Unser Landesverband hätte sich für eine Lösung eingesetzt, die Tradition und Moderne verbindet." Anschütz findet, dass ein neues Logo die historischen Elemente, also die Plaketten sowie Greif und Hirsch, "bewahren und respektvoll integrieren" sollte. Diese Symbole seien laut ihm "essenziell" für die Identität Baden-Württembergs.
Könnte es eine Lösung in diesem Zwist geben? Bisher sieht das nicht so aus. Obwohl der Landesverband Baden bereits im November in einem offenen Brief Stellung bezogen hatte, sei bislang noch niemand auf ihn zugegangen, sagt Anschütz. "Wir erwarten, dass die Landesregierung unsere Bedenken ernst nimmt und uns in einen Dialog einbezieht." Sollte es ein Gesprächsangebot geben, sei man "selbstverständlich bereit", sich konstruktiv einzubringen.

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