Apothekenverband warnt: „Unsere Betriebe arbeiten auf dem Stand von 2004“
Die Zahl der Apotheken im Südwesten sinkt dramatisch. Der Landesapothekerverband fordert endlich eine Anpassung der Vergütung – sonst drohe eine Unterversorgung.

Seit Jahren beobachten Apothekerinnen und Apotheker im Land denselben Trend: Immer mehr Betriebe schließen, Nachfolger fehlen. 2025 waren es laut Landesapothekerkammer 66 Schließungen bei nur neun Neugründungen. Zum Jahresende gab es damit noch 2.087 Apotheken.
Apotheken fordern Anpassung des Honorars – Seit 2013 keine Veränderung
Für Frank Eickmann, stellvertretender Geschäftsführer des Landesapothekerverbands Baden-Württemberg, ist klar, warum die Branche in der Krise steckt: „Das staatlich regulierte Honorar für rezeptpflichtige Medikamente wurde seit 2013 nicht angepasst, obwohl die Kosten um mehr als 60 Prozent gestiegen sind.“
Die Apotheken seien dadurch von der wirtschaftlichen Entwicklung vollständig abgekoppelt. Der Effekt: Immer mehr Apotheken geben auf und schließen aus wirtschaftlichen Gründen. Andererseits werden Neugründungen für junge Apothekerinnen und Apotheker immer unattraktiver.
Honorarsystem macht viele Apotheken unrentabel
Apotheken dürfen ihre Preise für verschreibungspflichtige Arzneimittel nicht selbst festlegen – rund 83 Prozent ihres Umsatzes sind gesetzlich gebunden. „Wir können Kostensteigerungen nicht weitergeben. Das macht viele Betriebe unrentabel“, so Eickmann. Die Folge: weniger Nachwuchs, Personalengpässe, wachsende Bürokratie.
Der Verband fordert eine dynamische Honoraranpassung, die sich an Inflation und Kostenentwicklung orientiert, sowie eine Entlastung von Dokumentationspflichten. Auch neue Aufgabenfelder wie Impfangebote oder pharmazeutische Dienstleistungen könnten Apotheken stärken – aber nur, wenn die wirtschaftliche Basis stimmt.
Versandhandel erhöht den Druck auf Vor-Ort-Apotheken
Versandapotheken und Händler wie ein Drogeriemarkt, die Arzneimittel verhältnismäßig günstig zum Versand anbieten, schaden den Apotheken ebenfalls: „Arzneimittel gehören in die Hände von Apothekern“, sagt Eickmann. „Versandhändler können weder die Versorgung von Krankenhäusern noch individuelle Beratung leisten.“
„Der Einstieg der Drogeriemarktkette folgt rein merkantilen Interessen. Anders als das Unternehmen es darstellt, geht es dabei nicht um eine Verbesserung der Versorgung“, berichtet Eickmann. „Und ein weiterer Versandhändler tut den Apotheken vor Ort wirtschaftlich weh.“
Gesetzesreform bringt Chancen – ohne Geld fehlt die Basis
Besserung für die Apotheken vor Ort ist zumindest teilweise in Sicht: „Eine aktuelle Gesetzgebung (ApoVWG) will in diese Richtung die Kompetenz und Leistungsfelder der Apotheke ausbauen. Das ist gut, aber ohne, dass parallel eine wirtschaftliche Stärkung durch eine Honoraranpassung erfolgt, werden solche Bemühungen in den Apotheken nur punktuell umsetzbar sein“, sagt Frank Eickmann.
Solange sich an der aktuellen strukturellen Unterfinanzierung nichts ändert, drohen weitere Folgeeffekte. Es leidet die Attraktivität des Arbeitsplatzes Präsenzapotheke ebenso wie die Attraktivität der pharmazeutischen Berufe insgesamt. Das wiederum verschärft die Personalnot zusätzlich – und bedroht letztlich weiter die Zukunft von Apotheken und Patientenversorgung.

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