BA-Chefin Andrea Nahles lobte die Philosophie der Familie Layher, nur in Deutschland und im Zabergäu zu produzieren. „Wir hätten das Werk 3 auch in Polen bauen können, dann hätten wir eine erschlossene Fläche und 25 Prozent Förderung bekommen“, berichtet Georg Layher. In Cleebronn gab es dagegen massiven Gegenwind durch Naturschützer, sodass das Genehmigungsverfahren 3,5 Jahre dauerte - unter anderem wegen der Wechselkröte, die auf dem Gelände gesichtet wurde. Andrea Nahles konnte da nur den Kopf schütteln. „Wo kommen denn die Arbeitsplätze und der Wohlstand in Deutschland her?“ , fragte sie. Die extrem langen Genehmigungsverfahren seien ein Hemmschuh für den Standort Deutschland, das müsse sich rasch ändern, fordert Nahles.
Andrea Nahles bei Layher: Große Anstrengungen für den Nachwuchs
Andrea Nahles, Chefin der Bundesagentur für Arbeit, besucht im Rahmen der Woche der Ausbildung den Gerüsthersteller Layher. Nahles ist beeindruckt von dem, was das Familienunternehmen jungen Leuten bietet.

In der jährlich wiederkehrenden Woche der Ausbildung trommelt die Bundesarbeitsagentur mit zahlreichen Aktionen für die duale Ausbildung. Denn immer mehr Unternehmen haben Schwierigkeiten, ihre Lehrstellen zu besetzen. Doch wer das Thema ernst nimmt und sich intensiv darum kümmert, hat durchaus Chancen, junge Leute für eine Ausbildung zu begeistern.
Der Gerüsthersteller Layher aus Güglingen-Eibensbach gehört seit vielen Jahren zu diesen Unternehmen. Grund genug für Andrea Nahles, Vorstandsvorsitzende der Bundesagentur für Arbeit (BA), bei dem Familienunternehmen vorbeizuschauen. Mit Vertretern der Heilbronner Arbeitsagentur informierte sich Nahles im Werk 3 in Cleebronn am Donnerstag über die Ausbildung bei Layher.
Layher betreibt viel Aufwand bei der Ausbildung
Der Gerüsthersteller bildet aktuell 46 junge Menschen in 18 Berufen im gewerblichen und im kaufmännischen Bereich aus, wie Layher-Geschäftsführer Tobias Dürmeier berichtet. Die Zahlen schwanken, weil das Unternehmen bedarfsgerecht ausbildet. Neun Ausbilder und 30 Ausbildungsbeauftragte kümmern sich bei Layher um die Auszubildenden. Das Unternehmen verzichtet bewusst auf eine Lehrwerkstatt, die jungen Männer und Frauen werden direkt in den Arbeitsalltag integriert.
Das gefällt Andrea Nahles, ebenso wie die vielfältigen Ausbildungsmöglichkeiten bei Layher. Auch Gerüstbauer ist ein Ausbildungsberuf, betont Carolin Langer, „das wissen viele gar nicht“. Die geschäftsführende Gesellschafterin weist auch darauf hin, dass sich das frühere schlechte Image dieses Berufes komplett gewandelt habe. Heute komme im Gerüstbau sehr viel Technik zum Einsatz, der Beruf sei vielseitig.
Schon lange vor Ausbildungsbeginn kontaktiert Layher die jungen Leute
Beeindruckt ist die BA-Chefin von den Anstrengungen, die Layher unternimmt, um Nachwuchskräfte zu gewinnen und zu halten. Neben den verbreiteten Schulbesuchen, der Teilnahme an Ausbildungsmessen und Schülerpraktika versucht das Unternehmen, frühzeitig eine Bindung der Auszubildenden zum Arbeitgeber aufzubauen.
Schon lange vor Beginn der Ausbildung werden die jungen Leute regelmäßig kontaktiert, ein Kennenlerntag soll den Start ins Berufsleben erleichtern. In der ersten Zeit gibt es Einführungstage, Patenprogramme und Ausflüge, damit sich die Neulinge wohlfühlen.
Viel Aufwand sei das, berichtet Dürmeier. Aber es lohne sich, die Abbrecherquote bei Layher sei mit fünf Prozent im ersten Lehrjahr sehr niedrig. Das kann Andrea Nahles nur bestätigen. „In der Bundesagentur liegt die Abbrecherquote der Auszubildenden bei zehn Prozent“, sagt sie.
Layher zahlt seinen Auszubildenden Prämien für besonders gute Berufsschulleistungen. „Das habe ich so noch nicht gehört“, zeigt sich Nahles beeindruckt. Auf der anderen Seite ist ein 14-tägiges Sozialpraktikum für die Layher-Azubis Pflicht, wie Geschäftsführer Dürmeier betont. Denn das Familienunternehmen legt nicht nur Wert auf eine gute fachliche Ausbildung, sondern auch auf soziale Kompetenz, Verantwortungsbewusstsein und Teamorientierung.
Austausch zwischen Arbeitsagentur und Unternehmen ist sehr wichtig
Von der Arbeitsagentur wünscht sich Dürmeier, dass sie noch stärker auf ihre zahlreichen Angebote aufmerksam macht und auch unbekannte Berufe stärker ins Licht der Öffentlichkeit rückt. Der Austausch zwischen Arbeitsagentur und Unternehmen sei wichtig, um den Bedarf an Auszubildenden und Fachkräften zu decken. „Die Zusammenarbeit mit der Heilbronner Agentur für Arbeit ist sehr gut“, sagt Dürmeier.
Layher habe bereits gute Erfahrungen mit Fördermaßnahmen wie etwa der Einstiegsqualifizierung für benachteiligte Jugendliche gemacht. Beim abschließenden Rundgang durch die Verzinkerei kam Andrea Nahles mit Auszubildenden ins Gespräch und staunte über die Dimensionen des 2023 eingeweihten Layher-Werks 3.

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