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"Junge Alternative": Warum die AfD ihren Nachwuchs anders organisieren will

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Die AfD wird in mehreren Bundesländern als gesichert rechtsextrem eingestuft. Ihre Jugendorganisation gilt als noch radikaler und könnte verboten werden. Warum das bald schwieriger werden könnte.


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Die AfD will ihre Jugendorganisation "Junge Alternative" (JA) umorganisieren, beziehungsweise: sich von der Organisation trennen und eine neue gründen. Warum? Die wichtigsten Fragen.

Wie ist die Junge Alternative aktuell organisiert?

Aktuell ist die Organisation relativ unabhängig, abgesehen vom Vorstand müssen Mitglieder der JA nicht zeitgleich Mitglieder in der AfD sein. Die JA wurde vom Verfassungsschutz als "gesichert rechtsextreme Bestrebung" eingestuft. Aktuell gilt die JA als Verein, der nach dem Vereinsgesetz verboten werden könnte. Wird die JA umstrukturiert und von der AfD als Jugendorganisation unter den Schutz des Parteiengesetzes gestellt, ist das nicht mehr so einfach möglich. Experten sehen in der Neuorganisation eine strategische Entscheidung der AfD, ihre Jugendorganisation dagegen zu schützen. Hannes Gnauck, der im AfD-Bundesvorstand sitzt, steht seit Oktober 2022 an der Spitze der "Jungen Alternative". Der Vorsitzende wurde 2021 vom Militärischen Abschirmdienst (MAD) als Extremist eingestuft.

Warum geht die AfD diesen Schritt?

Parteichefin Alice Weidel begründet den Schritt damit, dass man den Parteinachwuchs stärker in die Partei einbinden wolle, außerdem erhofft man sich bessere "Durchgriffsrechte". Laut dem Bundesvorstand soll darüber im Januar auf dem Parteitag entschieden werden.

Aktuell ist die JA laut AfD-Satzung "offizielle Jugendorganisation" der Partei, für eine Trennung sowie die Einführung einer neuen Organisation muss die Satzung geändert werden. Dafür ist eine Zweidrittelmehrheit notwendig. Mehr Durchgriff beinhaltet beispielsweise die Möglichkeit, Ordnungsmaßnahmen wie Parteiausschlussverfahren gegen JA-Mitglieder durchzuführen. 

"Wenn zum Beispiel in der Familie mal übers Ziel hinaus geschossen wird", erklärte Kay Gottschalk, stellvertretender Bundessprecher der AfD im Deutschlandfunk. Damit meint er sich wiederholende, rechtsextreme Äußerungen und Gesten, die zur eben rechtsextremen Einstufung des Verfassungsschutzes führten. Doch das Wort rechtsextrem will er nicht in Verbindung mit der JA sehen und tut die Einstufung ab - trotz eindeutiger Belege. Einer "sehr straffen Interpretation des Grundgesetzes" werde man sich nicht unterwerfen. Hannes Gnauck hält Gottschalk für einen "exzellenten Kollegen". 

Unterscheidet sich die JA inhaltlich von der AfD?

Die JA gilt als deutlich radikaler als die AfD. Sie wirbt offen mit Slogans wie "Unser Volk zuerst!", wirbt mit "Remigration" als Versprechen. Das Verwaltungsgericht Köln erklärte in einem Urteil, der Verein missachte die Menschenwürde und vertrete einen "völkisch-abstammungsmäßigen Volksbegriff". Als vehementer Unterstützer der Richtung der JA gilt der Landesvorsitzende in Thüringen Björn Höcke, dessen Landesverband ebenfalls als gesichert rechtsextrem gilt.

Der CDU-Politiker Marco Wanderwitz sieht die Neuaufstellung als "durchsichtiges Manöver". "Dass sich der Vorstand der AfD von seiner extremistischen Jugendorganisation trennen will, ist dieselbe Nummer wie bei der Auflösung des rechtsextremen Flügels. Die Leute sind alle noch da, haben nur offiziell keinen eigenen Verein mehr unter dem Dach der AfD", sagte Wanderwitz gegenüber der "Augsburger Allgemeinen". 

Die Linken-Abgeordnete Martina Renner warf dem Bundesinnenministerium vor, die JA bisher nicht nach Vereinsgesetz verboten zu haben. Genügend Gründe hätten vorgelegen, erklärte sie.

Die AfD-Landesverbände in Thüringen, Sachsen und Sachsen-Anhalt werden vom Verfassungsschutz als gesichert rechtsextrem eingestuft. Sechs weitere Landesverbände gelten als rechtsextremer Verdachtsfall und stehen unter Beobachtung - darunter auch der Landesverband von Alice Weidel in Baden-Württemberg. Auch der baden-württembergische Verband der JA gilt als rechtsextremer Verdachtsfall. Insgesamt sind fünf Landesverbände der JA als gesichert rechtsextrem eingestuft worden, vier als Verdachtsfall. 

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