Stämme flutschen durch die Messer
26-Tonnen-Spezialmaschine erntet in steilem Gelände schwache Fichten

Es braucht zwei, drei, vier Versuche, bis Forstwirt Samuel Warkentin den nächsten Stamm "am Haken" hat und ihn vom Boden hochzieht. "Am Hang ist das ein bisschen ein Problem", erklärt Maschinenführer Klaus Ruoff. Das ist der Grund, warum diese äste- und rindefressende Riesen-Spezialmaschine im Staatswald Hohler Stein auf Gemarkung Obersulm im Einsatz ist. Mehr als zwei Wochen dauert diese Pflegemaßnahme der fünf Männer mit dem Steilhangharvester, dem Forwarder und einer Raupe. Die weitere Besonderheit: Erstmals hat der Eschenauer Revierleiter Alexander Fichtner kein Privatunternehmen beauftragt, sondern einen Trupp der landeseigenen Forst-BW vom Maschinenbetrieb Ochsenberg.
Durchforstung "Eine ganz normale Durchforstung in sehr steilem Gelände", nennt Fichtner den Auftrag, bei dem etwa 500 Festmeter Fichte Platz machen für das Gedeihen stärkerer Artgenossen. Im Winter noch ist das Projekt gescheitert, weil es viel zu nass war. Der Vorteil der Trockenheit: Harvester und Rückemaschine hinterlassen keine schädlichen Spuren auf dem Waldboden.
Fichtner schätzt, dass es hier bis zu 35 Grad steil ist. "Das ist steiler", meint Maschinenführer Klaus Ruoff. Wo Hänge bis zu 55 Grad abfallen, kann das 26 Tonnen schwere Ungetüm noch arbeiten. Da haben die 1,80 Meter hohen Räder mit den schweren Stahlbändern Haftung. Und da kann die Maschine mit der Traktionshilfswinde an einem starken Baum befestigt werden. Sobald sie vorwärts fährt, gibt das Seil nach. Rückwärts kann die Winde die Maschine mit bis zu sieben Tonnen Zugkraft unterstützen.
Das rote Schwert der Kappsäge am Aggregat schnalzt heraus − Sägemehl sprüht, zack, ist der erste, der Nullschnitt gemacht. "Das Holz ist faul", erkennt Ruoff auf einen Blick, mindere Qualität. Der Stamm flutscht weiter durch die Antriebswalzen, die Messer entasten und schälen in Sekundenschnelle. Der nächste Schnitt: "Schön weiß. Das Holz ist wieder in Ordnung." Allein die Qualität muss der Fahrer beurteilen, den Rest erledigt der Computer. Er springt jetzt automatisch auf die Länge von fünf Metern, in die er den Stamm einschneidet − das Sortiment für gute Qualität. Länge und Durchmesser kann der Maschinenführer auf dem Display ablesen. Daneben hat er eine Rückfahrkamera und etwa 40 Knöpfe mit verschiedensten Funktionen, inklusive der Seilwinden-Bedienung.
Kein Wunder, dass Samuel Warkentin abends "echt platt ist". Hitze und Maschinenlärm belasten in der vollklimatisierten und schallgedämmten Kabine nicht. Aber die Arbeit sei "extrem vom Kopf her. Es ist eine sehr komplexe Maschine, und man muss auf sehr viele Dinge achten". Vor allem höllisch aufpassen. "Beim Fällen könnte jederzeit ein Baum auf die Maschine fallen", nennt Ruoff eine der Gefahren. Der Harvester sortiert auch das Holz, so dass der Kran des Forwarders mit seinen zehn Metern Reichweite die zugeschnittenen Teile am Waldweg für den Abtransport mit dem Lkw poltern kann. "Sonst müsste er zu klauben anfangen, wie bei einem Mikadospiel", sagt Ruoff.
Erleichterung "Die Technik ist eine Erleichterung", ergänzt der Maschinenführer. "Früher mussten die Forstwirte die Abschnitte raus tragen. In so einem steilen Hang läuft auch kein Gaul", sagt Fichtner. Nur bei schwachem Holz lohnt sich die Maschine, weil diese, je nach Stärke, zwischen fünf und 25 Festmeter Holz ernten kann − übrigens pfleglicher für den Waldboden und umstehende Bäume. Dennoch ist im Hang Manpower angesagt.
"Da schaffen sie ganz unten drin, die armen Kerle", zeigt Revierleiter Fichtner auf zwei orangefarbene Punkte in der Tiefe der Klinge. Das ist der Vorliefertrupp, der außerhalb der Zehn-Meter-Reichweite des Steilhangharvesters mit der Motorsäge die rot-markierten Fichten fällt und mit einer Spezialraupe für die weitere maschinelle Verarbeitung heraus zieht.




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