Stimme+
Obersulm

Räte fordern Tempo 30 für Willsbach

   | 
Lesezeit  2 Min
Erfolgreich kopiert!

Maßnahmen im Lärmaktionsplan für B 39 und L 1035 vorgeschlagen − Bund und Land entscheiden

Von unserer Redakteurin Sabine Friedrich
Die Löwensteiner Straße in Willsbach: In diesem Abschnitt der B 39 hat das Landratsamt vor einem Jahr täglich 12 200 Fahrzeuge gemessen. Die Belastung für die Anwohner liegen im gesundheitsgefährdenden Bereich.Fotos: Dennis Mugler
Die Löwensteiner Straße in Willsbach: In diesem Abschnitt der B 39 hat das Landratsamt vor einem Jahr täglich 12 200 Fahrzeuge gemessen. Die Belastung für die Anwohner liegen im gesundheitsgefährdenden Bereich.Fotos: Dennis Mugler

Nicht kleckern, sondern klotzen: Über diese Maxime von CDU-Fraktionschef Thomas Lüdecke war sich der Gemeinderat Obersulm einig. Deshalb die einstimmige Maximalforderung: Tempo 30 in den Ortsdurchfahrten von Willsbach − der B 39 und der L 1035. Viele Anwohner der beiden Hauptverkehrsadern sind einer gesundheitsgefährdenden Lärmbelastung ausgesetzt. Und diese muss mithilfe des Lärmaktionsplans minimiert werden. Die Analyse und der Maßnahmenkatalog wurden am Montagabend dem Gremium vorgestellt. Das beschloss zudem, auf eine Geschwindigkeitsreduzierung von "70" auf "50" zwischen Willsbach und Affaltrach zu pochen und mittelfristig vom Land zu verlangen, einen lärmmindernden Belag einzubauen. Die Gemeinde leistet selbst ihren Beitrag, die Belastung der Anwohner einzudämmen: Sie will regelmäßig Schäden im Belag ausbessern und kaputte Schachtdeckel gegen "leisere" auswechseln.

Extrem In der zweiten Stufe des von der EU geforderten Lärmaktionsplans rücken Hauptverkehrsstraßen mit mehr als 8200 Fahrzeugen pro Tag in den Fokus. In Obersulm damit die B 39, die L 1035 von Willsbach bis nach Affaltrach und die A 6, deren Verkehr in Sülzbach zu hören ist. Vor allem nachts "ganz extrem" bei einem Schwerlastanteil von 45 Prozent. Gegenüber der Autobahn sei das Aufkommen an schweren Lkw in Willsbach mit teils niedrigen einstelligen Prozentzahlen laut Uwe Zimmermann "relativ gering".

826 Obersulmer sind erhöhten Lärmbelastungen ausgesetzt, bei 276 Anwohnern reichen diese zur Gesundheitsgefährdung. Besonders betroffen die Willsbacher in der Ortsmitte. Deshalb empfahl der Diplom-Ingenieur Tempo 30 auf der B 39, wo tagsüber an 40, nachts an 50 Gebäuden die Lärmschutzrichtlinien überschritten werden. Zimmermann sah gute Chancen, dass die Verkehrsbehörde ihrer Pflicht nachkommt und kurzfristig die Geschwindigkeitsreduzierung anordnet. Das gelte allerdings nicht für den Abschnitt der L 1035 zwischen Willsbach und Affaltrach. Hier würden weder tags noch nachts die Richtlinien überschritten. Also liege es lediglich im Ermessen der Verkehrsbehörde, lärmmindernde Maßnahmen anzuordnen.

Das wollten die Räte so nicht stehen lassen. "Hier muss man ganz massiv gegenüber der Verkehrsbehörde auftreten", meinte Helmut Hornung (Grüne). Seit 20 Jahren kämpfe man für Tempo 50 zwischen den Ortsteilen, sagte Fraktionschef Armin Waldbüßer. Michael Schepperle (SPD) sah diesen Abschnitt sogar als "vordringliche Maßnahme", was ihm den Beifall der Zuhörer im vollbesetzten Sitzungssaal einbrachte. Auch Peter Dossow für die SPD und Thomas Lüdecke wollten unterschiedliche Beschränkungen − "50", dann "70", dann wieder "50" − nicht länger gelten lassen.

Zumutung Angesichts vieler Lärmgeplagter sah Lüdecke die Hauptverkehrsadern als "absolute Zumutung" für Obersulm, die B 39 als einzigen Makel der Gemeinde. Die Dauerbelästigung sei ein "absoluter Wahnsinn". Die Ratskollegen trugen seine Meinung mit, Tempo 30 im Maßnahmenkatalog nicht auf Abschnitte zu beschränken. "Wir müssen gucken, dass wir einen ganz großen Schritt machen", so Lüdecke.

"Vielleicht bringt 30 was", war Ulrich Hohl (FWV) skeptisch. Jedoch: "Wir schneiden am Geschwür herum." Ihm gingen ihm die Verbesserungsvorschläge nicht weit genug. "Der Verkehr muss raus", ereiferte er sich. Die Gemeinde müsse sich viel mehr hinter die Realisierung der Ortsumgehung − die allerdings in weiter Ferne ist − klemmen.

"Die Erwartungshaltung ist immer höher als das, was der Lärmaktionsplan bringen kann", machte Bürgermeister Tilman Schmidt deutlich. Tempo 30 sei kein Allheilmittel, Kontrolle erforderlich. Er war froh über den breiten Konsens im Gremium und erhofft sich von den Maßnahmen nicht nur weniger Lärm, sondern auch mehr Verkehrssicherheit.

Auch auf der L 1035 von Willsbach nach Affaltrach soll die Geschwindigkeit reduziert werden.
Auch auf der L 1035 von Willsbach nach Affaltrach soll die Geschwindigkeit reduziert werden.
Da ist sich der Gemeinderat einig: Statt "70" soll zwischen Willsbach und Affaltrach "50" stehen.
Da ist sich der Gemeinderat einig: Statt "70" soll zwischen Willsbach und Affaltrach "50" stehen.
Nach oben  Nach oben