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Obersulm

Mit gutem Gewissen einkaufen

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Stern-Boutique bietet Menschen mit Behinderung Arbeit. Ab Samstag starten die Frauen eine Herbstaktion, in der ausgewählte Stücke verkauft werden.

Von unserem Redaktionsmitglied Katharina Freundorfer

Klaus Schirmer (52) und Doris Peter (60) arbeiten seit Jahren in der Stern-Boutique und bringen ihre Fähigkeiten beim Leeren des Sammelcontainers, Sortieren und Aufhängen der Kleiderspenden ein. Fotos: Katharina Freundorfer
Klaus Schirmer (52) und Doris Peter (60) arbeiten seit Jahren in der Stern-Boutique und bringen ihre Fähigkeiten beim Leeren des Sammelcontainers, Sortieren und Aufhängen der Kleiderspenden ein. Fotos: Katharina Freundorfer

Faire Verwertung von Altkleidern − diesem Motto haben sich die Leiterinnen der Stern-Boutique in Obersulm-Weiler, Christa Schartel und Martina Schneider, verschrieben. Im Secondhand-Laden, den es seit 2002 gibt, arbeiten Menschen mit Behinderung. Zudem kommt der Erlös des Ladens Bedürftigen zugute. Der Laden ist ein Außenstelle der Evangelischen Stiftung Lichtenstern gleich neben dem Radladen. Ab Samstag starten die Frauen eine Herbstaktion, in der ausgewählte Stücke verkauft werden.

"Wir schaffen Arbeitsplätze für Menschen mit Behinderung, lassen ihnen auch direkt die Kleidung zukommen und sorgen für ein gutes Gefühl bei den Kunden, während sie nachhaltig gute Ware einkaufen", sagt Martina Schneider von der Stern-Boutique. Nicht der Profit, sondern der soziale Gedanke steht im Vordergrund, so Ulrike Richter, Pressereferentin der Stiftung Lichtenstern. Momentan arbeiten sieben geistig und teils körperlich behinderte Mitarbeiter in der Stern- Boutique. Anastasia Neumann aus Weinsberg zum Beispiel ist seit 2011 in der Sortierung der Kleidung sowie im Verkauf tätig. "Ich will aber noch viel Neues in der Boutique lernen", sagt die 24-Jährige.

Aufgaben

Die drei Frauen und vier Männer mit geistiger Behinderung im Alter von Anfang 20 bis 60 Jahren sind jeweils für die Aufgaben zugeteilt, für die sie ein besonderes Talent haben. So ist Eckhart Eilenberger aus Willsbach sehr offen und begrüßt die Besucher immer freundlich. "Ich kümmere mich um die Container und leere anschließend die Kleidersäcke", erzählt Klaus Schirmer, 52 Jahre, beispielsweise über seine Arbeit.

Die beiden Frauen sprechen auch nicht gerne von Defiziten der Beschäftigten, sondern viel lieber von ihren Talenten, die sie im Arbeitsalltag gezielt einsetzen. So unterstützen auch nur zwei Mitarbeiterinnen in Teilzeit die Beschäftigten im Verkauf. Nikolaus Pflanzer, Werkstattleiter der Stiftung Lichtenstern, setzt auf die Kunden: "Wir bauen auf die mündigen Bürger, die selbst entscheiden, ob sie uns ihre Altkleider sinnvoll spenden und lieber bei uns einkaufen wollen." Eines solle jeder Spender jedoch bedenken: "Lumpen und alte Malerklamotten gehören in den Restmüll", sagt Jürgen Rudolph von der AGB Recycling.

Wieso aber ist nun ausgerechnet die Stern-Boutique ein Angebot für faire Altkleiderverwertung? "Nicht jeder Sammel-Container an der Straße dient einem karitativen Zweck", weiß Jürgen Rudolph. Die AGB Recycling ist ein gemeinnütziges Unternehmen des Weinsberger Hilfsvereins für Menschen mit psychischen Problemen. Und Kooperationspartner der Stern-Boutique in Weiler. Sie nimmt ihr unverkäufliche Kleidung sowie Ladenhüter ab. Drei bis vier Leute, die sonst auf dem Arbeitsmarkt chancenlos wären, sind bei der AGB Recycling beschäftigt und kümmern sich unter anderem um 38 Altkleider-Container im Landkreis.

Faire Verwertung

Die Weiterverwertung von gespendeten und nicht verkäuflichen Klamotten wiederum übernimmt die Recycling-Firma Striebel in Langenenslingen: Sie verwertet die Secondhand-Ware nach den Kriterien des Dachverbands Fairwertung. Dieser will einen umwelt- und sozialverträglichen Umgang mit Altkleidern entwickeln. Das Konzept der Stern-Boutique sieht eine nachhaltige Verwertung von Altkleidern vor, und erreicht zugleich, dass Menschen mit Behinderung eine Arbeit haben. Zudem können sich Wohngruppen in der Boutique einkleiden. Der soziale Ansatz hat sich bereits bewährt: "Der Kundenzuwachs innerhalb von wenigen Jahren ist enorm. Pro Verkaufstag kommen bis zu 80 Kunden, und an Aktionstagen sind es auch über 100 Besucher sowie Käufer", freut sich Christa Schartel.

Voller Kleidercontainer: Anastasia Neumann, Eckhart Eilenberger und Klaus Schirmer (rechts) freuen sich über die vielen Spenden aus dem Landkreis.
Voller Kleidercontainer: Anastasia Neumann, Eckhart Eilenberger und Klaus Schirmer (rechts) freuen sich über die vielen Spenden aus dem Landkreis.
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