Stimme+
Weinsberg
Hinzugefügt. Zur Merkliste Lesezeichen setzen

Interkontinentalübungen zur Integralrechnung

   | 
Lesezeit  2 Min
Erfolgreich kopiert!

Frank Bäuerle als Brücke zwischen Kerner-Gymnasium und Universität Santa Cruz in Kalifornien

Von Karin Freudenberger
Professor Frank Bäuerle mit Schüler Benjamin Beckbissinger beim gemeinsamen Blick auf das Tutorial auf dem Rechner.Foto: Karin Freudenberger
Professor Frank Bäuerle mit Schüler Benjamin Beckbissinger beim gemeinsamen Blick auf das Tutorial auf dem Rechner.Foto: Karin Freudenberger

Der Weg vom Abiturienten zum Mathematikstudenten an der Hochschule ist für Jugendliche oft schwieriger als sie vorher ahnen. Deswegen bot das Justinus-Kerner-Gymnasium (JKG) im letzten Schuljahr erstmals für die Oberstufe einen Wahlkurs zur Vertiefung von Differential- und Integralrechnung an. Selbstverständlich mit Noten und Hausaufgaben. Gar nicht selbstverständlich die Form dieses Unterrichts der besonderen Art.

Lehre Bei der Schule hatte sich nämlich Frank Bäuerle gemeldet, der selbst im Jahr 1982 in Weinsberg Abitur gemacht, danach in Karlsruhe Mathematik und Informatik studiert hatte und mittlerweile an der Universität von Kalifornien in Santa Cruz in der Lehre tätig ist. Bäuerle hatte ein Computerprogramm entwickelt, das Schülern in einzelnen Lektionen neue Wege zur Lösung von Funktionen eröffnete. Doch bevor er damit in die Vermarktung gehen wollte, suchte er Testschulen. "Ich war selbst gerne Schüler am JKG, bin immer noch regelmäßig in Weinsberg, um meine Eltern zu besuchen, also bot sich eine Zusammenarbeit an", erklärt er.

Und natürlich zeigten sich Rektor Hans-Jürgen Maciejewski und Fachbereichsleiterin Heidrun Janning begeistert über diese Möglichkeit, fachlich hochwertiges Studienmaterial zum Nulltarif zu bekommen. Einfach nur gegen die Auflage, Teil eines Pilotprojekts zu sein. Bäuerle stellte sein Produkt persönlich vor, seitdem öffnen zehn Schüler, darunter zwei Mädchen, jede Woche zwei Stunden im PC-Raum das Programm. Dann erscheinen nicht nur auf dem Bildschirm sondern auch am Whiteboard Funktionen und Kurven, dazu kommt eine Stimme, die die Schritte und Rechnungen erklärt. Das war übrigens anfangs auch für Bäuerle ein neues Erlebnis. "Ich stand bei der Aufnahme im Hörsaal vor einer Kamera statt vor Studenten", erinnert er sich an den Beginn. Wenn die Weinsberger Schüler zu Hause via E-Book ihre Hausaufgaben machen und Fragen haben, können sie übrigens direkt in den Chatroom gehen und diese nach Amerika weiterleiten. Manchmal kommt die Antwort direkt nach ein paar Minuten, manchmal dauert es Stunden. Zwischen Weinsberg und Santa Cruz liegt eine Zeitdifferenz von neun Stunden.

Tutorium Ein Erfolg war es für Janning, dass sich nach dem ersten Probejahr die Schüler alle dazu entschieden, mit dieser Form des Tutoriums weiterzumachen. Auch wenn es anfangs eine Umgewöhnung war, alle mathematischen Begriffe nur auf Englisch zu hören. Wenn zum Beispiel aus dem "limes" ein "limit" wurde oder die Y-Achse anders klang. "Nachdem die meisten Studenten heute Auslandssemester machen, ist das ein guter Einstieg, zumal das intermediale Lernen am PC den Schülern Spaß macht", hat Janning beobachtet. Schüler Kevin Krumbach ergänzt, dass er mit der Wahl dieses Kurses zunächst testen wollte, ob für ihn überhaupt ein Informatikstudium in Frage kommt.

Nach oben  Nach oben